Autor Thema: Zahnabrieb, Saaten, Bambus  (Gelesen 157 mal)

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Irnima

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Zahnabrieb, Saaten, Bambus
« am: 29. Juni 2020, 23:20 Uhr »
Hallo!

Als Neuling kenne ich mich nicht aus mit dem Bambus: teils lese ich, der soll so gut sein, teils wieder wird davor gewarnt. Ich hätte einen zur Verfügung, die Tiere mögen ihn, wie oft kann ich den geben?

Was hat es mit den Saaten auf sich, da kenne ich mich gar nicht aus, was gebe ich da?

Und was ist denn generell gut für den Zahnabrieb?

Danke!

Nanny2017

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Antwort: Zahnabrieb, Saaten, Bambus
« Antwort 1 am: 30. Juni 2020, 11:14 Uhr »
Huhu :winke:

Interessante Frage, da hänge ich mich mal ran... Wollte eigentlich Bambus im Gehege pflanzen. Aber wenn der doch nicht so unbedenklich ist  :frag:

Ina

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Antwort: Zahnabrieb, Saaten, Bambus
« Antwort 2 am: 30. Juni 2020, 12:14 Uhr »
Hallo, miteinander! :winke:

Über Bambus :link: und Saaten :link: gibt es bereits mehrere umfängliche Themen im Forum. Bitte stellt eure Fragen dort. :-)

Für den Zahnabrieb am allerbesten ist meiner Meinung nach kontinuierliches Fressen. Also nicht etwa möglichst hartes und gehaltvolles Futter, das man ab und zu mal gibt (Negativ-Beispiel: hartes Brot, was immer noch von manchen fälschlicherweise empfohlen wird) sondern ausreichend Futter, das eher nährstoffarm ist, so dass die Schweinchen sehr viel davon brauchen um satt zu werden, also z.B. Wiese, Laub, Zweige und Heu.

Die Zähne der Meerschweinchen schleifen sich durch malmende Kaubewegungen aneinander ab, nicht an harten Nahrungsmitteln.
Liebe Grüße von Ina :ms2:


Narnia

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Antwort: Zahnabrieb, Saaten, Bambus
« Antwort 3 am: 01. Juli 2020, 00:32 Uhr »
@ Nanny: Ich habe in dem Bambus-Beitrag etwas für Dich ergänzt.

Vio

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Antwort: Zahnabrieb, Saaten, Bambus
« Antwort 4 am: 01. Juli 2020, 18:42 Uhr »
Hallo ihr Lieben :-)

Ich antworte jetzt mal hier, weil es in meinem Beitrag primär um Zahnabrieb geht und nicht nur um Bambus oder Saaten.

Ich hab leider wie immer so wenig Zeit, aber mir ist es wichtig, kurz zu antworten.
Ich kenne die Studien von 2018 (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30606800/) und 2019 (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31594498/) , die zeigen, dass es durch Bambus zu mehr Zahnabrieb kommt als z.B. bei "normalen" Gräsern, die wir von der Wiese holen.
Die Studien habe ich nur grob überflogen, ich habe aktuell kaum Zeit, sowas wirklich im Detail zu lesen leider - mach ich zudem ja schon jeden Tag beruflich, irgendwann reichts einem dann halt auch mal :D
Die Studien von 2019 zieht Rückschlüsse, soweit ich das richtig verstanden und im Kopf habe, dass man mit Bambusfütterung sehr vorsichtig sein müsse, weil dieser die Zähne der Schweinchen zu stark abnutzen würde.
Kann auch sein, dass dieser Eindruck nicht von der Studie an sich her rührte, sondern von den Artikeln, die über sie geschrieben wurden: z.B. https://www.tierwelt.ch/news/haustiere/wenn-meerschweinchen-bambus-fressen
Angeblich wäre der starke Zahnabrieb für die oft auftretenden Zahnprobleme der Meerschweinchen verantwortlich - dieser Rückschluss leuchtet mir überhaupt nicht ein, da wir ja in der Regel mit zu langen Zähnen (Zahnbrücken etc.) durch mangelhaften Abrieb und nicht mit zu kurzen Zähnen bei den Schweinchen kämpfen...

Der vermehrte Zahnabrieb beim Bambus im Vergleich zu anderen Gräsern scheint an den Silicium (Kieselsäure)-Kristallen ("Blattsteinchen" in den Artikeln genannt" zu liegen, die vermehrt im Bambus zu finden sind und das Dentin neben den Schmelzleisten der Zähne mehr abnutzen, so dass die Schmelzleisten dann auch nicht mehr so stabil sind und schneller abgenutzt werden.
Was ich nicht kann, ist, die Qualität der Studien bewerten, dazu fehlen mir Infos: wie wurden die Tiere vorher gehalten, welches Futter haben sie zuvor bekommen? Waren ihre Zähne an diese Art Futter gewöhnt?
Es ergeben sich auch weitere Forschungsfragen, bevor Rückschlüsse erfolgen sollten: Wie sieht es auf lange Sicht aus? Passt sich der Dentinaufbau der Zähne vielleicht mit der Art der Nahrung an? usw.

Für mich ist - obwohl die Ergebnisse sehr interessant sind - extrem fraglich, ob diese Studie wirklich mit ihren Ergebnissen in der Praxis so umzusetzen ist. Gerade auch bei einer so geringen Anzahl an Versuchstieren (36 Tiere), wenn es jetzt 360 wären...
Ich habe die Ergebnisse leider in Bezug auf statistische Analysen, Standardabweichung, Signifikanz Varianz etc. bisher nicht ansehen können aus Zeitgründen.

Bambus sowie andere Gräser gehören für mich zum ganz natürlichenNahrungsspektrum der Schweinchen.
Ich füttere seit 4 Jahren den ganzen Winter Unmengen an Bambus, auch im Sommer, wenn Gras keine gute Qualität hat. Meine Meerschweinchen haben in dieser Zeit eigentlich keine Zahnprobleme gehabt, noch wären ihre Zähne so kurz, dass sie nicht mehr kauen können.
Ob meine Schweinchen kürzere Zähne haben als andere Schweinchen, die keinen Bambus bekommen, kann ich nicht sagen. Aber Probleme gibt es nicht... Insofern sind die Studienergebnisse einfach nicht kongruent mit der Praxis - und das hat man ja mehr als häufig aus verschiedenen Gründen. Man muss bei der Interpretation von Studien einfach extrem vorsichtig sein und darf auch nur zurückhaltend von Studien Rückschlüsse ziehen.
Für mich ist es immer viel wichtiger, was sich dann tatsächlich in der Praxis zeigt.

Vor 5 Jahren, als ich nur sehr selten Bambus fütterte, hatte ich noch Zahnschweinchen. Das Problem war aber bei diesen auch nicht, dass die Zähne zu kurz waren - im Gegenteil, ich musste mit den Zahnschweinchen weil es so schnell zur Brückenbildung gekommen aufgrund von Baustellen im Kiefer ist alle 2 Wochen zum Zähneschleifen...

Bambus hat wirklich viele gesunde Inhaltsstoffe und stellt für mich, gerade wenn andere Gräser nicht verfügbar sind, eine sehr wichtige Komponente in der Ernährung meiner Schweinchen dar. Sie haben den ganzen Winter über und die meiste Zeit auch im Sommer verschiedene Bambusarten ad libitum zur Verfügung.
Auch viele andere Halter in meinem Umfeld verfüttern seit Jahren sehr viel und oft Bambus. Es gibt keine Probleme...

Insofern ist es für mich wirklich fraglich, ob diese Studie so auf die Praxis anzuwenden ist. Ich bin eigentlich sogar erfreut zu hören, dass Bambus die Zähne gut abschmirgelt - extrem selten hat man das Problem, dass die Zähne zu kurz sind (und dann liegt es an einer zu weichen Zahnstruktur), sie sind ja meist eher zu lang...

Wie Ina schon sagte, wichtig ist vor allem, dass die Schweinchen was haben, wo sie lange drauf kauen, also Fasern etc. wie Gräser, so dass die Zähne sich gegeneinander abnutzen. Saaten dienen dazu eher kaum - sie haben aber andere wichtige Funktionen, stellen z.B. wertvolle ätherische Öle und andere sehr gesunde Inhaltsstoffe wie Thymoquinon aus Schwarzkümmelsamen oder Silymarin aus Mariendistelsamen.
Dann kommt es aber natürlich zudem auch noch auf die Struktur der Nahrung an, ob die Schweinchen damit die Zähne besonders gut abschmirgeln können.
Wir füttern zum vermehrten Zahnabrieb ja sogar gezielt Ackerschachtelhalm, der sehr viele Kieselsäurekristalle enthält, damit die Schweinchen sich die Zähne besonders gut abschleifen können - das ist mit Sicherheit dann sogar noch eine andere Kategorie als Bambusblätter...
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Narnia

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Antwort: Zahnabrieb, Saaten, Bambus
« Antwort 5 am: 02. Juli 2020, 19:03 Uhr »
Da ich derzeit Urlaub mache, konnte ich es mir leisten, die beiden Studien zu lesen. Die zweite erscheint mir etwas interesannter, wobei beide vom Aufbau her sehr ähnlich sind. Ich frage mich, ob es nicht der gleiche Versuch mit zwei verschiedenen Berichten ist. Aber das ist vermutlich hier egal. Die zweite Studie findet man in voller Länge hier.

Wenn man sich dort die Länge der Zähne (s. figure 2) ansieht, ist das schon erschreckend, wie weit die oberen Zähne abgenutzt sind bei der Bambus-Gruppe. Dazu muss man allerdings auch berücksichtigen, was hier gemacht wurde:

Jeweils 6 Tiere in einer Gruppe wurden 3 Wochen lang ausschließlich (neben Wasser mit Vitamin C) mit einem der folgenden gefüttert: frische Luzerne, getrocknete Luzerne, frisches Wiesenlieschgras, getrocknetes Wiesenlieschgras, frischer Bambus, getrockneter Bambus. Die Tiere wogen am Anfang 249 - 277 Gramm! Das Alter wird nicht angegeben, aber ich schätze sie anhand des Gewichtes auf 4-6 Wochen. In der ersten Studie habe ich keine genaue Angabe zum Alter gefunden, aber es waren auch Tiere im Wachstum. Dort wird erwähnt, dass sie zuvor beim Züchter von "pelleted compound diet" lebten. Man gönnte den Tieren dort eine fünftägige Umstellungsphase auf das neue Futter.

Damit ist für mich alles gesagt, was diese Studie(n) - besser gesagt Tierquälerei - anbelangt.

Kein Tierhalter bei klarem Verstand wird Meerschweinchen und erst recht so junge Tiere ausschließlich mit Bambus ernähren. Hier wurden 36 Tiere in einer absurden Weise fehlernährt (und am Ende getötet) und daraus soll ein um ausgewogene, gesunde Ernährung bemühter Halter sinnvolle Schlüssel ziehen?

(Das ist natürlich nicht als Vorwurf an Dich, Vio, gedacht. Danke, dass Du diese Studien und den Artikel verlinkt hast!)

Vio

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Antwort: Zahnabrieb, Saaten, Bambus
« Antwort 6 am: 03. Juli 2020, 01:22 Uhr »
Danke dir :-)
Hab ich nicht als Vorwurf gewertet, du bestätigst ja nur meine Vermutungen bzw Meinung, dass man daraus keine Schlüsse für die Praxis ziehen sollte...
Super, dass du in Ruhe lesen konntest! Irgendwann nehme ich mir auch die Zeit :-)

Ich hab mir schon gedacht, dass die Tiere zuvor (stand nix von Heu?) Pellets bekommen haben und das wohl ausschließlich, denn so kenne ich das aus den Laboren... Meist ist aber noch Heu dabei und eben Wasser.
Meine Laborschweine, Bluebelle und Peyton, wurden auch so ernährt, hatten aber ein bisschen Frischfutter bei, zb Möhre. Man hat den Unterschied, wie ihre ScheideZähne sich bei der Ernährung hier veränderten, deutlich gesehen, ich hab das alles irgendwo noch auf Fotos dokumentiert.
Anfangs waren die Zähne irgendwie nicht zugespitzt, sondern zu rundlich ab und sehr gelblich und dicker.
Später schön weißlich, scharf und so, wie ich es kenne von meinen Meerschweinchen hier.
Ich denke schon, dass die Ernährung dafür verantwortlich war, aber wie die Backenzähne aussehen, weiß ich nicht.

Ein wichtiger Punkt, den du ansprichst: es sind junge Tiere im Wachstum... Sollte man nicht vergessen.

Ich muss sagen, dass meine Tiere ja sehr viel Auswahl haben, im Winter aber schon extrem viel Bambus futtern. Nicht ausschließlich, aber schon sehr sehr viel, sie essen zum Teil dafür gar kein Heu.
Die Zähne passen dennoch... Ich kenne auch Halter, die, wenn sie kein gutes Blattgemüse finden, fast ausschließlich Bambus und Heu füttern, bisschen Wurzelgemüse dabei vielleicht noch.
Ob das dann schon einen Unterschied macht, weiß ich nicht...
Fand die CT Bilder auch eindrücklich sonst 🤷🏼‍♀️
Ich warte noch auf Rückmeldung einer Tä, die sich viel mit Nagerzähnen befasst, die sich mit den Studien befassen wollte. Aber ich hab da nicht direkt gefragt, sondern eine Freundin über eine FB Gruppe.
Insofern weiß ich nicht, ob ich dann von ihrer Meinung berichten darf, vermutlich nicht.
Unser Ta (der erwähnte Zahn TA) hat mich letztes Jahr gefragt, was ich von der Bambus Fütterung halte und war ganz erstaunt, dass ich seit Jahren Bambus füttere. Jetzt ergibt die Frage auch mehr Sinn für mich, hatte mich schon gewundert😅
Er kennt ja die Zähne meiner Tiere und die sind halt einfach... Gut 🤷🏼‍♀️
Bin gespannt, wie es weitergeht, ob man da noch neue Erkenntnisse erhält durch weitere Forschung - lieber wäre mir, dafür müssten keine Meerschweinchen leiden oder getötet werden, ein CT wäre ja wohl auch am lebenden Tier möglich und - was bringt es uns am Ende? Wenn wir die Ergebnisse solcher Studien eh nicht wirklich in der Praxis nutzen können.
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms: