Autor Thema: Zu zweit lassen?  (Gelesen 309 mal)

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Boverina

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Zu zweit lassen?
« am: 10. Mai 2020, 09:42 Uhr »
Guten Morgen!
Ich habe eine ganz konkrete Frage an Euch Profis!

Sollen unsere Meerschweinchen Uwe und Jule zu zweit bleiben oder sind sie glücklicher mit einem dritten oder vierten Meerschweinchen?

Hier die Ausgangssituation:

Wir: Meerschweinchen-Anfänger aber viel Erfahrung mit anderen Tieren. Uwe und Jule sind seit zwei Wochen bei uns
.
Gehege: Innenhaltung, viel Auslauf (auch draußen)möglich, 2m x 1,5m, viele Häuschen

Uwe: aus schlechter Einzelhaltung, 1 bis 1 1/2 Jahre alt, kastriert, Texel, sehr unterwürfig, lässt alles über sich ergehen, frisst manchmal bereits aus der Hand, hasst Auslauf (sitzt dann ausschließlich im Häuschen), rangniedriger als Jule

Jule: aus großer Gruppe, war schon mehrmals Mutter, 3 1/2 Jahre alt, Ch-Teddy, zutraulich, zurückhaltend, ist ranghöher als Uwe, in ihrer alten Gruppe war sie in der Rangordnung sehr weit hinten, frisst problemlos aus der Hand

Die Vergesellschaftung von Uwe und Jule war absolut problemlos. Uwe läuft gerne hinter ihr her. Manchmal flirtet er auch, versucht sie zu besteigen. Jule verhält sich wie ein normales Meerschweinchen. Mal wird er ein bisschen getreten, oder aus dem Haus vertrieben, wenn es ihr zu viel und eng wird. Lässt ihn fressen, kein beißen usw. Am Anfang bestieg auch sie ihn manchmal. Jetzt nicht mehr.

Wir haben eine Vergesellschaftungs-Versuch hinter uns. Zwei Weibchen (Rangmäßig aus dem Mittelfeld, also keine dominanten, Glatthaar) aus einer Notstation hatten wir 24h bei uns. Danach habe ich abgebrochen. Ja, wir hatten da nicht alles richtig gemacht, heute weiß ich es bereits besser. ;-) Fakt ist aber, dass Jule und Uwe keine Chance gegen die Neuen hatten. Jule floh zum Glück und war geschickt, sie ist den Neuen ausgewichen, wurde aber auch ständig angegriffen. Uwe konnte sich nicht wehren. Ich hab abgebrochen, als er an der Wand stand (er floh nicht mal in ein Häuschen!!), er schrie und die zwei Neuen auf ihn einbissen. Zum Glück hat er so ein mega dickes Fell.

Gerne würde ich den beiden ein richtig schönes Leben ermöglichen!
Was denkt/wisst ihr, sind die glücklich nur zu zweit oder sollen wir ihnen 1 oder 2 Baby-Mädchen dazugesellen?

Vielen Dank für Eure fundierten Antworten!
 

Narnia

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 1 am: 10. Mai 2020, 23:29 Uhr »
Vielen Dank für die gute Beschreibung! Ich hatte schon befürchtet, dass Uwe unsicher sein könnte, wenn er aus Einzelhaltung kam. Immerhin finde es schon sehr erfreulich, dass er mit Jule friedlich zusammenlebt und die beiden anscheinend sich durchaus miteinander beschäftigen.

Ich bin kein Schweinchen-Profi - will aber unter diesem Vorzeichen meine Gedanken trotzdem schreiben: Ich würde den beiden und vor allem Uwe noch ein paar Wochen Zeit lassen. Bei allem Guten, was die Gesellschaft hat, ist es erst einmal vermutlich auch eine große Umstellung für ihn. Für Jule mag es natürlich eher einsam sein, wenn sie aus einer größeren Gruppe kommt. Aber auch sie hatte ja anscheinend kein leichtes Spiel mit den beiden Neuen. Beide müssen sich ja auch noch an Euch und die neue Umgebung gewöhnen.

Ich würde dann, wenn sich die beiden sicher und wohl fühlen, zwei junge Weibchen (max. 3 Monate) aus einer Notstation dazunehmen. Ein Junges alleine hätte keinen Spielgefährten und könnte auch nervig für die beiden Großen werden. Wenn die Jungen nicht sehr dominant sind, haben die beiden Großen einen Startvorteil, den sie vielleicht dauerhaft halten können oder eine der Kleinen übernimmt später, ist aber von Jule gut erzogen worden bis dahin.

Ein Voraussetzung für das Gelingen ist natürlich der Platz. Haben sie dauerhaft die 2 x 1,5 m? Und wie oft haben sie zusätzlich Auslauf? Ich vermute, sie können nicht selbst in den Auslauf, sondern werde von Euch dorthin gesetzt? Gerade am Anfang sollte es auch im Auslauf viele Tunnel und ähnliches als Deckung geben und Futter an verschiedenen Stellen verteilt sein.

Katharina

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 2 am: 12. Mai 2020, 02:42 Uhr »
Hallo, miteinander! :winke:

Wenn die räumlichen und finanziellen Möglichkeiten es erlauben, würde ich immer für eine etwas größere Gruppe plädieren. Meerschweinchen sind Gruppentiere und können sich nur in der Gruppe so richtig entfalten und wohlfühlen. Einen Partner zu haben ist zwar besser als ganz alleine zu sein - aber zwei sind eben noch keine Gruppe. Je größer die Gruppe ist, umso größer ist die Chance, dass jedes Tierchen darin auf seine Kosten kommt und auch Freundschaften schließen kann.

Zwischen Vergesellschaftung, Klärung der Rangordnung, Dulden und Akzeptanz, vorsichtigem Annäheren und tatsächlichem Miteinander bis hin zu engen Freundschaften kann der Weg sehr lang sein. Nicht jedes Meerschweinchen harmoniert mit jedem, zumindest nicht sofort. Es sind kleine Individuen mit sehr unterschiedlichem Charakter und je nach Veranlagung, Vorerfahrungen und Sozialisation wird es mit der Vergesellschaftung besser oder schlechter, schneller oder langsamer klappen. Vergesellschaftungsversuche werden häufig zu früh abgebrochen, weil wir als Halter nicht zugucken können, wenn es Raufereien gibt und ein Schweinchen ständig gescheucht oder drangsaliert wird. Ich saß schon Blut und Wasser schwitzend vor dem Gehege und bin fast vergangen vor Mitleid, wenn es mal heftiger zuging....über etliche Tage hinweg. Es gab aber auch absolute "Traumvergesellschaftungen", die schon nach ein paar Minuten oder Stunden erledigt waren.
 
Es gibt auch Meerschweinchen, die sich gar nicht mögen. Sie arangieren sich zumeist irgendwann mal miteinander, aber das Verhältnis bleibt immer etwas "spannungsgeladen" und stressig für die Tiere. In einer Gruppe kommt das weit weniger zum Tragen, weil die Tierchen da mehr Wahl- und Ausweichmöglichkeiten haben. Sind die Meerschweinchen aber nur zu zweit, sind sie für alle Interaktionen immer auf diesen einen Partner angewiesen, mit dem sie vielleicht nicht so gut harmonieren. Mehr als eine Zweckgemeinschaft kann das dann also nicht geben...es ist wie bei uns Menschen auch.

Noch ein weiterer Grund spricht für mich gegen die Paarhaltung: Sollte eines der Meerschweinchen versterben, ist das andere ganz allein. Dann muss sofort ein Ersatzpartner her, was in der Trauerphase für Tier und Mensch nicht einfach ist. In einer Gruppe kann man sich mehr Zeit lassen, wenn eines der Tierchen verstirbt und ist nicht so im Zugzwang. Ich habe auch schon öfter gehört, dass es recht schwierig sein soll, ein Meerschweinchen, das immer nur in Paarhaltung war, nach dem Tod des vorherigen Partners erneut zu vergesellschaften. Die Tiere seien zu fixiert auf einander gewesen; ein neuer Partner wurde nicht akzeptiert. Ob's stimmt, weiß ich nicht.

Das Alter der Tiere oder wie dominant sie sind, spielt m.M.n. für eine spätere harmonische Gruppensituation eine geringere Rolle als der Charakter, ihre Vorerfahrungen und ihre Eigenheiten. Sehr junge Tiere (Babies) werden sich meistens unterordnen, da wird es zumindest während der Vergesellschaftung wenig Probleme geben. Bei Meerschweinchen, die schon ein paar Monate alt oder älter sind, ist jedoch immer ein wenig Konfliktpotential gegeben. Ob für Jule, die wohl den Kastraten dominiert, sehr junge Tierchen die beste Wahl wären oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht wäre auch ein ruhiges, älteres Weibchen gut für sie. Aber vielleicht blüht der Uwe auf, wenn ganz Kleine dazukommen, die ihn wohl nicht angreifen werden.

Boverina, ist dein Uwe vielleicht ein Frühkastrat? Weißt du in welchem Alter er kastriert wurde? Meine Kastraten wurden alle erst später kastriert und unterwürfig war von denen keiner, aber sie hatten unterschiedlich viel in der Gruppe zu sagen. Ich hatte hier schon dreimal die Situation, dass der Kastrat der Gruppe das deutlich jüngste Tier und das neu hinzukommende Meerschweinchen war und sich gegen meine alten "Flintenweiber" behaupten musste, die fast alle recht dominant sind, bzw. waren. Keine optimalen Bedingungen also, aber ältere Kastraten waren hier nicht zu bekommen. Die drei Kastraten waren im Charakter völlig verschieden, auch mehr oder weniger lebhaft. Die Vergesellschaftungen waren alle recht kurz und ziemlich heftig, meine Vierer- oder Fünfergruppe war dann aber immer sehr harmonisch. Fridolin war nie der Chef der Truppe, er wurde aber auch nie von den Weibchen dominiert. Besonders eng war er mit dem ältesten Weibchen befreundet, das die heimliche Chefin der Gruppe, aber weit weniger dominant als die offizielle Chefin war. Emilio wurde ganz offenkundig der Chef, Konrad auch. Besonders enge Freundschaften ergaben sich bei beiden mit einem der jüngeren Weibchen der Gruppe, die ausgesprochen dominant ist.

Ich finde es etwas problematisch für Uwe und Jule, :I wenn er von ihr dominiert wird und sich alles gefallen lässt. Das sollte so nicht sein, aber vielleicht habe ich deine Ausführungen auch missverstanden.

Haben die beiden Neuen Uwe richtig gebissen, oder "bloß" nach ihm gehackt? Ist Blut geflossen, oder war es weniger schlimm? Wann hast du die Vergesellschaftung abgebrochen? Ich habe keine Erfahrungen mit Kastraten, die sich von neu hinzukommenden Weibchen straflos attackieren lassen. Ich werte es aber als gutes Zeichen, dass Uwe zumindest geblieben und nicht die Flucht ergriffen hat. Hat er denn gar nichts gemacht? Nur geschrieen? Nicht auch wenigstens ein bisschen mit den Zähnen geklappert? Vielleicht wurde der Uwe als Baby zu früh von der Mutter weggenommen und hatte nie eine Möglichkeit von anderen Meerschweinchen zu lernen, wie sich ein Böckchen benehmen soll, weil er schon als Kleiner ganz alleine saß?

Ich kenne das so gar nicht, dass zwei neue Weibchen die anderen massiv angreifen....schon gleich gar nicht den Kastraten. Die Vergesellschaftung mit weiteren Weibchen, die zu uns kamen, war nie sonderlich problematisch, auch bei schwierigen Tieren nicht. Aber meine neuen Weibchen kamen eben auch immer in eine relativ stabile Gruppe hinzu und wurden i.d.R. einfach aufgenommen. Bis die endgültige Rangordnung feststand, dauerte es meist ein Weilchen, aber das lief ohne große Kämpfe ab.

Ansonsten schließe ich mich dem an, was Narnia schon geschrieben hat: Vielleicht mit weiteren Schweinchen besser noch ein wenig abwarten, bis Uwe und Jule sich heimischer bei euch fühlen und mehr Selbstvertrauen haben. Zu lange würde ich aber auch nicht abwarten, damit sich die in meinen Augen nicht ganz optimale Beziehung zwischen den beiden nicht einschleift.

Ganz grundsätzlich ist es m.M.n. so, dass bei einer Vergesellschaftung die Karten immer ganz neu gemischt werden. Ein dominantes Tier, das in der vorherigen Gruppe eher in der Mitte oder ganz unten in der Rangordung war, kann an einem neuen Wohnort und in einer anderen Gruppe durchaus versuchen, die Chefrolle zu bekommen, gerade deshalb, weil es die vorher nicht hatte. Auch den umgekehrten Fall gibt es: Ein als dominant beschriebenes Tier hat in der neuen Gruppe keine Chance sich durchzusetzen. Oder es gibt ein Tier, das in der alten Gruppe immer lieb und verträglich mit allen war und in der neuen Gruppe entwickelt es sich zum Rüpel. Meerschweinchen sind so sensibel. Ein Ortswechsel und der Wechsel in eine neue Gruppe kann sehr große Auswirkungen auf ihr seelisches Gleichgewicht haben und ihr Verhalten in der neuen Gruppe völlig anders sein als zuvor.

Bei einem Gehege in der Länge von deinem wäre ein frei zugänglicher Dauerauslauf eine feine Sache. Ist das bei dir möglich? Zeigst du dein Gehege und deine Schweinchen mal? :-)
 
Liebe Grüße
Katharina :ms2:

Boverina

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 3 am: 15. Mai 2020, 22:12 Uhr »
Liebe Katharina und liebe Marina,

von Herzen Danke für Eure so ausführlichen Antworten!
Ich liebe es gerade in das Meerschweinchen-Thema einzutauchen!

In der Zwischenzeit ist viel passiert!
Nach Euren Anworten war mir klar, dass bei uns vier Meerschweinchen leben sollen.
Die Idee mit den etwas älteren und ruhigeren Tieren leuchtete mir ein!

Die Meerschweinchen-Notstation hier ums Eck postet eine etwas ältere, sehr gemütliche Dame. Ich fragte an, ob ich sie mir mal ansehen kann, denn in denn danke Euch wurde mir klar, dass vor allem auch der Charakter passen soll. Ich war also gewillt, mich auch ein bisschen auf mein Bauchgefühl zu verlassen. ;-)
Die Dame gefiel mir! 4-5 Jahre alt, US-Teddy, stark übergewichtig, etwa behäbig und sehr zutraulich. Also ich dann meinte, dass ich es mir mit ihr vorstellen könnte, wurde mir gesagt, ob ich nicht auch ihren Partner mitnehmen könnte (gleiche Eckdaten aber Kastrat).
Ja ich weiß, zwei Böcke sind nicht Ideal. Ich habe es langer mit der zuständigen Person besprochen und wir haben uns entschieden, es auszuprobieren. Immer mit der Option, die beiden zurückzugeben.

So sind nun seit drei Tagen auch Flora und Hector hier!
Und was soll ich sagen? Ich habe das Gefühl, dass es echt gut läuft!
Ich versuche alle wichtigen Punkte wie viel Futter, neutraler Boden, tagsüber sehr großes Gehege (nachts auch gut, aber kleiner), viele Karton-Häuschen mit zwei Ausgänge zu beachten.
Die erste Begegnung war gut. Dann kam ziemlich viel Streit und Jule wurde als das rangniedrigste auserkoren. Wurde doch auch ordentlich gescheucht. Weicht aber auch geschickt aus und passt gut auf sich auf.
Die drei andern machen es gerade unter sich aus, wobei die Böcke gut klar kommen. Flora ist da die Angriffslustigere.
In der Zwischenzeit haben wir aber schon viele friedliche Momente wo alle vier eng beisammen ihr Futter verschlingen oder zusammen unter einem Versteck sitzen.

Mein Plan ist, dass ich es weiter so probieren!
Ich werde Euch berichten, wie es weitergeht!

Und nochmals mega Danke für Eure Antworten!
Boverina

Narnia

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 4 am: 16. Mai 2020, 12:51 Uhr »
Uih, das ging aber schnell bei Euch!  :aug:

Ich hätte es mit zwei Kastraten, von denen einer Einzeltier und scheu ist, nicht gewagt. Aber vielleicht funktioniert es ja unter diesen besonderen Voraussetzungen trotzdem. Natürlich kann ich sehr gut verstehen, dass Du die beiden Tiere in der Notstation nicht trennen wolltest. Das finde ich auch immer hart, wenn sie sich gemocht haben und dann durch den ganzen Stress mit zweimal neuer Umgebung und auch noch Trennung müssen.

Ich hoffe sehr für Euch, dass die ungewöhnliche Kombination gelingt und alle glücklich werden miteinander. Bei der Konstellation könnte ich mir vorstellen, dass es auch in einige Tagen oder Wochen zu neuen Diskussionen oder gar Kämpfen kommen könnte. Beide Kastraten sind ja anscheinend nicht die Draufgänger, die sofort alles beherrschen wollen. Es könnte aber sein, dass sie, wenn sie sich heimischer fühlen und der Stress nachlässt, merken, dass da noch eine anderes Männchen ist, das einer zuviel ist. Es ist also gutes Beobachten aller Tiere in den nächsten Wochen wichtig.

Wir freuen uns auf weitere Berichte von Dir!

Auratus

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 5 am: 19. Mai 2020, 09:29 Uhr »
 :daumen: Wow, hier wird aber geklotzt und nicht gekleckert, mutig mutig!
Das wäre nur allzu schön, wenn diese zweifelsohne ungewöhnliche Kombi aus 2 Weibchen und 2 Kastraten weiter gut geht!

Boverina

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 6 am: 21. Mai 2020, 18:32 Uhr »
Ihr Lieben,

nur kommt ein Update!
Die vier sind nun seit einer Woche zusammen und ich bin mir sehr unsicher, ob dies so bleiben soll, oder ob wir sie nicht doch trennen müssen.
Ich weiß, ev war es naiv zu denken, dass es klappt. Aber auf Grund der Charaktere sah ich ne reelle Chance...

Die Situtation sieht nun folgender maßen aus:
Wir haben ihnen ein großes Gehege gebaucht, so dass sie sich bei Konflikten gut aus dem Weg gehen können.
Hector ist der Chef! Er uns seine Freundin Flora lieben sich nach wie vor. Hector steht voll auf Jule und umwirbt sie. Sie findet ihn ok, ziemlich faszinierend, lässt ihn aber (noch) nicht aufsitzen. Flora findet Jule nicht ganz so toll, vertreibt sie auch immer mal wieder.
Und nun zu meinem Sorgenkind Uwe. Jule mag den Kontakt mit ihm. Flora hat Angst vor ihm, auch wenn er ihr so gar nichts tut. Er tut so oder so niemandem was! Und Hector vertreibt ihn, sobald sie sich begegnen. Er geht auch auf ihn los, so dass es gebissen wird. Uwe war lange ziemlich mutig und hat immer wieder den Anschluss gesucht. Nun zieht es sich aber immer mehr zurück. Ja, es kommt vor, dass alle vier friedlich zusammen essen, aber kann auch immer sein, dass Hector auf Uwe losgeht.

Meine Hoffnung war, dass Uwe sich so unterwürfig verhält, dass er vom Rest der Gruppe akzeptiert wird und nicht als Bedrohung gesehen wird.
Was denkt Ihr? Wieviel Konflikt ist normal und gehört zum Meerschweinchen-Leben dazu? Ist der Drops nach einer Woche gelutscht oder wird sich noch was verändern?

Danke für Eure Einschätzung!

Vio

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 7 am: 21. Mai 2020, 19:42 Uhr »
Hallo  :winke:
Ich hab mittlerweile leider einige Erfahrungen mit mehreren Kastraten in kleineren Gruppen und leider geht das in der Regel nicht gut aus für ein Tier.
Manche Kastraten, die vom anderen dann gejagt werden, stehen dann dauerhaft unter Stress, das ist kein schönes Leben.
Manchmal merkt man das sogar kaum, ich kenne einen Jungen bei einer Bekannten, der immerzu Krankheiten entwickelte, obwohl er mit dem anderen Kastraten der Gruppe gut klar zu kommen schien bzw ihm aus dem Weg ging und dann war alles okay.
Das muss aber so ein Stress gewesen sein, immer zu achten, wo ist der andere und muss ich gleich weg, dass es ihn belastet hat. Er hat sein eigenes Mädchen und eigenes Gehege bekommen und wurde gesund und blieb es auch...

Man tut den Kastraten meiner Erfahrung nach keinen Gefallen, wenn man sie zusammen mit wenigen Mädels hält.
Auch wenn es anfangs halbwegs klappt, in der Regel stellt sich schnell heraus, dass es nicht geht.
Manchmal ist es nur unterschwellig Stress, manchmal eskaliert die Situation und es kommt zu blutigen Kämpfen. Ich hatte hier schon einen Kastraten mit einem zum Glück etwas verrutschten Kehlbiss sitzen, ob das gewollt oder im Affekt war, weiß man nicht. Vorher war es nicht so schlimm zwischen den beiden.
Seitdem bin ich auf der Hut.
Es ist so kein schönes Leben für die Jungs, für beide nicht. Der eine muss ständig verjagen und sein Revier verteidigen und der andere muss auch ständig Bereit zur Flucht sein. Wozu, wenn sie beide ihre Mädels hätten und dann in Frieden leben könnten?
Ich finde, das haben sie ja auch verdient :-)

Ich kenne wenige Fälle, wo es mit zwei Kastraten wirklich funktioniert hat. Aber ob es für beide wirklich gut war, ist auch dann nicht unbedingt klar...
Im Zweifelsfall würde ich immer im Sinne der Tiere empfehlen, jedem Jungen sein Mädchen zu geben.
So schlimm das manchmal ist, ich hab auch schon einen Kastraten deswegen hergeben müssen...
Aber man tut den Tieren wirklich was Gutes dann. Meist merkt man den Unterschied nachher extrem und sieht dann, unter wie viel Stress sie vorher standen und wie viel besser es nun für sie ist.

Es sollte jetzt immer besser werden, wird es schlechter, dann wird es nicht klappen.
Es ist auch nicht schön, wenn ein Junge nie wirklich Junge sein darf und sich unterwürfig wie ein Mädchen verhalten muss.
Jeder Kastrat sollte seine Bedürfnisse ausleben können. Muss er immer um sein Leben vielleicht sogar fürchten, wenn er das tun möchte, weil da der andere ist, der aber stärker ist...
Das ist kein schönes Leben.

Von daher wäre das jetzt mein Rat, vielleicht habt ihr genug Platz, um zwei kleine Gruppen halten zu können? Aber ihr wolltet ja eigentlich eine vergrößern...
Wenn da schon gebissen wird und die Tendenz schlechter wird würde ich sofort trennen.
Sowas kann schnell eskalieren und dann geht's wirklich manchmal arg zur Sache und wird Gefährlich wie im Beispiel oben.
Muss nicht sein, kann aber... Mit abwarten wird es halt für beide nicht besser in so einer Situation und so, wie ich es jetzt wahrnehme deiner Schilderung nach. Meiner Erfahrung nach. Leider 😕

Es ist schwierig. Die Notstationen hier probieren sowas gar nicht mehr aus (mit wenigen Sonderfällen als Ausnahme), weil es in der Regel in die Hose geht und am Ende die Tiere nur drunter gelitten haben und Stress gibt 🙁
Tut mir leid, dass es jetzt nicht so klappt wie gehofft bei euch!
Ich finde es toll, dass du dir Gedanken machst und hinterfragst und gut beobachtest!
Weil ich mehrfach nun schon in einer ähnlichen Situation war, kann ich gut verstehen, dass ihr das probieren wolltet. Man weiß es sonst einfach nicht, ob es nicht doch geht...
Ich hoffe, dass ihr eine gute Lösung für alle Tiere findet :-)
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Narnia

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 8 am: 21. Mai 2020, 21:33 Uhr »
Ich habe öfters an Eure Tiere gedacht. Danke für Deinen Bericht!

Wenn Du schreibst, dass Uwe gebissen wird von Hector: Hat es geblutet? Kam es mehrfach vor? Wenn Uwe nicht den Kampf sucht und trotz des dicken Felles blutig gebissen wurde und das noch dazu nach einigen Tagen, würde ich den Versuch abbrechen.

Mir tut Uwe leid: Er hat anscheinend gerade angefangen, sich mit einem Weibchen anzufreunden und etwas mutiger zu werden (sie bestieg ihn nicht mehr und er suchte ihre Nähe) und jetzt wird ihm dieses einzige Schweinchen in seiner kleinem Welt vermutlich abgeworben oder verboten (von Hector). Aber nicht nur das: er muss für Hector Angst haben ...  :traurig:

Wie gesagt, ich kann verstehen, dass Du Hector nicht alleine zurücklassen wolltest, aber der Schutz von Uwe würde für mich jetzt vorgehen. Falls Du nicht sofort und damit dauerhaft trennst, beobachte bitte sehr genau, untersuche Uwe täglich auf Wunden und wiege ihn, damit Du merkst, ob er abnimmt. Aber wie schon Vio schrieb: es kann halt auch richtig hart werden und keiner von uns kann immer aufpassen oder auch nur rechtzeitig dann eingreifen.

Bitte berichte weiter!

Boverina

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 9 am: 22. Mai 2020, 18:41 Uhr »
Ihr Lieben,

Eure Antworten waren top! Danke!

Wir haben die beiden Pärchen bereits gestern getrennt! :-)
Ausschlaggebend war, dass es sich nicht verbesserte. Ganz im Gegenteil, Uwe hatte keinen Anschluss mehr, außer Jule kam mal von sich aus zu ihm.

Zu Eurer Beruhigung kann ich sagen, dass wir sie in den aktiven Phasen immer beobachtet haben und Uwe regelmäßig untersucht. Sein dickes Texel-Fell hat bestimmt gut gepolstert, so dass es nie blutig war. Auch haben wir an die andern Dinge wie Futter verteilen, Häuschen mit mehreren Ausgängen und viel Platz gedacht.

Meerschweinchen und Menschen sind erleichtert! Klar, wir haben von was anderm geträumt, wollten eine kleine Meerschweinchengruppe, weil wir es lieben, die zu beobachten!
Aber unsere drei Kinder wollen Hector und Flora auf keinen Fall zurückgeben. Und so dürfen nun alle vier bleiben, wenn auch getrennt.

Die Entspannung war allen sofort anzumerken. Endlich konnten sie sich wieder putzen und beim fressen oder auch sonst mal entspannt auf die Seite legen. Ja und Uwe und Jule sind richtig friedlich zusammen, ich glaube, da haben sich zwei gefunden! Hector und Flora ist ja eh kein Thema, die sind schon immer zusammen und lieben sich. Gerade Flora ist sehr glücklich, dass nun kein anders Schweinchen mehr da ist. Na ja, Hector fand Jule schon ziemlich gut... ;-)

Vielleicht war es naiv und ein Fehler, es mit den Vieren auszuprobieren. Aber in der Regel fahre ich sehr gut, mich auf meine Intuition zu verlassen. Dieses Mal hat es nicht gepasst... Aber wer weiß schon, wozu es gut war! ;-)

Von Herzen Danke für Eure Unterstützung!







Narnia

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 10 am: 22. Mai 2020, 21:18 Uhr »
Schade, dass es nicht gelungen ist zu viert. Aber dafür habt Ihr ja anscheinend genau richtig reagiert und aufgepasst, dass keine ernstlicher Schaden entsteht. Das ist gut zu lesen!

Vio

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 11 am: 23. Mai 2020, 03:45 Uhr »
Schade, tut mir sehr leid, dass es nicht geklappt hat!
Aber was Gutes hat es doch, nun können beide bei euch bleiben :-)
Zweifle nicht an deiner Intuition! Wir tun manchmal das Richtige aus den "falschen Gründen"oder eher gesagt, anders eingeschätzten Gründen... Die Logik kommt da nicht immer nach.

Ich war vor kurzem in einer etwas ähnlichen Situation.
Vor zwei Monaten holte ich ein neues Mädchen in meine Gruppe.
Eine total süße kleine Dame - meine älteste war anderer Meinung und nicht freundlich.
Dann starb ein Mädchen meiner Gruppe und der neuen Dame war das Piesacken genug...
Am Ende musste ich die älteste aus der Gruppe nehmen.
Obwohl ich so ein gutes Gefühl hatte bei der Neuen und unbedingt dieses Meerschweinchen musste es sein - es war richtig schlimm dann für mich, die Gruppe trennen zu müssen.
Abgeben wollte ich sie nicht mehr, es war ja nicht ihre Schuld und das andere Mädchen und mein Kastrat mochten sie so unglaublich gern, wohingegen die andere eh eher eine Einzelgängerin war.
Aber sie ist bald sieben Jahre alt und hat Tumore und andere Baustellen...
Ich musste sie von der Freundin trennen, die sie 5,5 Jahre ihres Lebens kannte. Keine dicke Freundschaft, aber Familie somit irgendwie.
Es war alles Mist. Abgeben war natürlich keine Option.
Hat viele Tränen und Diskussionen gegeben hier Zuhause, wir arbeiten mit der kranken Oma und meine Pendelei in die Schweiz schon länger wir über unser Limit hinaus.

Nützt ja nix. Wohnzimmer bei Oma umgeräumt, sogar Möbel raus, neues Gehege erstellt.
Leih-Kastraten aus Notstation für die alte Dame geholt.

Die beiden haben sich gesucht und gefunden. Die Süße ist so unglaublich zufrieden mit ihrem neuen Ehemann und er liebt sie auch.
Auch die anderen drei sind glücklich.

Warum erzähle ich das?
Weil alles so sein sollte.
der neue Kastrat hat sich als schwer krank herausgestellt. Er hat verschiedene schmerzhafte Eiter Herde und Entzündungen im Kiefer und ein durch eine degenerative Erkrankung geschädigtes Auge.
Das wird schon über Monate gehen (und solange wird er schon Schmerzen haben) und die Prognose ist sehr schlecht.
Als es bei uns angekommen ist, war er auf allen Ebenen irgendwie mehr tot als lebendig.
Dieses Schwein darf in jedem Fall bleiben, für immer.

Mittlerweile hat er zum Leben zurück gefunden und ist Wahnsinnig aufgeweckt und fröhlich und voller Lebendigkeit.
Sein Kiefer ist noch nicht wieder okay, ein Zahn Eitert noch etwas, das Auge auch noch selten etwas, ggf OP des Zahnes steht noch an, wir werden sehen.
Von der ca 5 cm Umfangsvermehrung im Bauch reden wir erst mal gar nicht.
Aber was zählt ist, er hat keine Schmerzen mehr und entwickelt sich in die richtige Richtung, er genießt sein Leben wieder.
Seine Augen haben Narben an den Lidern, die Ohren tiefe Schlitze und die Lippen sind zerhackt.
Der auch schon ältere Schatz hat eine Menge erlebt in seinem Leben.

Es berührt unser Herz so wahnsinnig, zu sehen, wie bei diesem Jungen so langsam alle alten Wunden heilen dürfen.
Und wie er hier ankommt und für alles dankbar ist, für die Versorgung und die Fürsorge und dafür, dass wir ihn sehen und ihm helfen, wenn es ihm nicht gut geht.
Zu oft in seinem Leben wurde er nicht gesehen.

Ja, es war Mist, dass ich die Gruppen trennen musste. (Sobald Zeit ist muss ich mal in meinem Thread berichten.)
Aber wenn ich daran denke, dass wir, hätte ich die neue Dame nicht geholt, diesen alten Herren nun nicht bei uns gehabt hätten...
Da bricht mir auch das Herz. Ich möchte nicht mehr auf ihn "verzichten"müssen, einfach weil es ihm so gut tut, hier zu sein und das zu sehen eine wahre Freude ist...

Es sollte so sein🤷🏼‍♀️ und war alles genau gut so. Die Alternative, die ich mir als gut dachte, wäre nicht so schön gewesen, wie die Situation jetzt.
Da bin ich dankbar für.

Ich bin sicher, es sollten also vielleicht einfach beide zu euch?  :fr:
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Boverina

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Antwort: Zu zweit lassen?
« Antwort 12 am: 23. Mai 2020, 09:23 Uhr »
Liebe Vito,

was für einen wunderschöne Geschichte! Danke, dass Du mich/uns hast daran teilhaben lassen!

Das macht mir nochmals ein richtig gutes Gefühl, dass die vier vielleicht tatsächlich alle bei uns landen sollten! :-)

Ich wünsche Dir auch für Deine private Situation mit Oma und der Pendelei ganz viel Energie und Gelassenheit.

Wir träumen noch immer von einer kleinen Gruppe (4 bis 6 ) Tiere. Aber wer weiß, was noch auf uns zukommt. Ich hab im Gefühl, dass das mit meinen Vieren erst der Anfang ist... ;-)

Ganz liebe Grüße aus Hamburg!