Autor Thema: Dominanz führt zu offensichtlichen Problemen  (Gelesen 1554 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Carmilei

  • Aktives Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 64
Dominanz führt zu offensichtlichen Problemen
« am: 01. Juli 2018, 20:36 Uhr »
Hallo ihr Lieben  :winke:

wie Ihr vielleicht schon mit bekommen und gelesen habt, ist meine Merle im November im hohen Alter verstorben. Anfang Februar habe ich es über das Herz bringen können, mit meinem Partner in die Notstation zu fahren, woher wir schon zwei andere Schweinchen zu uns geholt haben.
So auch in diesem Monat und von Beginn an war sie doch sehr zahm und zutraulich, so wohl zu unseren anderen dreien als auch zu uns Menschen.

Es hat sich nun heraus gestellt, das sie sehr dominant ist und es scheint so als hätte sie unserer Frieda wirklich die Rolle abgenommen. Es scheint so, als wäre die Rangordnung ohne das übliche bereiten oder wie der Fachbegriff lautet abgelaufen, denn wir haben in der Nacht auch einmal eine Videokamera laufen lassen und sie einen ganzen Tag aus der Entfernung heraus beobachtet und es fand nicht statt.
Es kristallisiert sich aber doch sehr heraus und gerade auf unsere Palina hat sie es abgesehen.
Ohne Vorwarnung, brommeln oder irgendwas rennt sie auf sie zu und zwickt sie so, das Palina lautstark piept.
Solche Tage gibt es immer wieder und dann kommen auch die Tage, wo Ruhe ist.

An manchen Tagen kommt es einem so vor, als würde sie richtig über unsere Palina wachen.
Dann sitzen beide ganz nah zusammen und so bald Palina auch nur eine kleine Bewegung macht, beißt oder zwickt Carla sofort zu.
'
Nun meine Frage, weshalb dieses Verhalten statt findet und was wir tun könnten?
Ich bedanke mich an dieser Stelle schon einmal recht herzlich für Eure Antworten.
Carmi

Vio

  • Team-Mitglied
  • *
  • Beiträge: 5764
    • Die "Schweinebande" auf Facebook
Antwort: Dominanz führt zu offensichtlichen Problemen
« Antwort 1 am: 02. Juli 2018, 16:32 Uhr »
Huhu Carmen :-)

Es tut mir leid, dass es Stress gibt  :traurig:

Deine Frage ist sehr schwierig zu beantworten, da es so viele Möglichkeiten gibt, warum sie sich so verhält.
Ich kenne Tiere, die sich so verhalten haben und als dann ein anderer Kastrat dabei war - obwohl der gar nichts gross gemacht hat augenscheinlich - waren sie plötzlich lammfromm.
Manche Schweinies langweilen sich auch - gerade Jüngere machen Stunk, wenn sie nur bei älteren sind, die nichts oder wenig mit ihnen unternehmen.
Oder aber es könnte sich um ein gesundheitliches Problem handeln, also z.B. Schmerzen oder Zysten und andere Hormonprobleme beim stressenden Tierchen - oder aber dass das andere Tier krank ist.
Es kann auch sein, dass die andere sie provoziert und man sieht es vielleicht kaum oder würde es nicht so interpretieren... und sie wehrt sich dann eben...
Oder eben sie hatte keine gute Erziehung und klärt Probleme oder den Platz in der Rangordnung nicht auf die freundlichste Art.

Rangordnungsklärung läuft nicht zwingend mit Bereiten oder so ab. Das muss man manchmal nicht mal sehen, es ist auch keine Sache von Stunden oder Tagen, sondern kann Monate dauern. Und wenn die Tiere sich entwickeln, erwachsen werden, fängt es vielleicht nach 1,5 Jahren dann nochmal an.
Es kann dabei auch zu Brommseln, Fauchen, Hacken, Jagen, Bepieseln kommen oder zu Signalen, die die Tiere genau wahrnehmen untereinander, wir aber nicht mal sehen wie z.B. eine leicht vorgeschobene Unterlippe zum Trotz.
Es muss auch nicht heissen, dass sie oben an der Rangordnung sitzt, die Rangordnung ist oft nicht hierarchisch (bei Pferden in Herden ist sowas auch gut zu beobachten), sondern individuell von Tier zu Tier verschieden. Tier A kann über Tier B dominieren und Tier B über Tier C, Tier C aber wieder über Tier A... Es gibt auch geteilte Aufgaben oft in der Gruppe und manche Tiere, die auf einer Ebene stehen und sich respektieren. Ich kann bei meinen Tieren in der Regel keine Hierarchie beobachten, eher eine Gemeinschaft aus Respekt, die älteren Tiere haben unterschiedliche Positionen, die jüngeren Tiere müssen (in der Regel - da gibts auch manchmal Ausnahmen) gehorchen und eben noch was lernen - die Älteren sind die Lehrer und deren Wort muss befolgt werden.

Du merkst schon - es fällt mir schwer, dir da jetzt konktret einen Tipp zu geben, weil ich gar nicht weiss, was genau das Problem ist, dass sie sich so verhält. Kannst du die Situationen vielleicht mal filmen? Was macht euer Kastrat denn dann? Wie alt war sie nochmal und wie alt die anderen (hab es noch grob im Kopf, aber bitte schreib es nochmal auf :-) ).

Wenn es nur Palina betrifft, würde ich sie und auch Carla einmal von der Gesundheit her im Blick behalten, ob euch was auffällt. Vielleicht mal einfach den Urin testen, ob da alle Parameter stimmen (mit Combur-Sticks).
Dann schaut doch mal, ob ihr nicht noch mehr Abwechslung bieten könnt, ob sie das dann lässt, falls sie sich langweilt. Manchmal ist auch einfach das Gehege zu klein (auch wenn es schon grösseren Massen(mit sz soll das sein... hab wieder ne Schweizer Tastatur gerade) entspricht, als den Käfigen, so ist es doch was anderes als frei in der Natur und manche Schweine brauchen mehr, manche weniger Platz, um sich auszuleben) oder es gibt zu wenig Häuschen etc.

Ich meine im Hinterkopf zu haben, dass sie etwas jünger war als die anderen oder vertue ich mich da? In solchen Fällen ist so ein Verhalten manchmal aus Frust, weil die älteren Schweine nicht mitspielen oder so agil sind und entdecken und sie von denen höchstens eine Abfuhr bekommen und sich zu Tode langweilen (das ist der Grund, warum ich bis zu einem Alter von 1 Jahr immer nur zwei jüngere Schweinchen hole und nie eines in diesem Alter oder wenn die Altersabstände zu gross werden (2 Jahre und 6 Jahre zB.) dann auch - alles andere finde ich den Tieren gegenüber überhaupt nicht fair, ich möchte ja auch nicht nur mit alten Knackern zusammen sein :D ).

Ist also leider nicht so einfach zu beantworten... Wenn sie einfach nicht gut erzogen ist, ist es auch schwierig, wenn sie nun schon älter ist. Eigentlich hätte dann euer Kastrat in diesen Situationen mal schlichten müssen, wenn sie es nicht tun, kann es sein, dass es neben "Unfähigkeit" auch noch andere gute Gründe gibt, warum nicht, die wir nicht kennen. Manchmal kann man auch da mit einem guten, erfahrenen und strengen, aber dennoch sanften Erziehertier, was man aus einer Notstation dazu holt (unsere Notstation kennt ihre Tiere gut und kann solche Tiere dann empfehlen) auch noch was machen, aber wenn sie dann irgendwann zu alt sind, ist es immer schwer. Das kann dann auch nach hinten losgehen...

Meine Mimi ist fürchterlich schlecht sozialisiert, was im Laufe der Zeit in einer harmonischen Gruppe voll guter sozialer Tiere immer besser geworden ist - wenn Neuankömmlinge kommen, kann sie sich den Zwicker in den Hintern aber doch nicht verkneifen ;)

Vielleicht haben Murx etc. auch noch andere Tipps hier, ich bin nicht DER Spezialist für Verhalten, da lerne ich selbst regelmässig hinzu...
Es wäre schön, wenn man die Situation etwas entstressen könnte, auch Palina wird dadurch ja Stress haben. Vielleicht wäre Tierkommunikation da auch noch ein Ansatz, wenn das für dich in Frage käme, um vielleicht eine Idee zu bekommen, was genau sie stört oder warum sie das macht und wie man da helfen könnte :-)
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms: