Autor Thema: Kokzidien, aber gar keine Symptome?  (Gelesen 5370 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Noodlz

  • Gast-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 96
Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« am: 24. November 2014, 23:31 Uhr »
Liebe Foris,

vor einigen Wochen habe ich 2 Kaninchenkinder aus dem Tierheim adoptiert, da mein Kaninchenmann leider völlig überraschend Witwer wurde.

Schlau wie ich bin habe ich noch aus dem TH Kotproben mitgenommen und meine beiden Kleinen in einen Quarantänekäfig gesetzt. Leider war meine TA dann im Urlaub, und nach 2 Wochen mit wunderschönen Böbbels, prächtiger Entwicklung und auch sonst alles tippitoppi, war ich mir sicher, die sind gesund, und habe leichtsinnigerweise ohne Ergebnis die Kleinen ins große Gehege gesetzt.

Da sitzen sie nun seit rund 4 Wochen, alle 9 sind superfit, es gibt keinen Matschkot, nix mieft, sie fressen alle super, sind munter, die kleinen haben ihr Gewicht schon fast verdoppelt, etc. Und gerade Jungtiere sind doch da so empfindlich.

Heute habe ich mehr zufällig nach dem Ergebnis gefragt, und da hiess es, die beiden TH-Nins hätten Kokis und ich muss jetzt alle mit Baytril 5% behandeln.

Kann das sein, dass nach 4 Wochen kein einziges von 9 Tieren irgend etwas zeigt? Oder wurden evtl. die Kotproben vertauscht?

Fast bin ich geneigt, morgen noch mal eine KP woanders abzugeben, bevor ich nun mit AB für alle anfange.

Dazu noch: mein Zahni hat gerade den Kiefer unter Eiter und bekommt Marboxyl. Falls nun doch erneut  Kokis gefunden werden, ist das nicht ein bisschen viel, zwei AB auf einmal? Selbst mit Bene Bac?

Hier sind sehr erfahrene User, was Krankheiten anbelangt. Ich wäre für Zweit-, Dritt- usw.- Meinungen sehr dankbar.

Aika

  • Gast-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 47
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 1 am: 25. November 2014, 07:53 Uhr »

Da sitzen sie nun seit rund 4 Wochen, alle 9 sind superfit, es gibt keinen Matschkot, nix mieft, sie fressen alle super, sind munter, die kleinen haben ihr Gewicht schon fast verdoppelt, etc. Und gerade Jungtiere sind doch da so empfindlich.

Heute habe ich mehr zufällig nach dem Ergebnis gefragt, und da hiess es, die beiden TH-Nins hätten Kokis und ich muss jetzt alle mit Baytril 5% behandeln.

Eine gewisse Anzahl von Kokzidien ist meist sowieso vorhanden im Darm. Solange das Immunsystem gut damit umgehen kann, können die Kaninchen das verkraften.
Gemäss Deiner Beschreibung ist nichts "umgekippt", d.h. es kommen alle damit zurecht.

Ich würde deshalb eher das Immunsystem stärken und auf peinliche Hygiene achten, aber ohne die Kaninchen allzu sehr zu stressen (rausnehmen, umsetzen, etc.).

Erzähl doch mal, wie Dein Gehege aussieht (aussen?), welche Materialien hast Du verwendet?

Murx Pickwick

  • Forenkobold
  • Aktives Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 918
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 2 am: 25. November 2014, 08:59 Uhr »
Kokzidien sind immer ein Zeichen dafür, daß an den Bedingungen etwas nicht stimmt - zu feuchte Haltung, zuviel sozialer Streß (Tierheim! ^^), ungeeignetes Futter (zu wenig Frischfutter, zuwenig Wiese, Gehölz, Wegrand), Infektionskrankheiten ... es nutzt im Grunde genommen gar nix, die Kokzidien zu behandeln und an den Bedingungen nix zu verbessern ...

Eine Kokzidienbehandlung, egal wie stark der Befall ist, macht nur dann Sinn, wenn das Allgemeinbefinden deutlich gestört ist und Matsche oder Durchfall auftritt. Gegen Leberkokzidien kann nicht behandelt werden, die können allerdings auch nur am toten Kaninchen nachgewiesen werden ... bei der Kotprobe werden also immer nur die Darmkokzidien nachgewiesen.
Und wie gesagt - du tust deinen fitten Kaninchen was Gutes, wenn du ihnen statt Baytril lieber die letzte noch draußen findbare Wiese und Wegrand mitbringst und viel Zweige, auch Nadelgehölz, verfütterst.
An den Zweigen werden sie immer noch die Rinde bei Bedarf und die Knospen abknabbern.

Außerdem kannst du frischen Efeu anbieten - die Saponine im Efeu gehören zu den normalen Inhaltsstoffen einer Kaninchenernährung, die Kokzidien jedoch mögen Saponine gar nicht, die sind giftig für Kokzidien. Außerdem lassen sich nun reife Eicheln suchen ... auch die gehören zur normalen Kaninchenernährung im Herbst bis weit in den Winter hinein, bieten Mineralstoffe, Stärke und jede Menge Gerbsäuren, die genau im Winter, wenn es eh zuwenig Wiese und Wegrand gibt, dringend für den Darm gebraucht werden.

Du wirst selbst merken, wenn du nach vier Wochen eine Kotprobe einschickst, wird kein Kokzidium sich mehr blicken lassen ... das ist anders nach einer Behandlung mit Baytril ...
Mit Baytril wird wirklich nur behandelt, wenn Matsche und Durchfall auftritt und Kokzidien nachgewiesen werden - dann nämlich hat das Kaninchen zuviele Baustellen, die es irgendwie managen muß und die Kokzidien geben ihm den Rest. Hier ist es sinnvoll, möglichst schnell die Kokzidien zu plätten, damit das Kaninchen wieder mehr Spielraum bekommt, das, was die Überwucherung mit Kokzidien ausgelöst hat, zu bekämpfen.

Noodlz

  • Gast-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 96
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 3 am: 25. November 2014, 09:41 Uhr »
Vielen Dank für eure Antworten.

Das bestärkt mich darin, bevor ich behandle, heute eine weitere Kotprobe abzugeben. Denn viel Wiese bekommen sie ohnehin, Blätter und Zweige bringe ich auch viel vom Gassigehen mit, auch Eiche(nblätter) ab und zu, extra wegen der Gerbsäure. Efeu wächst am Haus (hab gerade mal gegoogelt, ob Meeris den auch fressen dürfen. Die 3 Nins leben ja mit den Meeris zusammen. Auch da ist offenbar die allg. Panik größer als die tatsächliche Gefahr). Jut, dann schneide ich gleich mal bisschen was ab.

Also eigentlich bekommen sie eh schon die optimale Ernährung, vielleicht der Grund, warum bisher alles ok ist, bzw. vielleicht sind die Biester dadurch inzwischen sogar schon weg. Die KP wurde ja schon vor rund 6 Wochen eingeschickt.

@Aika: Die Tierchen sind im Winter in einem großen Bodengehege. Materialien die üblichen: PVC-Boden,  Holzrahmen, Holzhäuschen, Weidenbrücken und -tunnel.

Im Sommer leben sie draussen in großen Freigehegen. Früher hatte ich ganzjährige Aussenhaltung, aber das ist mir für mich inzwischen zu unkomfortabel. Man wird nicht jünger ...  :nein:


Aika

  • Gast-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 47
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 4 am: 25. November 2014, 11:12 Uhr »
Heute habe ich mehr zufällig nach dem Ergebnis gefragt, und da hiess es, die beiden TH-Nins hätten Kokis und ich muss jetzt alle mit Baytril 5% behandeln.

Kokzidien behandelt man mit Baycox (= gegen Einzeller), nicht mit Baytril (= Antibiotikum gegen Bakterien). Aber ich nehme an, Du hast das nur falsch verstanden. Der Tierarzt hat Dir das bestimmt richtig angegeben.

Nach den Materialien habe ich gefragt, weil Du vorbeugend noch die Gegenstände mit Dampfreiniger behandeln könntest. Auf Naturboden ginge das natürlich nicht.

Viel Glück, hoffentlich war alles falscher Alarm!

Murx Pickwick

  • Forenkobold
  • Aktives Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 918
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 5 am: 25. November 2014, 11:50 Uhr »
Dampfreiniger ist nix weiter, wie feuchte Wärme - das fördert ein Klima, was weder gesund für Meerschweinchen, noch gesund für Kaninchen ist - und das wiederum fördert Kokzidien!

Ähnliche Beobachtung bei Giardien übrigens - auch hier wieder, wer mit dem Dampfreiniger arbeitet, wird die Dinger nicht mehr los, die abgegebenen Dauerstadien, die für Neuansteckung sorgen, fühlen sich in dem mit dem Dampfreiniger geschaffenen Klima wohl!

Selbst die Desinfektion bewährt sich nur in Haltungssystemen, die auf Massentierhaltung aus sind, die Tiere sind eh krank und geschwächt, daher macht es Sinn, sie regelmäßig zu entwurmen, mit Kokzidiostatika vollzupumpen und und und - und natürlich die Ställe zu desinfizieren. So halten die eh schon durch die Haltung krank gewordenen Tiere länger durch und können Leistung bringen.
In unserer Hobbyhaltung dagegen versuchen wir ja gerade die Haltungsbedingungen auf das Wohlbefinden unserer Pfleglinge hin zu optimieren - und das wieder heißt, daß sich gesunde Tiere in einem gesunden Kleinklima bewegen, mit vielen nützlichen Mikroorganismen, welche wiederum unseren Tieren helfen, gesund zu bleiben - würde man nun desinfizieren, entwurmen oder was weiß ich noch alles, würde man die unter solchen Bedingungen entstehenden Lebensgemeinschaften zerstören und damit für schnell wachsende, krankmachende Keime Platz machen.

Das einzig Sinnvolle, was es gibt, worauf wenigstens ein wenig geachtet werden sollte, ist, daß der Kot nicht Ewigkeiten liegenbleibt, sondern regelmäßig zusammengekehrt und auf dem Mist oder anderweitig entsorgt wird. Und halt die ganz normalen selbstverständlichen hygienischen Aspekte, daß man beispielsweise nicht Äpfel im Stall liegenläßt, bis sie erst Pelz, dann Beine bekommen ... aber das braucht man ja nu wirklich nicht zu erwähnen :D

Aika

  • Gast-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 47
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 6 am: 25. November 2014, 16:48 Uhr »
Dampfreiniger ist nix weiter, wie feuchte Wärme - das fördert ein Klima, was weder gesund für Meerschweinchen, noch gesund für Kaninchen ist - und das wiederum fördert Kokzidien!


Hitze ist das Einzige, womit man Kokzidien und vor allem die Oozysten bekämpfen kann. Gängige Desinfektions-Mittel nützen dabei nichts.
Deshalb werden bei einem ernsthaften Kokzidien-Befall alle Einrichtungs-Gegenstände entweder abgedampft (und anschliessend gut getrocknet!!!) oder gleich weggeworfen.

Der Mist darf nicht im normalen Kompost entsorgt werden, sondern muss halt über den Hausmüll weggebracht werden.

Aber noch steht ja noch ein Ergebnis der Kotuntersuchung aus.

Saubergschweinchen

  • Gast
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 7 am: 25. November 2014, 19:54 Uhr »
Ich kann Murx nur in allen Punkten beipflichten, es ist sinnvoller die Bedingungen für die Tiere so zu optimieren das das Immunsystem allein mit einem Befall fertig wird. Ich selbst habe es erst im Frühsommer ohne Medikamente geschafft zwei Tiere Kokziedienfrei zu bekommen und beide litten bereits unter Durchfall und Inappetenz. Das würde ich natürlich nicht pauschal raten aber es ist möglich und ich teile meine Erfahrungen gern per PN wenn jemand Interesse hat.

Dampfreiniger oder Sachen wegzuwerfen empfinde ich als übertriebene Panikmache. Kokzidien mögen auch kein UV-Licht, es ist also nicht zwingend nötig Außengehege völlig umzugraben zumal es eben auch vom immunsystem abhängt ob einm Tier überhaupt erkrankt.
Ich wüsste auch nicht warum der Mist nicht auf den Kompost könnte. Natürlich bleibt die Infektionsgefahr damit nahe an den Tieren aber latente Infektionen sind ohnehin nicht auszuschließen und gerade bei Außenhaltung sowieso recht wahrscheinlich.

Gesund füttern, den Darm damit stärken und Medis nur im Notfall - wäre mein Weg.

Murx Pickwick

  • Forenkobold
  • Aktives Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 918
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 8 am: 25. November 2014, 20:02 Uhr »
Meine persönliche Erfahrung ... egal, ob bei Kaninchenzüchtern mit ihrer Buchtenhaltung oder ob Privathalter oder Weidekaninchenhalter, die ihre Kaninchen als Schlachtkaninchen hielten, überall, wo mit einem Antikokzidiostatika behandelt wurde und keine Dampfente eingesetzt wurde (und die eigentliche Ursache bekämpft wurde), gingen die Kokzidien nach einmaligem Durchgang fast immer weg - wo die Dampfente zum Einsatz kam, dagegen nicht unbedingt, hier mußte oft genug nochmal behandelt werden, deutlich häufiger, wie in den Fällen ohne Dampfente.
Auch, wenn ich keine saubere Statistik geführt hab - der Unterschied war dennoch augenfällig!

Ob nun der Mist auf dem Kompost landete oder in die Mülltonne, hatte den Erfolg nicht beeinflußt, es war nur wichtig, daß regelmäßig die Köttel aus dem unmittelbaren Bereich der Kaninchen entfernt wurden.

Gibt übrigens noch eine Tierart, welche mit den gleichen Eimeria-Arten zu kämpfen hat, wie die Kaninchen: Hühner ... und da wird auch nicht bei einer Kokzidiosebehandlung mit der Dampfente durchgegangen bzw der Mist kommt auch nur auf den Mist oder Kompost!
Wenn das nicht funktionieren würde, würde es nicht so gehandhabt werden, während die Dampfente eine neue Entwicklung, die erst mit der Verbreitung übers Internet parallel mit der Empfehlung einer Heu-ist-das-Brot-für-Kaninchen-Empfehlung seitens von TÄ und Kaninchenschützern aufkam.
Die Empfehlung zu der Heudiät hat sich als falsch erwiesen ... was meinst du, wieviel Vertrauen kannst du da in die Dampfentenempfehlung stecken?
Ohne Dampfente und ohne das Entsorgen ganzer Buchten (weil die gar nicht mit der Dampfente behandelt werden könnten) kamen dagegen Kaninchenhalter seit den 70er Jahren sehr gut zurecht, die Kokzidienbehandlungen wirkten.

Was zumindest bei Hühnern, aber auch mit Kaninchenbuchten, gemacht wurde und wird, ist das einmalige Kalken im Jahr mit Löschkalk ... einfach, weil die Stallungen und Buchten nicht täglich gereinigt werden können und das Holz bzw der Beton, aus dem Ställe und Buchten meist gebaut sind, sich mit der Zeit mit Kot und Urin vollsaugt. Das ist doch aber in der Wohnung oder in so einem gutgepflegten Hobbystall gar nicht notwendig!

Ich vertrau da eher meinen eigenen Beobachtungen, wie irgendwelchen kruden Empfehlungen aus dem Internet und von TÄ, die zur Genüge ihr Nichtwissen, was Ernährung und Haltung von Kaninchen und Meerschweinchen angeht, bewiesen haben.

Noodlz

  • Gast-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 96
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 9 am: 25. November 2014, 21:35 Uhr »
Gute Nachrichten! Die Sammelkotprobe von heute war negativ!  :freu:

Ich habe beschlossen, dass ich in 2-3 Wochen zur Sicherheit nochmal eine abgebe, aber ich gehe stark davon aus, dass auch diese wieder negativ sein wird. Dann geht das Baycox (Aika, du hast natürlich recht!  :pfeif:) wieder an die TÄ zurück.

Hmmm ... ob die jetzt die KP vertauscht haben, oder ob sich durch die besseren Bedingungen und anständige Fütterung bei mir nun der Darm saniert hat, weiß ich natürlich nach wie vor nicht.

Der Efeu war übrigens voll der Hit bei der Bande, den bekommen sie jetzt öfter mal.

Vio

  • Team-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 5316
    • Die "Schweinebande" auf Facebook
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 10 am: 25. November 2014, 21:41 Uhr »
Wow, Noodlz!! Das freut mich, super  :freu: Schön, dass du und die kleinen Kaninchen Glück hatten :-) Die Kleinen ja doppelt, sind ja nun auch bei dir :-) Toll auch, dass du das alles so genau überprüft hast :-)

Zum Dampfreiniger, ich kann mir vorstellen, dass ca. 150°C oder noch mehr die Kozidien erst mal abtöten, aber danach ist ja alles nass und feucht oder? (Hab so ein Ding noch nie in der Hand gehabt ;) )
Wenn dann die nächsten Köttel/Böhnchen kommen mit Kozidien-Nachschub, können die sich vermutlich noch besser einnisten oder?

*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Noodlz

  • Gast-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 96
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 11 am: 25. November 2014, 22:14 Uhr »
Danke Vio! Ja, ich bin auch erleichtert. Heute Nacht schlaf ich besser als gestern  :g:


Vio

  • Team-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 5316
    • Die "Schweinebande" auf Facebook
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 12 am: 25. November 2014, 22:19 Uhr »
Das glaube ich :-) Kokzidien sind ja jetzt nicht gerade das, was man sich zu Weihnachten wünscht :D :D
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Murx Pickwick

  • Forenkobold
  • Aktives Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 918
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 13 am: 25. November 2014, 22:26 Uhr »
Um Kokzidien sicher abzutöten, müßte man mit dem Dampfreiniger auf jeder Stelle, die behandelt wird, die Temperatur von 150°C 20 min. lang halten, um auch in die tieferen Schichten von Holz, PVC oder ähnlichem einzudringen, in denen Oocysten hängenbleiben. Das heißt, daß die Oberfläche erstmal auf 150°C aufgeheizt werden muß (bei Holz braucht das ca. 10min mind.), dann muß halt solange mit der Dampfente draufgehalten werden, bis 20 min rum sind und danach kann man für die nächste Zeit die Fläche nicht mehr anpecken, ohne Brandblasen zu bekommen ... einzig auf Edelstahlflächen reicht eine Temperatur von 60°C über einen Zeitraum von 10 min aus - zumindest, solange der Edelstahl nicht zerkratzt ist, denn in den Kratzern können sich die Oocysten ne Weile vor der Hitze "verstecken" (oder besser gesagt, sie bleiben in solchen Ritzen bevorzugt hängen und überleben zudem den Hitzeangriff länger, wie ihre Kameraden auf spiegelglatter Fläche. Oocysten bewegen sich nämlich nicht aktiv, sondern werden passiv durch die Gegend geschoben.)
 
Genau diese Bedingungen werden jedoch mit dem Dampfreiniger nicht eingehalten! Im Gegenteil, da wird mal für vielleicht ein, zwei Minuten auf einer Fläche rumgepustet, dann gehts weiter ... bis dahin ist die Fläche auf mollige 30 - 40°C aufgeheizt und die Feuchtigkeit ist in jede Pore der Oberfläche eingedrungen, wo sie nicht mehr weggetrocknet werden kann, was für alle möglichen und unmöglichen denkbaren Parasiten eine echte Wohlfühltemperatur und Wohlfeuchtigkeit ist. Sicher, für unsere Hände fühlt sich 40°C schon richtig heiß an ... einige können dann die Fläche noch nicht anpecken - aber das gibt keine Brandblasen!
Und erst, wenn die Flächen Brandblasen verursachen, haben sie eine halbwegs abtötende Temperatur erreicht (das ist allerdings schon bei 80°C der Fall, daß der Mensch die ersten Brandblasen entwickelt.)

Es kommt allerdings noch schlimmer, denn selbst wenn die 20 min plus Aufheizzeit eingehalten werden, ist nicht sichtbar, ob man tatsächlich jeden Zentimeter des Zimmers erwischt hat ... was natürlich, wenn die Dampfreinigung Sinn ergeben soll, unbedingt eingehalten werden sollte!
Dann muß gewährleistet sein, daß die Dampfreinigungsaktion innerhalb eines gewissen Zeitraumes (also innerhalb von einem Tag möglichst!) abgeschlossen ist, denn ansonsten werden ja Oocyten der noch nicht behandelten Stellen verwirbelt und überleben eben doch wieder auf den behandelten Stellen, die aber nun wieder erkaltet sind ... rechnet euch doch mal aus, wielange es mit nem Dampfreiniger brauchen würde, um nur ein 10qm großes Zimmer wie oben beschrieben zu behandeln!

Kurzum, Dampfreiniger macht genau das Gegenteil von dem, was er soll - genau wie Heudiät, BBB, CCC und wie das alles so heißt ... gefährliche Mythen, die uns über Industrie, Tierschutz und TÄ beigebracht wurden und die man ganz, ganz schnell vergessen sollte!

In den großen Mastbetrieben wird aufgrund der Probleme bei der Bekämpfung der Kokzidiose zunehmend auf Impfungen und Kokzidiostatika gesetzt - im Biobereich nehmen Impfungen gegen Kokzidiose noch am Schnellsten zu, weil die keine Kokzidiostatika prophylaktisch einsetzen dürfen. Da ist schon lange nicht mehr die Rede von Desinfektion etc als Vorbeuge gegen Kokzidien! (Gibt eh nur ein einziges in Deutschland zugelassenes Mittel zur Stalldesinfektion bei Kokzidiose ... alles andere ist schlichtweg wirkungslos)

Empfehlenswert zum Nachlesen:
MSD - Tiergesundheit: Bekämpfungsmaßnahmen durch Hygiene

Vio

  • Team-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 5316
    • Die "Schweinebande" auf Facebook
Antwort: Kokzidien, aber gar keine Symptome?
« Antwort 14 am: 25. November 2014, 22:35 Uhr »
Super, danke für die Infos, Murx  :-)
Hab mir das Teil doch irgendwie praktischer und sinnvoller in der Anwendung vorgestellt ^^
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms: