Autor Thema: Bewegung ist gesund  (Gelesen 4668 mal)

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Piggilotta

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Bewegung ist gesund
« am: 22. Mai 2016, 10:21 Uhr »
Aber warum eigentlich?
Oder besser gesagt, wodurch; und in welcher Weise?
Anlass ist grad das Thema Äste im Gehege, siehe hier
und ich wollte ein wenig darüber spekulieren, was durch das Hocheben der Kopfes alles begünstigt wird:
unterm Hals sitzen viele Lymphknoten, durch heben und senken des Kopfes dürfte eine Art Pumpe betrieben werden, die Lymphe fliesst besser ab.

Fürs Raumgefühl eines jeden Wesens ist es förderlich, alle Raumebenen zu erkunden, wenn da "Oben" auch dabei ist, ist das gut.
(Hat jetzt nix mit Schweinen zu tun, war aber für mich ein Schlüsselerlebniss: als meine Ergo-Lehrerin vor uns stand und erklärte, warum Kleinkinder, die zu lange im Kinderwagen rumgefahren werden, nicht so gut lesen und schreiben lernen:
Wie soll ein Kind, das seine Körpermitte nicht kennt (wg. mangelndem Training des Gleichgewichtes beim Laufen),
hier hob sie den Arm und machte eine senkrechte Bewegung (die Mitte)
ein d von einem b unterscheiden? Bogen links von der Mitte und Bogen rechts von der Mitte.
Fand ich enorm einleuchtend.)
Klar, Schweine werden nie lesen und schreiben lernen, aber sie haben Reflexe wg. "Feind von oben" und ich wage die Behauptung, dass sie sich sicherer fühlen, wenn diese Raumebene nicht vernachlässigt wird. Ich mein jetzt nicht nur den Ast als Sichtschutz sondern die Muskelgruppen im Nacken durch die Bewegung nach oben.

Was mir auch noch dazu einfiel ist: die Bewegung "Hals hoch" hat ja auch eine Kommunikationsebene, alle "Platz da" Geschichten fangen damit an. Ich will mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen was die Geste alles beinhaltet, möchte aber den Punkt machen, dass auch hier das Beüben auf einer neutralen Ebene (beim Futtersuchen) positive Auswirkungen haben dürfte.

Dann schauen wir jetzt mal ganz genau hin und stellen fest, dass unter einem Ast etwas anders nach links und rechts geschaut wird: nicht die "Massenbewegungen" wie beim Rennen, wenn der ganze Körper der "Nase lang" geht; auch nicht so schnuppernd mit tiefem Kinn wie bei normalen Erkundungsgängen: ganz andere Muskelgruppen ziehen den Rücken in einen Buckel und schauen auch schon mal "über die Schulter".
Kennt ihr die "neurologischen Auswirkungen" von Gähnen und Strecken? Bei uns Menschen laufen ne Menge Nerven am Hals entlang, beim Gähnen bekommen tiefere Hirnschichten (also nicht Grosshirn, mehr Mittel- und Kleinhirn) jede Menge input; beim Strecken geben die Bänder input auf ebendiese Strukturen: ich geh davon aus, das ähnliches auch beim Schwein passiert, auch beim Buckel machen und über die Schulter schauen.
 
Jetzt wissen wir endlich, warum die Wutzen in größeren Käfigen wacher sind: mehr Muskelgruppen aktiviert ist gleich mehr Hirntätigkeit. (Hab ich wohl nicht ganz schlüssig bewiesen, aber in diese Richtung müsste es gehen....)
Qualitativ, nicht quantitativ: andere Muskeln, nicht stärkere Muskeln.

Bevor ich aufhöre noch ein bisschen über Äste am Boden, Stichwort "Nierenkippen":
Meine hüpfen mit wachsender Begeisterung über niedrige Hindernisse (3-7cm) und wenn ich mir diesen Bewegungsablauf anschaue und die Lage und Form der Nieren, bzw. der Blase bedenke, bzw. deren Veränderungen bei Schäden, vermute ich auch hier positive Auswirkungen: Blasenschlamm kann sich lange nicht so gut absetzten, anlagern, Steine bilden wenn es öfter rauf und runter geht.
Egal in welchem Maße das nun genau geschieht, die Bereitschaft meiner Wutzen, einen Umweg zu machen, nur um ansonsten zweckfrei diesen Ast mal wieder zu überspringen, ist mir hier Indiz genug.

So, genug erstmal, was haltet ihr davon?

Ach, eins noch, zum Thema "päppeln" (aus der Logopädie):
Kleinkinder lernen schlechter sprechen, wenn sie Fläschchen mit zu großen Löchern bekommen; die Mundmotorik wird zu wenig trainiert.

Vio

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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 1 am: 23. Mai 2016, 17:44 Uhr »
sehr interessante gedanken, piggilotta :-) danke!
da sind viele dinge dabei, an die man sonst gar nicht so denkt.
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Piggilotta

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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 2 am: 24. Mai 2016, 08:59 Uhr »
Danke Vio, und: deshalb schreib ich sie ja hier auf.
Irgendwie finde ich, in so Foren wird  (zu)viel über Krankheiten geschrieben.
Für den Einzelfall macht das Sinn, aber sich in den gesunden Zustand reindenken können ist auch wichtig.
(Aber ich bin auch noch am üben...)

Eine erste kleine Korrektur/Differenzierung hab ich schon:
Normales, erkundendes Hochstrecken und wieder Senken hat eine Pump-Wirkung für die Lymphe;

Drohgebärden mit erhobenem Kopf, fest aufgestellten Beinen und über mehrere Sekunden hat diese Wirkung nicht.
Da ist der Tonus zu hoch und es fehlt die rauf/runter Dynamik die die Flüssigkeit bewegen würde.

Könnte mit erklären, warum es Stress ist, sich bei Krankheiten gegen andere Duchzusetzten.
(Kurzer Lymphstau, übertrieben ausgedrückt- nicht schlimm, aber auch nicht förderlich).

Im Nachhinein find ich meine Begründung dafür, dass das Sicherheitsgefühl "durch die Nackenmuskeln gestärkt wird", auch noch nicht so prima; es ging mir darum, dass sie diese "Raumebene" überhaupt "auf dem Radar haben".
Haben sie auf der Angstebene ja sicher, das ist ganz tief verankert; ich meine nun, das es sich besser anfühlt, wenn die Wutzen selber nachschauen können, was da von oben kommen könnte, also das ganze "Absicherungs-und Wachprogram" abspulen können.
Also Männchen machen und sichern, während die anderen fressen (da wechseln sie sich ja immer mal ab) und halt eben immer mal wieder überall (nicht nur vorne, rechts und links) checken.
Souverän und automatisch, ohne konkreten Anlass. Dann stellen sie halt oft fest "alles o.k.";
wenn sie nur Hochschrecken, wenn was passiert ist ihre Erfahrung ja schon ne andere. Denn auch wenn kein Kondor, sondern Fressen von oben kommt, Souveränität ist was anderes als ein voller Bauch...

Ich hab letztens gelesen, die Schweinchen hätten, weil die Augen seitlich am Kopf sind, ein "schlechtes Raumgefühl".
Quatsch sowas. O.K., sie stellen sich doof an, wenn man ihnen Fressen vor die Nase hält, das können sie schlecht sehen.
Sie haben vor der Nase ne Art "toten Winkel".
Das Raumgefühl insgesamt find ich aber ziemlich differenziert. Brauchen sie ja für die Einhaltung der Rangfolge:
ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich seh, dass ein Schwein Kurs auf nen Leckerbissen macht, sieht, wie sich die anderen verteilen, und dann so ne "rechts, links, links, links" Kombi durchzieht, um von der Seite dranzukommen, ohne wem auf den Schlips zu treten.
Also bei Ergo- und Physiotherapeuten ist sowas ein Massstab für Raumgefühl, das andere ist "Gesichtsfeld".
(Das ist eingeschränkt durch die Position der Augen, aber dafür haben sie ja gute Nasen...).

Habt ihr beim vergrößern eurer Ställe Verhaltens- oder Bewegungsänderungen bemerkt?
Welche??
(Kicher, das ist tricki zu beschreiben, findet ihr nicht auch....)



Tiefseetaucher

  • Dino
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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 3 am: 26. Mai 2016, 23:31 Uhr »
Zunächst erst einmal wieder danke für einen tollen Denkanstoß und Raum für interessante Themen.  :freu:

Ich hatte es bisher nicht ausformuliert, aber es ist mir deutlich aufgefallen, dass sie sich in ihren Bewegungsabläufen und Wegen verändern, wenn sie a) mehr Platz bekommen und b) immer mal umgestaltet wird. Da schließe ich auch kleine Hindernisse, neue Tunnel usw mit ein, die zu anderen Bewegungen, als normales Laufen animieren. Es ist ja auch sinnig, wer sich bewegt, bleibt auch im Hirn fit. Nehmen wir ein armes Schwein in Einzelhaft und legen ihm ein Futtersuchspiel vor die Nase. Abgestumpft, wie es ist, wird da nicht viel passieren, das Hirn gewöhnt sich an eine reizarme Umgebung und passt sich an. Anders sieht es bei Schweinen aus, die Bewegung und Beschäftigung haben, sie bleiben agil, neugierig und clever möchte man fast sagen.

Dass abwechslungsreiche Bewegung nicht nur für den Bewegungsapparat gut ist, ist auch klar. Das kann jeder auch ganz einfach an sich selbst beobachten. Sprich Thema Verdauung, Hirnleistung, trainieren verschiedener Muskelgruppen und daraus resultierender Gesamtgesundheit.
Ein tolles Thema und weiteres Argument, seinen Ferkeln ein abwechslungsreiches Gehege zu bauen.  :ja:

"Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag."

[Anton Pawlovic Cechov]

Piggilotta

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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 4 am: 27. Mai 2016, 14:38 Uhr »
Heute noch was zur "Praxis":
(ist das nicht schön, als würde sie tanzen)

Piggilotta

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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 5 am: 27. Mai 2016, 14:43 Uhr »
Ich geb das Gras schon immer "senkrecht", weil, wächst ja auf der Wiese auch so.
So setzten sie sich nicht drauf und es hält länger.
(Vorrat lager ich auch senkrecht, dann gibt es keine untere Lage, die anfangen könnte zu gären).

(Das sind Riesengänseblumen, 20cm!)

Piggilotta

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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 6 am: 27. Mai 2016, 15:33 Uhr »
Und jetzt noch was zur Theorie:

Auf der Arbeit (als Ergotherapeutin) muss ich immer mal erklären, wie man denn durch "Basteln" gesund werden könne; irgendwann kam ich dann auf den Vergleich:
Wenn Kinder spielen, stellt auch keiner Infrage, dass sie dadurch fürs "Leben lernen".

Wenn also nach Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten fürs Schwein gesucht wird, fängt man bei deren natürlichen Gewohnheiten an:
Futtersuche, Rangordnung klären, Vermehrung (aber Nestbau betreiben sie ja nicht...), Flucht bzw. Wache halten, so Sachen.
Insofern sind Tunnel mit noch mehr als 2 Ausgängen ja auch seehr interessant, Rumkurven, auch auf "Vorrat", kommt immer gut an.
Da merkt man auch schön, das beim Spiel oft "mehrere Fliegen mit einer Klappe" erledigt werden:
Rumkurven ist beim brommseln, (bebrommselt werden), beim Flüchten vor Feinden und bei Rang-rangeleien von Nutzen, vielleicht findet man ja auch so den Superhalm...
A propos Superhalm: eigentlich hatte ich Halme nur deshalb auf den Ast über dem Lieblingsfressplatz gelegt weil so viel da war und ich es antrocknen lassen wollte. Es gab aber einen "Kirschen im Nachbargarten sind immer leckerer"-Effekt: sie waren als erste weg, dieselbe Sorte woanders wurde verschmäht.
"Sich was erarbeiten" ist auch immer ne super Beschäftigung, deren Verhältniss zu "Arbeit" ist ja nicht so negativ belegt wie bei uns Menschen.

Noch was zur Rennstrecke:
Als ich noch das kleinere Gehege hatte ("nur" 200 mal 140cm, 2 Tiere, 4 Monate alt), liefen sie Abends wie die Blöden geradeaus. Hin- und zurück und nochmal und nochmal.
Nach dem Umbau (280 mal 200) liefen sie Kurven.
Als wollten sie mögliche Fluchtwege beüben haben sie alle möglichen Kombinationen und Strecken ausprobiert.
Das hat mir dann doch zu denken gegeben; als hätten sie sich vorher nur "abreagiert", bzw. mit den graden Strecken reale Flucht "inszeniert".
Bei mehr Platz ist es Training der Versteckmöglichkeiten, "in Sicherheit sein".
(Bei den Babies, die ja von Anfang an den großen Stall hatten, hab ich dieses "Bahnen laufen" nie gesehen...)

P.S.: "Piggilotta Mindestmaße": 3 Schweine, besser über 5; und ab 6qm Platz (nee, nicht pro Schwein, aber wie "Modelleisenbahn", mindestens.)

Tiefseetaucher

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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 7 am: 27. Mai 2016, 16:25 Uhr »
Zum Thema Rennstrecke: das hab ich bei Ljuba auch beobachtet. Sie rannte im kleineren Gehege abends oft nochmal hin und her, ich bin sicher, dass sie damit Energie abgebaut hat. Katzenhalter kennen sicher die "5 Minuten" ihrer Tiere, wenn sie wie irre durch die Gegend rennen. So kam mir das vor.
Wenn die Ferkel das ganze Wohnzimmer haben oder jetzt mehr Platz, läuft sie auch viel, aber überall herum und die anderen mit.
"Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag."

[Anton Pawlovic Cechov]

Murx Pickwick

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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 8 am: 27. Mai 2016, 17:00 Uhr »
Wenn ich das Gehege der Männermeerschweinchen/Kaninchen versetzt hatte, waren die Meerschweinchen tatsächlich erstmal am Erkunden - und dann am Rennen ... wobei die Renneritis fast immer unter Unterständen endete, dann wurde ein neuer Ort ausgesucht, von dem aus wieder gerannt wurde.
Da das ein typisches Verhalten ist, was ich so oder ähnlich auch bei Chinchillas, Ratten, Rennmäusen etc beobachten konnte, geh ich fest von aus, das ist ein Ausprobieren der Fluchtwege ...

Die Weibermeerschweinchen dagegen hatten so viel Platz wie sie wollten und fast nie Kaninchen in Reichweite ... sie hatten regelrechte Fluchtpfade und Fluchttunnel in den Brombeerbüschen angelegt, die sie akribisch gewartet und freigehalten hatten.
Diese Renneritis hatte ich bei ihnen nie beobachtet ...

Gerade die Weiber waren zudem recht ruhig ... und machte sich die Arbeit einfacher. Waren die Halme zu lang, wurden sie direkt am Boden abgeknipst und die umgelegten Halme aufgefressen - so hatten sie mir mein kleines Maisfeld zerlegt, noch bevor der Mais Kolben schieben konnte (das waren immerhin 12 Pflanzen! Schon über einen Meter hoch! Nur ein Nachmittag unerlaubt und unbeobachtet im Gehege des Maises und der Mais verschwand vollständig in den Meerschweinmägen, als hätte es den nie gegeben ... ). Gestreckt und gereckt wurde sich gar nicht (außer, wenn die Fluchttunnel von oben zuwuchsen, wie gesagt, die wurden akribisch instand gehalten), dafür aber der Kopf zum Abknabbern dicker Stengel und Halme schräg gelegt.
Mein Moschuskürbis ließen sie erst freundlicherweise wachsen - bis der erste Kürbis fast reif war, der wurde von unten angefressen - und dann so halb liegengelassen, daß er anfing zu schimmeln. (Und ich war sauer!)
Das Schräglegen des Kopfes konnte ich bei der Männertruppe dagegen so gut wie nie beobachten, dafür hatten die sich wiederum viel gestreckt, insbesondere, wenn sie irgendwelches Laub abknabbern wollten. Und die Männer sprangen viel, kletterten und schoben ihren Kopf unter die Absperrgitter, hoben diese hoch (das war ordentliches Gewicht! 1m Dachlatten im Viereck mit Gitter bezogen!) und krochen drunter durch aus dem Gehege raus oder ins Gehege rein, nach Belieben, wenn ich die Gitter nicht entsprechend mit Steinen so gesichert hatte, daß eben keine vorwitzige Meerschweinnase drunterpaßte.
Kürbisse wurden grundsätzlich von den Herren der Schöpfung bestiegen und von oben gekillt - und die Kaninchen, die dabei störten, kurzerhand vertrieben. Ich hab zwar auch ein Bild, wo die Schweinerei und die Langohren dekorativ um einen Gartenkürbis drumrum angeordnet waren, aber dieses Bild war dann doch eher die Ausnahme ... bzw hielt nie sehr lange, dann wurden die Kaninchen vertrieben und die Schweine eroberten den Kürbis ...

Überhaupt mußten meine armen Langohren sehr unter der männlichen Schweinerei leiden ... vor allem die Meerschweinchen, die lange Zeit allein mit einem Langohr in einem Kaufkäfig verbringen mußten, waren alles andere wie nett zu meinen Langohren! Ich bin mir immer noch sicher, die haben sich einfach an meinen Kaninchen gerächt für die Haltung zuvor ... als wenn meine Kaninchen was dafür gekonnt hätten!

Hugomero

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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 9 am: 28. Mai 2016, 21:31 Uhr »
Wie " vollgepackt " sind eigentlich eure Gehege ? Manchmal seh ich Bilder, wo ein Haus am nächsten steht...und die schweins eigentlich kaum gradeaus Gas geben können...ist das gut oder schlecht ? Ich hab schon Unterstände, aber mehr am Rand , damit eine schöne Rennstrecke entsteht

Muss auch sagen, daß meine Schweinchen am liebsten " offen" im Gehege liegen, auch wenn genug Höhlen und Häuschen für jeden da sind
Susi mit Yuki, Enya ,Rosie, Frou–Frou ,Abby und Berly

Piggilotta

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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 10 am: 29. Mai 2016, 12:29 Uhr »
Hallo Hugomero, das ist ja witzig, ich hab aus dem gleichen Grund meine "Hütten" in der Mitte:
damit sie an den Längsseiten Gas geben können.
Die "weichen Rennstrecken" sind an den schmalen Seiten.
Hier sind Bilder
Kommt aber ja auch drauf an, wie die Gliederung insgesamt ist, vom Gehege
und auch wieviele Ausgänge die Hütten oder Unterstände haben.

@ Alle: ja, wie macht ihr das, dass die "in die Gänge kommen"?

@ Murx, versteh ich dich richtig, Männlein strecken sich mehr, Weiber legen den Kopf öfter schief??
Ist mir so noch nicht aufgefallen, werd ich mal drauf achten.

Dass sich deren Gang unterscheidet ist mir aufgefallen, aber da hab ich zuwenig Vergleich;
ich denk auch, dass sich die Bewegungsmuster ausgewachsener Tiere von denen der  Kleinen unterscheiden.

Und, ähm, als meine beiden Großen klein waren, dachte ich ja noch, es seien Böckchen.
Und alles, was ich sah, hat dies erstmal bestätigt. Kann man mal sehen...
Hadili hat sich ganz dolle gestreckt und auf dem "Tänzerin" Bild ist Bärbel, aber halt als Jungspunde.

Und die Sachen mit den Kampfschweinen ist ja spannend -Ninchen sind doch viel größer!
Als ich Kind war hatte ich einen Nachmittag lang mal nen Hamster (von einer Klassenkameradin die ihn nicht behalten durfte).
Ich hab dann meinem Meerschwein gesagt, es solle bitte lieb zu dem Kleinen sein, hab sie zusammen gesetzt -und prompt hing der Hamster am Hals des Schweins fest und ich war entsetzt. (Meine Finni auch).
Hab mein Schwein dann befreit und den Kampfhamster zurückgegeben.



Murx Pickwick

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Antwort: Bewegung ist gesund
« Antwort 11 am: 29. Mai 2016, 18:44 Uhr »
Das war bei mir so ... allerdings hatte die Weibergruppe ganz, ganz andere Bedingungen, wie die Männergruppe. Daraus zu schließen, daß es tatsächlich was mit dem Geschlecht zu tun hat, ist zwar legitim, allerdings kann es auch alles mögliche andere genauso gewesen sein, was diese Unterschiede zustande kommen ließ.

Schon allein die Versteckmöglichkeiten waren bei den Kerlen meistens sehr eingeschränkt, sie mußten bei abgegraster Weide mit deckungsloser Landschaft und ein paar Häusern und Steinaufbauten vorlieb nehmen. Äste wurden in dem Sinne nicht als Deckung genutzt, eher als störende Landschaftsgestaltung, wenn schwein mal wieder irgendwas oder irgendwen anderes verfolgte.
Die Weiber dagegen hatten von ihrem Nachtstall aus nur zwei Meter zu laufen, um zur nächsten Deckung zu kommen - von da an waren sie geschützt, egal wohin sie wollten. Sie waren nur selten überhaupt in freiem Feld sichtbar ... dazu kam, sie hatten auf zwei Ebenen nahezu unendlich viel Platz, die Männer waren in ihrem Platz eingeschränkt.
Noch ein großer Unterschied ist die Anwesenheit der Kaninchen bei den Kerlen gewesen - sie hatten das Verhalten der Meerschweinchen sehr stark beeinflußt, galt es doch, diese Langohren für sich nutzbar zu machen ... wenn schwein sich schon mit denen rumplagen mußte.
Der Nachtstall war ein weiterer Unterschied - die Kaninchen-Kerlemeerschweinchengruppe hatte keinen Nachtstall, die waren auf der freien Weidefläche und mußten zusehen, wo sie ein sicheres Schlafplätzchen fanden. (die hätten die versetzbaren, mit Heu und Stroh gefüllten Häuschen annehmen können - aber irgendwie mochten die weder die Schweine, noch die Ninchen)

Im Gegensatz zu Meerschweinchen sind Kaninchen sehr auf sich bezogen ... Kaninchen betrachten in der Regel Meerschweinchen als lästiges Beiwerk auf der Weide, so wie unsereins Mücken ansieht, und haben kein Interesse daran, sich gegen Meerschweinchen zur Wehr zu setzen. Wird die Schweinerei zu nervig, gibt der Klügere (die Kanin) nach ... nur so funktioniert es auf der Weide. Hätte ich auch nur ein einziges Kaninchen bei gehabt, was kontra gegeben hätt, hätts vermutlich schwerverletzte Meerschweinchen gegeben.
Ganz anders die Situation, wenn ausgewachsene Kaninchen sich ernsthaft in die Wolle bekamen - im Frühjahr zu den Frühjahrskämpfen hatte ich die Schweinerei zeitweise für ein paar Tage weggesperrt, einfach weil die ansonsten einfach über den Haufen gerannt worden wären, während die Häsinnen die diesjährige Rangordnung auskämpften.
Wo allerdings die gesamte Weidegemeinschaft plötzlich artübergreifend sich verständigt hatte, das waren in Gefahrensituationen! Da hatten sogar die Amseln mit ihrem Gezeter die Kanin und die Meerschweinchen in Alarmbereitschaft gesetzt, die Warnpfiffe der Meerschweinchen wurden korrekt von den Kaninchen verstanden und die Kaninchen reagierten selbst dann auf diese Alarmpfiffe richtig (Deckung aufsuchen bei Luftfeind, Phalanx bilden bei Marder und Katze etc), wenn die Kerle nicht bei ihnen im Gehege waren. Die Meerschweinchen wiederum reagierten auf das Warnklopfen der Kaninchen (auch die Weibermeerschweinchen, welche die Kanin nicht sahen) - und lernten sogar, den deutschen Widder Felix rauszuhören (oder vermutlich eher herauszuspüren, Meerschweinchen können mit ihren Füßen erstaunlich gut Bodenschwingungen fühlen und auswerten), der hatte nämlich ständig geklopft, das hatte nix zu sagen ... da reagierte kein Schwein drauf - aber auch keine Amsel, keine Meise etc.
Das war teilweise ein echtes Weitergeben von Alarmsignalen von Art zu Art, bis wirklich alles, was auf der Weide kreuchte und fleuchte, in Alarmbereitschaft war.

Von den Meerschweinchen aus war es einfach nur die Erfahrung, daß man Kaninchen von den Weideressourcen vertreiben kann - und wie das geht, brachte sich die gesamte Kerlegruppe gegenseitig bei.
Mal wurde ein Kaninchen, was gerade eine Möhre fraß, in die Zange genommen und zwei Meerschweinchen drückten von den Enden der Möhre nach innen zum Kaninchen und drängelten so das Kaninchen regelrecht von der Möhre weg, mal war es das ganz normale Drohen und Kopfschlagen gegen Kaninchen, was man auch bei den Meerschweinchen an der Futterstelle gegeneinander sieht, mal war es einfach nur drängeln - bis die Kaninchen begriffen, daß sie dort nicht zu sitzen hatten.
Manchmal sah man dann die Meerschweinchen hinter den Kaninchen herrennen - naja, rennen nicht gerade, dieser typische Drohschweinetrab - Nacken gestreckt, Nase erhoben, Unterkieferboden nach unten durchgewölbt ... sah irgendwie komisch aus, zumal die Kaninchen jetzt nicht gerade Zwerge waren, sondern von Schlachtkaninmix bis deutscher Widder alles auf der Weide vertreten war :D
Nur Mr. Prißkowitz, der Kleinste und Älteste der Langohren (gerade mal 900g, selbst für ein Zwergkaninchen ein echter Zwerg!), hatte die Schweinzerls schlichtweg nicht beachtet und sich nicht ärgern lassen - er wurde irgendwann auch nicht mehr vertrieben oder geärgert, die Schweinerei beachtete  ihn einfach nicht. Najagut - das war ja auch ein ziemlich alter Recke mit Narben überall, nur noch der Hälfte der Zehen etc., der hatte sich sein Leben lang durchs Leben kämpfen müssen im wahrsten Sinne des Wortes. Wer weiß, mit wievielen Rammlern er bei meinen Vorbesitzern in eine Bucht gesetzt wurde oder was er sonst noch so alles erlebte ... der hätt Romane schreiben können!