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Gurkenschnäuzchen

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« Antwort 15 am: 16. September 2020, 18:45 Uhr »
Hallo Narnia!  :winke:

Das tut mir Leid, dass dein erster Versuch gescheitert ist. Ich freue mich aber, dass du es nochmal probieren willst! Die Jungs hätten sicher ein ganz tolles Leben bei dir.  :fr:
Da wäre es wirklich schade, wenn sie zurück müssten.
Wenn ich das alles so lese, ist es doch eigentlich gut gelaufen! Ich glaube nicht, dass die Kastration irgendetwas am Verhalten ändern wird. Aber es ist auf jeden Fall ein guter Schritt.
Nur durchhalten musst du, wenn es klappen soll.

Wie lange waren die 5 denn jetzt zusammen, bevor du getrennt hast? Aus deinem Text lese ich, dass es noch gar nicht sooo lange war. Also maximal eine Nacht, richtig? Wenn es klappen soll, darfst du dich nicht von Angst leiten lassen, dass es zu Beißereien kommen könnte.
Das kann zwar immer passieren, muss aber nicht!
Nur weil einer nicht aufhören will heißt das nicht, dass die Anderen gleich richtig böse werden.
Wobei ich natürlich verstehe, dass du dich um die Jungs sorgst.
Nur ist an dem Leitsatz ‚nicht trennen, so lange kein Blut fließt‘ schon viel Wahres dran.
Die Jungs müssen sich im wahrsten Sinne des Wortes zusammenraufen.

Aufreiten, schnuppern und lecken ist da völlig normal und hat wenig mit Sexualität zu tun. Das machen Kastraten genauso.
Hier wird einfach die Rangordnung geklärt. Die regeln das schon selbst, wenn es ihnen zu viel wird. Wenn ein ganz Frecher dann mal eins auf die Nase bekommt, dann ist das auch Erziehung. Das Ganze kann auch mal Wochen dauern, wobei dann die Abstände natürlich größer werden müssen. Ein paar Tage hätte ich mir das Ganze an deiner Stelle schon angeschaut.  :pfeif:

Wenn das schon das Schlimmste war, dann hättest du sogar super Chancen auf Erfolg gehabt, wenn du nicht eingegriffen hättest!

Du schreibst aber auch, einer deiner Jungs hat sich richtig weh getan?
Wie meinst du das?
Hat er sich wirklich verletzt oder ist er danach einfach nur jammernd in der Ecke gesessen? Das kann schon vorkommen und obwohl es einem das Herz bricht, muss man da einfach hart bleiben. Auch die Wunde an der Nase macht gar nichts. Das sind Kleinigkeiten mit denen die Jungs schon fertig werden. Selbst ein eingerissenes Ohr würde schlimmer aussehen als es ist.

Tiefe Bisswunden währen etwas anderes,
aber da lese ich ja aus deinem Text, dass es nicht zu solchen Beißereien kam, richtig?
Das Zirpen ist noch so eine Sache. Ich nehme mal an, es war ein Zeichen von großem Stress durch die Vergesellschaftung. Da habe ich selber keine Erfahrungen. Diego hat vor Jahren einmal gezirpt nachdem er sich richtig übel erschreckt hatte. Vielleicht ist bei dir ja etwas Ähnliches passiert. Aber selbst wenn die Jungs jetzt gerade total gestresst sind, ist das ein kleiner Preis für das Gruppenleben, das sie danach alle genießen dürfen.
Es ist ja kein Dauerzustand. Da darf man ihnen das auch mal zumuten. Es geht vorbei!

Ich achte beim Vergesellschaften erst mal nur drauf, dass sie sich nicht übel beißen, alle fressen, jeder auch mal entspannt herum liegt und niemand so sehr gejagt wird, dass er in Panik an der Begrenzung hoch springt. DAS wären für mich Trennungsgründe. Alles andere nicht.

Bitte gib ihnen nach der Kastration und genügend Ruhe nochmal eine Chance und halte durch!  :fr:
Wenn du meinst, dass einer gerade zu sehr bedrängt wird, wirf lieber noch eine Ladung Frischfutter zur Ablenkung rein. Als Jamie hier eingezogen ist, hab ich ständig was Neues aufgetischt, damit mal kurz Ruhe eingekehrt ist. Ich war dann schon glücklich, wenn er sich was holen durfte, ohne dass es Ärger gab. Inzwischen ist hier an Streit gar nicht mehr zu denken, aber vor ein paar Wochen sah das auch noch ganz anders aus.


Narnia

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« Antwort 16 am: 17. September 2020, 15:24 Uhr »
Danke, Gurkenschnäuzchen für Deinen Beitrag! Ich schätze das wirklich und will auch nicht einfach stur bei meiner Sicht bleiben. Darum tauschen wir uns ja hier aus.

Es war schon so, dass von den rund 16 Stunden [Korrektur: 19 Stunden] ich ohne Übertreibung mich nicht einmal an fünf Minuten Ruhe erinnern kann. Ich war ja fast durchgängig dabei. Die letzten 10 Stunden hat unser Erster fast alleine die anderen abgewehrt oder versucht, ihnen zu zeigen, dass er der Stärkere ist. Es war auch so offensichtlich, dass er überlegen war, dass gut sozialisierte Böckchen, das längst akzeptiert hätten oder es zumindest nur ab und an wieder versucht hätten. Das ist natürlich nur eine Vermutung, anhand dessen, was ich von anderen Vergesellschaftungen gelesen und gesehen habe.

Das was ich als sexuell bedingtes Verhalten ansehe, hatte ich auch bei unserem Zweiten beobachtet - in abgeschwächter Form und nur zeitweilig. Und bei ihm wurde genau das nach der Kastration zunächst weniger und nach ca. 4 Wochen war es so gut wie ganz verschwunden.

Meine These ist daher: Es gibt Böckchen, die einfach dominant sind o.ä., bei denen die Kastration nichts oder nur wenig ändern wird. Es gibt andere, bei denen die sexuelle Komponente viel stärker ist; und bei denen bewirkt die Kastration eine deutliche Veränderung. Darum gibt es wahrscheinlich auch die zwei "Lager" im Internet: Die einen sagen: "Eine Kastration ändert am Verhalten nichts." Die anderen berichten: "Sie hat das Tier viel verträglicher gemacht."

Das ist natürlich nur eine These, keine bewiesene Behauptung. Auf jeden Fall bin ich gespannt, ob sie bei den drei Kleinen erhärtet oder widerlegt wird. Ich hoffe natürlich sehr, dass sie bestätigt wird, nicht damit ich recht habe, sondern damit die fünf in Frieden zusammenleben können.

Was die Verletzungen angeht: Die Ritzer am Schnäuzchen finde ich auch harmlos. Eine wie auch immer geartete Verletzung des Rückgrats ist für mich allein schon ausreichend es abzubrechen, da abzusehen war, dass es zu weiteren solcher Sprünge kommen würde. Das Risiko einer dann entstehenden schweren Verletzung war mir viel zu groß.

Ein anderer Aspekt, der mich zum Abbrechen bewog, war das, was ich von Professor Sachser gelesen hatte. Bei ihnen sind mehrere Meerschweinchen an starken mehrtägigen Stress von Vergesellschaftungsversuchen gestorben. Sie haben darauf die Versuche dieser Art nach 6 Tagen abgebrochen und in der Zwischenzeit ohnehin die Stressindikatoren sehr häufig gemessen. Das können wir als normale Halter ja nicht tun. Der Autor weist ausdrücklich daraufhin, dass die Tiere sich nicht verletzten und trotzdem starben am Anfang von den Verlierern einige bzw. mussten mit irreversiblen Schäden eingeschläfert werden.

Eine Vergesellschaftung wie unsere ist alles andere als natürlich. Die Schweinchen haben sich das nicht ausgesucht und konnten auch nichts daran ändern (z.B. durch Rückzug wie es in Freiheit möglich wäre). Ich habe entschieden, dass ich es riskieren will und ich habe daher auch die moralische Verantwortung dafür, wann ich abbreche. Das schreibe ich nicht gegen Dich, Gurkenschnäuzchen, sondern als eine weitere Erklärung, warum ich nicht einfach weiter zugeschaut habe.

Zitat
Ich achte beim Vergesellschaften erst mal nur drauf, dass sie sich nicht übel beißen, alle fressen, jeder auch mal entspannt herum liegt und niemand so sehr gejagt wird, dass er in Panik an der Begrenzung hoch springt. DAS wären für mich Trennungsgründe. Alles andere nicht.

Bitte gib ihnen nach der Kastration und genügend Ruhe nochmal eine Chance und halte durch!  :fr:
Wenn du meinst, dass einer gerade zu sehr bedrängt wird, wirf lieber noch eine Ladung Frischfutter zur Ablenkung rein.

Das meiste Futter wurde ignoriert oder nur schnell in Hektik zum Teil gefressen. Das half leider nicht genug. Entspannt herumliegen konnte unser Erster wie schon geschrieben mindestens 10 Stunden nicht. Das ist für Meerschweinchen mit ihren kurzen Wach- und Ruhephasen schon sehr viel. Wenn einer mit dreien "kämpfen" muss, ist das selbst für ein körperlich stärkes Tier eine große Anstrengung.

Ich werde ja erst einmal sehen, ob die Kleinen sich untereinander entspannter verhalten werden. Das wäre schon ein erster Schritt in die richtige Richtung. Der Rest wird sich dann beim zweiten Versuch zeigen. Mir ist wirklich sehr daran gelegen, dass es gelingen wird, aber nicht um jeden Preis.

Gurkenschnäuzchen

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« Antwort 17 am: 24. September 2020, 11:42 Uhr »
Hallo, Narnia!  :winke:

Ich wollte eigentlich schon viel früher antworten, aber es war unheimlich viel los bei mir.
Jetzt aber!

Erstmal keine Sorge. Du klingst überhaupt nicht stur und letztendlich siehst du die Tiere und kennst sie auch am Besten. Ich wollte dir eigentlich auch nur Mut machen, weil ich weiß, wie sehr man dazu geneigt ist aus Angst um die Süßen abzubrechen.
Gibt es denn inzwischen schon etwas Neues bei dir?

Zum Stand vom letzten Mal noch:
Ja, 16 Stunden ohne jede Pause ist natürlich schon viel für ein Tier. Du bist tatsächlich auch die Nacht dabei geblieben und ganz sicher, dass dir da nichts entgangen ist? So lange es ‚nur‘ Aufreiten ist, hätte ich es aber auch die lange Zeit durchgezogen und mich drauf verlassen, dass der Große (ich hoffe, ich komm jetzt mit den Tieren nicht durcheinander) irgendwann schon klar macht, dass es reicht.

Wenn die Kastration etwas gebracht hat, dann umso besser!
Ich selber konnte bei meinen Tieren noch nie eine Veränderung im Verhalten feststellen. Die sind genau so ‚Mann‘ wie andere auch. Vielleicht ist es bei Frühkastraten anders, aber damit habe ich keine Erfahrung. Wobei in den letzten Jahren auch nur ‚fertige‘ Kastrate bei mir eingezogen sind. Vorher hatte ich aber auch viele Jahre unkastrierte Böckchen. Bis es halt dann einmal schief ging und ich seitdem auch zum Lager ‚Lieber unnötig kastrieren als im Alter allein‘ gehöre.

Zu der Sache mit der Rückgrat kannst nur einschätzen, wie schlimm es war. Wenn er nur blöd gefallen ist, sich aber nichts getan hat, hätte ich es wahrscheinlich weiter riskiert, weil sowas ja nicht die Regel ist. Wenn er sich da aber schon arg weh getan hat, hätte ich wohl auch getrennt. Was Schlimmes will ja schließlich keiner! Ich denke aber auch, dass die Jungs so was schon weg stecken können, wenn der Untergrund jetzt nicht sehr hart ist.

Dass du Professor Sachser ansprichst, finde ich interessant.
Für seine Forschung interessiere ich mich auch, habe allerdings nie das Glück gehabt ein Buch oder Ähnliches von ihm zu finden. Ich kenne da halt nur die alten Dokus aus dem Fernsehen. Falls es da irgendwo noch etwas Lesestoff gibst, darfst es mich gerne wissen lassen  :-)

Nun frage ich mich, was bedeutet es, wenn ein Meeri aus Stress stirbt.
Es fällt ja nicht einfach tot um. Hat es das Fressen eingestellt? Wurde es zu sehr gejagt?
Kurz gesagt, ist es dadurch zu Erkrankungen gekommen, die wir als liebevolle Halter vielleicht auch eher gesehen und dagegen wirken hätten können? Ich könnte mir vorstellen, dass das in der Forschung zu kurz kommt. Krankheiten von Meeris waren ja schon immer so eine Sache…

Ansonsten hätte ich rein vom Stress her wohl ca. 3 Tage durchgehalten, so lange es nicht wirklich schlimme Zwischenfälle gibt. Aber das ist auch nur meine persönliche Meinung.
Hier scheinen ja wirklich wenig Bockgruppenhalter unterwegs zu sein. Hätte mich schon mal interessiert, wie andere das erleben und damit umgehen.
Ich verstehe dich aber total, wenn du das für dich nicht verantworten wolltest.
Das Wohl der Tiere steht für mich auch an erster Stelle.
Es kommt halt immer auf die Situation an.

Auf jeden Fall ist das ein spannendes Thema und wenn du magst, freu ich mich darüber, auch weiterhin von dir zu lesen.


Narnia

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« Antwort 18 am: 26. September 2020, 00:19 Uhr »
Hallo Gurkenschnäuzchen  :winke:

danke für Deine Antworten. Ich will auf die Fragen darin eingehen:

Ich habe in den 16 Stunden das Zimmer nur kurzzeitig verlassen und nur ca. 1,5 Stunden geschlafen, im gleichen Raum. Ich gehe daher davon aus, dass ich eine vorübergehende Beruhigung mitbekommen hätte.

Das Buch "Sozialphysiologische Untersuchungen an Hausmeerschweinchen" habe ich antiquarisch gekauft. Es umfasst nur etwas über 100 Seiten und ist zudem relativ klein. Wegen des Themas war es mir die über 40 Euro wert. Wenn Du magst, kann ich Dir das Buch leihen. Du müsstest mir dazu per PN Deine Adresse schreiben.

Es gibt auch ein neues Buch von ihm "Der Mensch im Tier: Warum Tiere uns im Denken, Fühlen und Verhalten oft so ähnlich sind", in dem es in mehreren Kapiteln auch um die Forschungsergebnisse an Meerschweinchen gehen soll. Dieses Buch steht noch ungelesen bei mir im Regal. Ich hoffe, ich komme bald dazu es zu lesen.

Den erwähnten Tiere, die durch Stress gestorben sind, hätten wir als Halter vermutlich noch weniger helfen können. Sie hatten irreversible Organschäden und mussten daher getötet werden, soweit sie nicht von alleine starben. Als Konsequenz wurden weitere Versuche bei ähnlich erhöhten serologischen Werten frühzeitig genug abgebrochen.

Ich hatte gerade mal nachgeschaut, ob ich ein paar Sätze zititeren könnte. Das würde aber leider für eine sachgemäße Darstellung nicht reichen. Ich möchte an dieser Stelle auch betonen, dass dieses Problem nicht regelmäßig vorkam, sondern nur bei bestimmten Konstellationen. Interessant war aber auch, dass ausdrücklich betont wurde, dass bei entsprechenden Werten im Blut nach drei Tagen abgebrochen werden musste, um irreversiblen Schaden zu vermeiden, das Verhalten der Tiere gegeneinander am dritten Tag aber noch nicht erkennen ließ, dass einer der klare Verlierer war.

Mein Fazit war einfach: Auch wenn unsere Situation natürlich eine andere war, weiß ich ja nicht, wie es den Tieren in dem Streit geht, wenn man es am Verhalten nicht immer ausreichend sehen kann. Daher bin ich lieber zu vorsichtig, als zu lange laufen zu lassen.

Was ich zwischenzeitlich ergänzen kann: Das Verhalten von unseren zwei Großen ist immer noch anders als vor dem Vergesellschaftungsversuch. Es sind nur Kleinigkeiten, aber es zeigt mir einmal mehr, wie sensibel Meerschweinchen sind. Die Vergrößerung der Gruppe soll ja in erster Linie ihnen gut tun (und nur in zweiter mir ;-)).

Die drei Kleinen haben die Kastration bisher sehr gut überstanden. Sie gewöhnen sich immer mehr an uns, sind aber natürlich noch scheu. Sie hatten bisher anscheinend nur wenig Kontakt mit Menschen und vor der Übergangsstelle wahrscheinlich auch nur wenig Abwechslung im Leben. Ihr Verhalten untereinander ist vielleicht etwas entspannter geworden, aber da ist es für eine Beurteilung noch zu früh.

Sie haben sich bisher mehrfach täglich angeklappert und kurz verfolgt oder auch mal angesprungen. Da sie viele Veränderungen erlebt haben in den letzten Wochen oder genau genommen 3 Monaten, ist das verständlich. Ich fürchte aber, dass es auch daran liegt, dass sie keine klare Rangordnung haben und daher immer wieder neu diskutieren müssen. Sie wirken als wären sie in einer Rappelphase stecken geblieben, sind aber schon über 1,5 Jahre alt. Jeder ist mal aggressiv und dann wieder ängstlich. Das ist mein bisheriger Eindruck aus den zweieinhalb Wochen, die sie jetzt bei uns leben.

Gerne will ich weiter berichten.  :-)

Schnubbel13

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« Antwort 19 am: 26. September 2020, 11:45 Uhr »
Weißt du etwas zur Vorgeschichte deiner Neuzugänge? Wenn sie in ihrer Kindheit nicht gut sozialisiert wurden z. B. in einer gut funktionierenden Gruppe, dann wissen sie nicht wirklich, wie man die Rangfolge klärt, weil sie nicht gelernt haben, sich richtig zu verhalten.
Liebe Grüße von den Schnubbels :)

Narnia

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« Antwort 20 am: 26. September 2020, 12:46 Uhr »
Ich konnte leider nur mit der Dame sprechen, die sie vorübergehend aufgenommen hatte. Nach dem, was sie mir sagte, waren sie bei der Vorbesitzerin zunächst zu viert. Einer starb dann früh, vermutlich noch als Jungtier. Die verbliebenen sind ein Bruderpaar von jetzt rund eindreiviertel Jahren und einer, der ein halbes Jahr älter sein soll.

Der ältere ist etwas größer (50g und 100g schwerer als die kleinen Leichtgewichte). Er kann sich aber nur manchmal durchsetzen und ist sehr wechselhaft in seinem Verhalten: mal dominant, mal sehr ängstlich.

Sie haben außen gelebt, anscheinend die meiste Zeit in einem Stall, ohne dauerhaften oder regelmäßigen Zugang zum Freilauf. Dieser Stall scheint auch noch dunkel gewesen zu sein.

Alle drei sind zeitweilig in ihren Bewegungen sehr mäuseähnlich, mit kleinen schnellen Aktionen und Richtungswechseln. Der Eindruck entsteht nicht nur durch ihre geringe Größe, sondern auch durch eine gewisse Nervosität, die sie mitunter befällt. Ich meine damit nicht ein Wegrennen aus Angst oder Schreck, sondern diese kleinen Bewegungen, die natürlich auch nichts mit Popcornen zu tun haben.

Ich werde versuchen nachzufragen, ob die Vorbesitzerin sich mal bei mir melden will. Das würde sicherlich helfen, die Tiere besser zu verstehen und ihr Verhalten zu interpretieren.

Schnubbel13

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« Antwort 21 am: 27. September 2020, 11:42 Uhr »
Oh je, das klingt ja nicht so gut. Zusätzlich zur offensichtlich nicht besonders guten Haltung, klingt es, als ob sie alle nie ein erwachsenes Vorbild hatten. Gerade bei Böckchenhaltung ist eine gute Sozialisierung eine wichtige Voraussetzung, damit es klappen kann. Ich wünsche dir viel Glück für einen zweiten Versuch aber ganz ehrlich bin ich da nicht besonders optimistisch
Liebe Grüße von den Schnubbels :)

Narnia

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« Antwort 22 am: 29. Oktober 2020, 14:11 Uhr »
Es gibt Neues zu berichten:

Vor sechs Wochen waren ja die drei "Kleinen" (ca. 2 Jahre alt) kastriert worden, nach dem ersten abgebrochenen Versuch der Vergesellschaftung mit unseren beiden Jungs. Sie haben die Operation bestens überstanden und sind - soweit man das nach sechs Wochen sagen kann - letztlich etwas entspannter miteinander geworden. Heute war nun der große Tag:

Seit drei Stunden sind sie wieder bei den Großen. Bisher ist es ein riesiger Unterschied zum ersten Versuch!  :freu:

Die Kleinen sind viel weniger aufdringlich, es ist jetzt oft schon ruhig und nur kurze Zeit war durchgängig dieses aufgeregte Quietschen zu hören. Die Großen zeigen durch Treiben u.a. harmlose Verhaltensweisen, dass sie das Sagen haben. Soweit ich es sehen kann, ist das "Schlimmste" ein kleiner ausgerissener Haarbüschel bei einem unbeabsichtigten Zusammenstoß gewesen. Selbst das Zähneklappern hält sich sehr in Grenzen.

Der größte, der auch der erste der drei Kleinen ist, hält sich sehr zurück und hat Angst vor den Großen. Aber einmal hat auch schon unser zweiter für ein paar Minuten in der gleichen Kiste wie er gelegen mit ca. 15 cm Abstand.

Bis jetzt sieht es wunderbar aus. Wenn es so weitergeht, haben wir es geschafft.  :freu: 

Sicherlich muss man noch einige Tage abwarten, aber die gute Zwischenmeldung wollte ich Euch schon mal schreiben.

Fenella

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« Antwort 23 am: 29. Oktober 2020, 15:11 Uhr »
Hallo Narnia,
das freut mich sehr für dich :freu:, du hast es dir ja so gewünscht und beweist wirklich Durchhaltevermögen.
Ich drück die Däumchen, daß es weiter so gut läuft :winke:

Vio

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« Antwort 24 am: 29. Oktober 2020, 20:22 Uhr »
Schön, das freut mich auch sehr, dass nun der Start so gut und deutlich besser war  :bravo:
Hoffe, es geht weiterhin so!
Aber da kann man doch sehen, was eine Kastra doch ausmachen kann, ein spannender Vergleich!
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Narnia

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« Antwort 25 am: 29. Oktober 2020, 21:02 Uhr »
Es läuft weiterhin gut - nach mittlerweile neuneinhalb Stunden.  :freu:

Das aus meiner Sicht größte - wenn auch Gott sei Dank nicht große - Problempotential besteht noch zwischen unseren beiden "Großen". Da war es schon vor der neuen Vergesellschaftung wieder zu Spannungen gekommen, weil der Zweite wieder damit anfing, den Ersten zu besteigen. Ich weiß, dass das meistens als Dominanzgeste gedeutet wird. Ich gehe aber aufgrund des gesamten Verhaltens davon aus, dass unser Zweiter trotz Kastration immer noch mitunter "überschäumende Hormone" hat. Nach ein paar Tagen wurde es wieder besser und auch während jener Zeit wirkte es oft nicht so, als wäre er aggressiv, sondern würde einfach sich nicht mehr anders zu helfen wissen. Unser Erster lässt es auch dazu passend mit geringer Gegenwehr über sich ergehen, leidet aber offensichtlich darunter. Ich hoffe, dass diese Anwandlungen in der größeren Gruppe weniger werden oder sich zumindest verteilen auf mehrere Tiere.

In einer Zweiergruppe besteht ja ohnehin das Problem, dass jeder nur das bekommen kann, was der andere ist bzw. geben kann. So scheint es einen deutlichen Unterschied zwischen unseren Brüdern zu geben, was körperliche Nähe anbelangt. Unser Erster mag die weder von Schweinchen noch von uns. Unser Zweiter ist da anders. Mal schauen wie sich hoffentlich die Beziehungen zu den neuen Gruppenmitgliedern entwickeln werden.

Ich stimme, Dir zu, liebe Vio, dass anscheinend die Kastration der drei Kleinen den entscheidenden Unterschied bisher gemacht hat. Allerdings vermute ich jetzt noch mehr als am Anfang, dass das größte Problem darin bestand, dass die Großen, die ja ca. 3 Monate vor der ersten Vergesellschaftung kastriert worden waren, auf die Kleinen wie Weibchen wirkten. Wenn dem so wäre, dann hätte die zweite Kastration das Problem beseitigt, das durch die erste Kastration entstanden ist.

Ich hatte ja seinerzeit die Großen nur kastrieren lassen, weil sie unter dem ausgeprägten Aufreiten durch den Zweiten litten und bei beiden Grabmilben auftraten. Ich halte es daher nach wie vor für richtig, diesen schweren Schritt getan zu haben. Auch das neuerliche Bedrängen des Bruders ist nicht mehr so heftig und anhaltend wie vor der Kastration.

Zudem kann es natürlich sein, dass die Vergesellschaftung von fünf unkastrierten Tieren schwieriger geworden wäre, als die heutige.

Ich vermute, wenn alle so gewesen wären, wie unser Erster, wäre eine Kastration nie nötig gewesen. Aber das war ja nun leider nicht der Fall und so war wahrscheinlich dies der beste Weg.

Ich will natürlich weiter berichten - hoffentlich nur Gutes!

Gurkenschnäuzchen

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« Antwort 26 am: 30. Oktober 2020, 11:08 Uhr »
Oh, das ist ja toll!
Da schaue ich nach langer Zeit mal wieder vorbei und bekomme sowas zu lesen  :winke:
Ich freu mich total für dich!
Hier sind auf jeden Fall weiter die Daumen gedrückt!   :freu:

Narnia

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« Antwort 27 am: 01. November 2020, 00:06 Uhr »
Nach zweieinhalb Tagen sieht es weiterhin sehr gut aus!  :freu:  :freu:

Wenn ich hier immer von Erster, Zweiter, Große, Kleine usw. schreibe, hört sich das hoffentlich nicht zu unpersönlich an. Natürlich haben sie Namen. Wenn ich andere Berichte lese, habe ich mit meinem schlechten Namensgedächtnis oft Schwierigkeiten zu wissen, wer wer ist. Dagegen sind Rollen u.ä. für mich besser einzuordnen. Wie dem auch sei, in diesem Sinne will ich weiter berichten:

Die erste Nacht war sehr unruhig. Die Jungs sind wahrscheinlich in der Zeit mehr gelaufen, als sonst in einer Woche. ;-)  Aber es gab auch da keine ernsten Zwischenfälle. Es wurde ruhiger, als ich gegen Morgen etwas Lichte anschaltete. Vielleicht konnten sie sich dadurch beim Rennen besser orientieren und waren weniger schreckhaft. Am zweiten Tag war es insgesamt ruhiger, als am ersten Tag. Allerdings wirkte es, als sei unser Erster durch die fast schlaflose Nacht etwas gereizt oder er dachte sich, es wird Zeit, sich durchzusetzen. Jedenfalls habe ich ihn noch nie so wütend seinen Bruder jagen gesehen wie es da des öfteren geschah. Ich konnte zwar auch zwei Gegenangriffe beobachten, aber insgesamt ist unser Erster über sich hinausgewachsen. Es reicht jetzt oft schon, wenn er kritisch schaut oder den Kopf hebt. Auch die Kleinen haben vor ihm mehr Respekt, als vor unserem Zweiten. Der wirkt emotionaler und wird heftiger, wenn er sich durchsetzen will.

Die Kleinen haben sich hier schon sehr zum Guten verändert. Sie machen kein "Gezeter" mehr, wenn es Futter gibt, suchen immer die Nähe der Großen und gehen zumindest oft auch schon untereinander entspannter um. Der Kleinste hat im Ersten einen Beschützer gefunden. Manchmal scheint ihm das zu Kopf zu steigen und dann jagt er seinen bisherigen "Chef", den vermutlich künftigen Dritten. Vielleicht nutzt er auch einfach nur dessen aktuelle Angst aus.

Denn der Dritte hat sich anfangs panisch zurückgezogen und ist jedem Beschnuppern durch Davonrennen entgangen. Nach etwa einem Tag war er dann auch meistens im Zimmer unterwegs und teilweise auch schon in der Nähe der anderen. Mittlerweile ist er immer dabei, außer wenn er gerade flüchtet. Dann kommt er aber sehr schnell zu den anderen zurück. Mit ihm ist das Verhältnis aus meiner Sicht noch nicht geklärt. Er wird gerade von unserem Zweiten noch oft kreuz und quer durch das Zimmer gejagt. Dann sieht man manchmal nur ein Schwein an den anderen vorbeifliegen. :aug: Aber das endet immer spätestens, wenn er zu "seiner" Kiste rast. Dann wird er in Ruhe gelassen.

Es gibt aber auch schon viele schöne Szenen: Alle sitzen um eine Schüssel mit Grünfutter - obwohl eine zweite gefüllt daneben steht. Mehrfach haben sie schon zu fünft auf der Fläche eines Handtuchs gelegen. Selbst unser Erster hat zugelassen, dass einer der Kleinen mit weniger als 5 cm Abstand neben ihm lag.

Heute, am dritten Tag, merkt man, dass sie geschafft sind und mehr entspannen. Natürlich gibt es danach wieder Rennerei und die Kleinen werden immer noch getrieben, mit den Kinn auf dem Hinterteil. Sie sind aber auch frech und verfolgen teilweise ihrerseits die Großen oder besteigen sie. Dennoch wirken die Verhältnisse zwischen den zwei Kleinsten und den Großen geklärt. Auch ist unser Erster aktuell klar seinem Bruder überlegen, was ich erstaunlich finde, da er ja gerade ohnehin alle Hände voll zu tun hat. Bisher war er oft entweder zu friedlich oder zu ängstlich, um gegenzuhalten, wenn sein Bruder aggressiv wurde. Ich hoffe, er behält klar die Oberhand, da es dann sicherlich harmonischer werden würde und er nicht unnötig heftig werden dürfte.

Ich habe den Eindruck, dass sich alle die meiste Zeit schon richtig wohl fühlen.  :-)

Vio

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« Antwort 28 am: 01. November 2020, 22:42 Uhr »
Sorry, ich hab kaum Zeit.
Wollte nur kurz schreiben, ich lese mit und freu mich sehr, dass es so gut läuft :-)
Hoffe, dass sie bald die Rangordnung geklärt haben und dann komplett harmonisch sind, aber für die kurze Zeit klingt es wirklich gut  :bravo:
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Narnia

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« Antwort 29 am: 03. November 2020, 12:58 Uhr »
Seit irgendwann in der vorletzten Nacht (also nach dreieinhalb Tagen) bis zum nächsten Abend war hier Streit angesagt. Ich weiß nicht, was die Ursache war. Jedenfalls haben unser Zweiter und der Kleinste die anderen des öfteren attakiert. Den größten der Kleinen habe ich mir dann einmal gegriffen. Er hat einige winzige blutige Stellen. Ich vermute, die entstehen durch das Fellausreißen. Am morgen war auch etwas Blut auf einem Handtuch zu sehen gewesen. Es scheint aber keine ernsten Verletzungen gegeben zu haben bisher.

Am Abend wurde es wieder deutlich friedlicher. Leider gab es aber in der Nacht und am nächsten Morgen mehrere Angriffe auf den Dritten und den Vierten. Noch immer ist mir unklar, ob das nur eine kurzzeitige Erscheinung ist oder ob es sich zumindest gegenüber dem Drittem um Antipathie handelt. Ich hoffe es nicht!

Auch wenn es für den Dritten - falls er das mal wieder werden kann - bisher sicherlich nicht schön ist, will ich ihn noch nicht aus der Gruppe nehmen. Ich müsste dann versuchen, ihn zu vermitteln, was sicherlich bei ihm besonders schwierig wäre. Er hat soweit ich das beurteilen kann bisher ein gestörtes Verhalten. Diese Mischung aus Angst und Aggression würde es ihm in einer neuen Gruppe auch nicht leicht machen - und ggf. auch den anderen Probleme verursachen.