Autor Thema: Positive Effekte auf die Gesundheit durch Fell-Fressen?  (Gelesen 1838 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Vio

  • Team-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 5764
    • Die "Schweinebande" auf Facebook
Positive Effekte auf die Gesundheit durch Fell-Fressen?
« am: 17. Oktober 2018, 23:44 Uhr »
Hallo ihr Lieben!
Das Meerschweinchen einer Freundin frisst nach Kieferabszess, Zahnentfernung und zwei Wochen zwei verschiedene AB oft am Fell der Freundin herum. Der kleine Mann kann auch immer noch nicht richtig kauen, weil kein TA dort gescheit schleifen kann... Sie fährt nun Samstag 1,5 Std pro Strecke zu einer Spezialstin und da ich von dieser Tä seit Jahren gutes höre (Schweiz), bin ich sicher, sie wird gescheit Schleifen. Der kleine Mann hat ein paar Tage auch Durchfall gehabt, kein Wunder nach allem und dann auch spielt da das schlechte Kauen noch mit rein (Kot wird noch gesammelt, um einmal nach Parasiten schauen zu lassen, aber nun gibt's schon wieder Böhnchen).

Das Schwein frisst kaum noch von selbst, weil es einfach nicht geht, deshalb wird es vorerst mit Gemüsebrei unterstütz und es sucht sich die Böhnchen der Freundin. Huminsäure und Apfelpektin nimmt es gerne und Colosan erhält meine Freundin erst Ende der Woche (von mir, gibt's in der Schweiz nämlich leider aktuell nicht so einfach).
Ansonsten gibt's sich meine Freundin große Mühe und bietet alles mögliche aus der Natur an, fraglich, was er nehmen kann... Aber ab Samstag dann wieder, hoffentlich!

Nun zu den Haaren: dumme Angewohnheit ist es nicht... Nährstoffmangel?
Ich überlege, ob Haare auch einen positiven Effekt haben können, vielleicht für eine Art Darmreinigung? Sie werden ja im der Regel so wieder ausgeschieden...
Natürlich macht man sich Sorgen, ob das gesund ist, meine Freundin wollte ihn vor Angst schon von der Freundin trennen, aber an Haare kommt er ja dennoch - muss sich nur zu seinem Fell drehen.
Und einen Grund wird es ja haben.

Gibt ja auch Frisör-Schweine, aber er war bisher nie eines, also muss es nun an der Situation liegen.
Daher frage ich mich: was hat das Schweinchen davon bzw. ist das vielleicht ein Verhalten, was der Gesundheit entgegen der allgemeinen Meinung bzw Erwartung nützlich sein könnte?

Was denkt ihr dazu?
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Murx Pickwick

  • Forenkobold
  • Aktives Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 929
Antwort: Positive Effekte auf die Gesundheit durch Fell-Fressen?
« Antwort 1 am: 18. Oktober 2018, 11:42 Uhr »
Haare sind lange, unverdauliche Fasern ... normalerweise sind die eher schlecht im Verdauungstrakt, da sie sich zusammenballen können und damit zu Haarballen in Magen und Darm führen können.

Nährstoffe können ausgeschlossen werden - Haare sind sogar für die Blinddarmgesellschaft absolut unverdaulich, die kommen hinten raus, wie sie vorne reinkommen.

Bleibt also nur der Pflanzenfaserersatz ... vermutlich sind weiche Haare schmerzfreier zu futtern, wie Stroh, Wiesenheu, Rinde und was sonst noch so an Ballaststoffen und Pflanzenfasern normalerweise gefressen wird, um die Darmtätigkeit in Gang zu halten.
Sinnvoll wäre nun, weiche Pflanzenfasern zu finden, die lieber wie die Haare gefressen werden. In Frage kämen Baumwolleinstreu, Leinstreu, frischer Lein, ausgeschlagene Brennesselstiele, Bast und Kambium (wobei dieses möglichst weichgerubbelt werden sollte), Maisstroh und Maisblätter, weiche Gräser ... da muß einfach ausprobiert werden.
Sperren würd ich das Haarefressen in dem Fall nicht - lange Fasern werden im Darm zur Anregung der Darmtätigkeit gebraucht und wenn nix anderes an langen Fasern gefressen werden kann, sind Haare immer noch besser wie gar nix.

Vio

  • Team-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 5764
    • Die "Schweinebande" auf Facebook
Antwort: Positive Effekte auf die Gesundheit durch Fell-Fressen?
« Antwort 2 am: 20. Oktober 2018, 21:02 Uhr »
Lieben Dank, Murx :-)
So in der Art hatte ich mir das gedacht, "positive Effekte" ist jetzt vielleicht zu optimistisch formuliert gewesen :D
Aber es hat ja alles einen Sinn, was die Kleinen tun.
Die Böhnchen sind wieder gut, das Fellfuttern nimmt ab und eine Spezialistin (DIE Adresse für Nager in der Schweiz  :bravo: ) hat den kleinen Kerl heute nochmal neu operiert, da war nämlich leider wieder ein Abszess und noch dazu ein völlig unpassender Schliff (dazu muss ich sagen, dass da schon 2,5 Wochen 4 OPs/Zahnkontrollen vorgenommen wurden, ist wohl schwierig, aber die TÄ waren ggf. auch nicht so die Kompetentesten in diesem Bereich...).
Ich hoffe, es geht bergauf. In jedem Fall war das - was jetzt keine Überraschung war - Fellfuttern wohl hilfreich.

Eine Aufgasung oder Köttelketten gab es nie - mir ist auch klar, dass Fell nicht verdaut wird, aber man sagt ja immer, sie futtern es aus Nährstoffmängeln. Also nicht, dass damit Mängel ergänzt werden könnten, zumindest habe ich das nie angenommen, nur als verzweifelten Versuch oder so hätte ich es dann gewertet.
Muss man immer sehen, ob Fell wieder raus kommt - also, geschieht das immer in Forum von Köttelketten?
Ich hab ja keine Ninchen und beim Schwein ja eher selten...
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Murx Pickwick

  • Forenkobold
  • Aktives Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 929
Antwort: Positive Effekte auf die Gesundheit durch Fell-Fressen?
« Antwort 3 am: 21. Oktober 2018, 00:04 Uhr »
Damit es zu Köttelketten kommen kann, müssen mehrere Dinge zusammentreffen.

Köttelketten entstehen fast nur, wenn lange Haare von Langhaarmeerschweinchen aufgenommen werden (beispielsweise, wenn sich ein Langhaarmeerschweinchen putzt und so naturgemäß eben auch Haare mit aufnimmt).
Allerdings haben nicht alle Langhaarmeerschweinchen Köttelketten - dies tritt hauptsächlich auf bei Kuntibuntimeerschweinchen und Heumeerschweinchen, was nahe legt, daß es mit Veränderungen des Darmes durch die ungeeignete Ernährung zu tun hat. Dabei gibt es eigentlich nur den Übergang von Dünndarm zu Dickdarm - nämlich den Darmabschnitt, wo die Köttel geformt werden. Vorher gibts keine Köttel, hinterher gäbe es eher Haarballen zwischen den Kötteln, weil diese ja schon fest und geformt sind.
Da Köttelkettenkot sehr oft deutlich weicher ist, wie normale Köttel, könnte dies wiederum ein Hinweis darauf sein, daß es sich um entzündliche Prozesse handelt, bei denen nicht mehr genügend Wasser im Dickdarm resorbiert wird - und so erst die Haare, ohne zusammenzuballen, in die Köttel gedrückt werden können.
Aber das ist jetzt hier nur noch Murxsche Spekulation ... ich kenne bislang keine Studie zum Thema Entstehung von Köttelketten bei Meerschwein und Kanin.

Vio

  • Team-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 5764
    • Die "Schweinebande" auf Facebook
Antwort: Positive Effekte auf die Gesundheit durch Fell-Fressen?
« Antwort 4 am: 23. Oktober 2018, 12:02 Uhr »
Interessant, danke :-)
Neyla hatte damals ja nach dem ersten, zu spät behandelten Bezoar eine Köttelkette. Aber die bestand nur aus Pflanzenfasern und war auch aus sehr harten kleinen "Bällchen". Vielleicht war das einfach wegen der unzureichenden Verdauung, weil der Bezoar alles irgendwie ein bisschen blockierte. Als er dann langsam weiter verdaut wurde, wurden auch die Böhnchen besser - aber das Material vom Bezoar war ja noch beim Übergang von Magen zu Darm, es kann also nicht schon in den Böhnchen gewesen sein...
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms: