Autor Thema: Tomate und ihre Verstoffwechslung  (Gelesen 3702 mal)

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Vio

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Tomate und ihre Verstoffwechslung
« am: 04. Dezember 2014, 03:12 Uhr »
Hallo Leute :-)

Meine Tiere haben immer schon Tomate bekommen und es auch gut vertragen, soweit ich das beurteilen kann.
Irgendwann hieß es dann irgendwo (  ;-) ) Tomate ginge auf gar keinen Fall, weil das irgendwie nicht richtig verstoffwechselt werden könne und falsches Calcium-Phosphor-Verhältnis (bin mir da nicht mehr sicher, es ging auf jeden Fall um Calcium) und so weiter und blos nicht geben.
War damals schockiert, mochten die Tiere Tomate doch gern, kamen gut damit klar und Vitamin C usw. ist auch drin...
Und habe es dann auch weiter gefüttert, vielleicht etwas weniger häufig als zuvor...

Wie ist das nun, können sie Tomate vernünftig verdauen oder nicht?
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Murx Pickwick

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 1 am: 04. Dezember 2014, 04:49 Uhr »
Alles, was mit dem Calcium : Phosphor Verhältnis begründet wird, ist falsch ... weil, der Calciumstoffwechsel ist ja schon vollständig unabhängig vom Phosphorstoffwechsel! Und nicht nur das, die Calciumaufnahme kann über Vitamin D3 und über die geschickte Kombination von Pflanzenwirkstoffen geregelt werden. Selbst, wenn es aufs Calcium : Phosphor-Verhältnis ankäme, würde das von den Tieren selbst eingestellt werden.

Ausnahmslos jede Pflanze enthält diverse Stoffe, die nicht oder nicht richtig verstoffwechselt werden können und deshalb wieder mit dem Harn ausgeschieden werden. Am Auffälligsten ist es mit Farbstoffen, wie die Rotfärbung des Harns beim Genuß von Betanin, was dann den Harn rot färbt. Es ist also vollkommen normal, daß die Wutzen mit Pflanzenstoffen klarkommen müssen, die in den Körper gelangen und dann mehr oder weniger ungenutzt wieder über den Harn ausgeschieden werden müssen.

Tomate enthält nix, was Calcium nennenswert binden, an der Aufnahme hindern oder sonstwie die Calciumaufnahme behindern oder aber die Calciumaufnahme irgendwie heraufsetzen könnte.

Wenn die Tomate zuwenig Calcium enthält, wird das Calcium über andere Pflanzen gedeckt ... ebenso mit Phosphor ...

Das Problem der Tomate ist vielmehr, daß sie als Frucht besonders gut verdaubar ist - und damit im Übermaß für Meerschweinchen, die an langfaserige, schwerverdauliche Kost angepaßt sind, nicht gut ist - ich kenne keinen Tomatenjunkie unter den Meerschweinchen, welcher freiwillig zuviel Tomate futtert, dazu müßte man sie schon stark rationalisieren und Tomate besonders viel anbieten - aber da wissen wir ja schon, da ist jegliches Frucht- und Knollengemüse suboptimal.

Vio

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 2 am: 04. Dezember 2014, 12:32 Uhr »
Dankeschön :-)
Also ist ab und an Tomate sicher nicht so schlimm... ;)
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Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Smoky

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 3 am: 04. Dezember 2014, 14:53 Uhr »
Tomate war jedenfalls bei Frischfutter-ungewohnten Tieren manchmal der Auslöser für Lippengrind, so wie Apfel auch...
Liebe Grüße
Tina

Böckchenliebhaberin

Saubergschweinchen

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 4 am: 05. Dezember 2014, 11:06 Uhr »
Ich tu mich sehr schwer damit Fruchtsäuren als "Auslöser" für Lippengrind darzustellen. Es ist sicher richtig das sie diesen unter Umständen begünstigen aber Lippengrind ist oft eine so vielfältige Mischinfektion aus Pilzen und Bakterien das man das meiner Meinung nach nicht pauschal sagen kann.

Ich hatte, trotz vieler Tiere aus Beschlagnahmungen und schlechter Haltung, nur ein einziges Tier mit Lippengrind. Das hatte ich auch schon so übernommen, einmal ausgeheilt konnte sie alles in beliebigen Mengen fressen und es trat nie wieder auf. Wohingegen man ja regelmäßig von Tieren liest die auf Tomate oder Apfel regelmäßig mit Lippengrind reagieren. Für mich ist das eine Frage des Immunsystems und sollte nicht prinzipiell auf Fruchtsäuren geschoben werden.


Smoky

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 5 am: 05. Dezember 2014, 19:39 Uhr »
Ich habe lediglich eine Beobachtung bei vielen Nottieren geschildert, ohne Angabe von Gründen.


Liebe Grüße
Tina

Böckchenliebhaberin

Noodlz

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 6 am: 05. Dezember 2014, 22:43 Uhr »
Verteufeln kann man die Tomate sicher nicht. Meine Schweinchen bekommen ab und zu mal Tomate als Leckerli, und da gab es noch nie Probleme. Aber die vertragen eh einfach alles, was so ins Schwein rein darf.

Allerdings hatte ich auch einmal einen Kastrationsgast da, der zuhause entgegen der Aussage der Besi fast kein Frifu bekommen hat, mit den Standardsachen aber auch keine Probleme hatte. Er konnte nur nicht allzu viel damit anfangen, aber das steht ja auf einem anderen Blatt. Die Tomate hatte es ihm aber angetan, und sofort blühte da der schönste Lippengrind, obwohl auch er nur ein kleines Stückchen erwischt hatte.

Seitdem glaube ich schon, dass sehr einseitig und mangelernährte Schweinchen mit Tomate Probleme bekommen können. Einem Neuzugang, von dem ich nicht weiß, was er bisher kennengelernt hat, (die meisten sind ja Notis), würde ich heute erst mit Tomate kommen, wenn ich vieles andere ausgetestet und angefüttert habe.

Katharina

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 7 am: 06. Dezember 2014, 18:09 Uhr »
Ich könnte mir vorstellen, dass der Säuregehalt nicht bei allen Tomaten gleich hoch ist - es gibt ja soviele verschiedene Sorten von Tomaten mit recht unterschiedlichem Geschmack. Meine Schweinchen mögen und vertragen Tomaten und Äpfel (aus dem eigenen Garten) sehr gut und futtern mitunter recht große Mengen davon. Verdauungsbeschwerden gibt's da keine.

Clara hatte in ihren letzten Lebensmonaten hin und wieder etwas entzündete Mundwinkel. Ich weiß nicht, ob das vielleicht beginnender Lippengrind war? In dieser Zeit habe ich den Schweinchen deshalb sicherheitshalber weder Tomaten noch Äpfel angeboten. Die wunden Mundwinkel von Clara sind dann wieder abgeheilt.
Liebe Grüße
Katharina :ms2:

Smoky

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 8 am: 07. Dezember 2014, 18:23 Uhr »

Clara hatte in ihren letzten Lebensmonaten hin und wieder etwas entzündete Mundwinkel. .

Wäre für mich nur ein Symptom  :g:
Liebe Grüße
Tina

Böckchenliebhaberin

Hugomero

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 9 am: 07. Dezember 2014, 19:51 Uhr »
Ich hab irgendwo mal gelesen, daß man die Kerne entfernen soll, ebenso den Strunk - hab ich bisher nicht gemacht...
Susi mit Pinola, Chillie ,Yuki , Reyna, Sarah und Enya

Murx Pickwick

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 10 am: 07. Dezember 2014, 21:58 Uhr »
Die Kerne sind wertvolle Zusatzkost, sie bieten Gerbsäuren und in geringen Mengen cyanogene Glycoside, die in diesen geringen Mengen Kreislaufanregend sind. Sind also gesund - warum rauspuhlen?

Der Strunk enthält geringe Mengen Solanin - aber genau soviel Solanin, daß die Meerschweinchen ihn zur Darmreinigung und insbesondere auch zur Spulwurmbekämpfung einsetzen können. Meerschweinchen wurden über Jahrtausende mit Gräsern und den Gemüseabfällen von Menschen gefüttert, Gemüseabfälle heißt in dem Fall große Mengen solaninhaltige Blätter, Stengel etc da das meiste Gemüse, was in Peru gefuttert wird, nunmal Nachtschattengewächse sind - Meerschweinchen sind also an größere Mengen Solanin angepaßt (im Gegensatz zu den Wildformen).
Also - warum abschneiden?

Hugomero

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Antwort: Tomate und ihre Verstoffwechslung
« Antwort 11 am: 07. Dezember 2014, 22:13 Uhr »
Danke Murx, ich hab hier in kurzer Zeit schon so viel gelernt, auch nicht zuviel " nachzudenken"  :winke:

Drum für ich mich, daß mein Bauchgefühl ( einfach rein damit ) richtig war
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