Autor Thema: Heu, Wasser und Gurke  (Gelesen 7005 mal)

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Meeriemama

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Heu, Wasser und Gurke
« am: 02. Dezember 2014, 12:55 Uhr »
In einem anderen Forum füttert Jemand auf Anraten seines TA auf diese Weise, da die Tiere zu Aufgasungen neigen und angeblich nichts anderes mehr vertragen. Da es nun so prima klappt, soll diese Ernährung dauerhaft so fortgesetzt werden.
Ich bin einfach entsetzt, aber nicht bewandert genug, um ihr kompetent zu erklären, wie sie den Darm ihrer Schweinchen wieder fit macht, um normale Kost zu verdauen.
Vielleicht könnte Murx Pickwick oder Jemand anderes mit Erfahrung mir mal ein paar Stichpunkte an die Hand geben, wie man da systematisch eine Darmsanierung vornehmen könnte?
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast (A. de Saint-Exupery)

Murx Pickwick

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Antwort: Heu, Wasser und Gurke
« Antwort 1 am: 02. Dezember 2014, 14:20 Uhr »
Ich bin für ein generelles Verbot für TÄ, Ernährungsberatungen für Tiere durchzuführen!  :wall:

Die Reihenfolge ist eigentlich immer gleich:
1. Viel frischgeschnittenes Gehölz, momentan bietet sich Nadelgehölz an, auch wenn es nicht so gern gefressen wird. Dazu ein Efeublatt pro Tier und wenns gefressen wird, pro Tag.
2. Aufstockung der Gemüse/Obst-Fraktion (alles frisch!) mit Mangold, Chicoree, Fenchel, Möhrengrün, rote Beete Grün (das heißt, wenn der nicht gerade als Superspezialität verkauft wird - vergolden braucht man das Futter nu nicht), Feldsalat, Lauch, Zwiebelgrün (nicht die Zwiebel selbst, die bläht!), Knoblauchgrün, Frühlingszwiebeln, Löwenzahn, Korianderkraut, Basilikum, Zitronengras, Cypergras, Getreidegrün, Kallisie, Radicchio, usw usf, nur Gartensalate (Insbesondere Kopfsalat) sollten erstmal weggelassen werden
3. Eine Mischung aus verschiedenen Gewürzsamen: Fenchel, Kümmel, Schwarzkümmel, Kreuzkümmel, Anis, Ajowan, Wacholderbeeren, Gewürznelken etc ... es wird nicht viel von gefressen, aber jedes Körnchen wirkt wahre Wunder im Darm.
4. Da vermutlich schon länger mangelernährt wird, eine Mischung aus Leinsaat, Leindotter, Mariendistelsaat und Sesam oder ähnlichem
5. Sie soll rumfragen oder auskundschaften, woher sie Bambus bekommt - es gibt nix Besseres wie frischen Bambus!
6. Apfel für den Aufbau der Blinddarmgemeinschaft.
7. Möglichst viel Wiese und Wegrand.
Das muß alles nicht angefüttert werden - das kann (und sollte) sofort in beliebiger Menge angeboten werden! Auch soll sie das alles keinesfalls kleinschneiden, sondern so im Stück alles reinwerfen - so können die Meerschweinchen nicht so schlingen und es gibt keine Magenaufgasung.

Sobald kein Durchfall mehr da ist, kann sie anfangen mit Chinakohl und Kohlrabiblättern und so langsam weitere Kohlsorten anfüttern - gerade im Winter ohne Wiese und Wegrand ist das wichtig. Dann kann auch langsam die Beikost aufgestockt werden, also Wurzelgemüse, Knollengemüse, Fruchtgemüse (Gurke ist Fruchtgemüse!) und Obst.

Geht der Wiesenheukonsum zurück, ist sie auf dem richtigen Weg ...

So eine Umstellung kann man innerhalb einer Woche bewerkstelligen, mit Kohl innerhalb eines Monats, damit sie so ein wenig ne Vorstellung hat, wie schnell sie vorgehen muß. Ein zulangsames und zu vorsichtiges Umstellen ist schädlicher, wie ein zu schnelles Vorgehen (außer bei Kohl, Klee und Spinat, da die blähen, die müssen langsam angefüttert werden)

Saubergschweinchen

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Antwort: Heu, Wasser und Gurke
« Antwort 2 am: 02. Dezember 2014, 14:58 Uhr »
Ich finde es einfach nur schlimm was manche Leute auf Expertenrat hin ihren Tieren antun. Ich glaube aber das eine Auflistung wie Murx sie gerade gemacht hat in so einem Fall nicht helfen wird. Denn solche Leute haben schließlich einen Profi an der Hand der ihnen und ihrem Tier vor Ort "hilft". Ratschläge aus Foren, besonders von Menschen die öffentlich zugeben ihren Tieren "giftige" Nahrung zu verabreichen stoßen da auf taube Ohren.

Man kann nur appelieren das eine solche Mangelernährung auf dauer krank macht und das Tier wahrscheinlich umbringt. Aber auch dann wird so jemand wohl eher mit künstlichen Vitamintropfen vom TA gegensteuern wollen als sich wirklich mit artgerechter Fütterung zu beschäftigen.
Ich würde mal fragen ob sie wirklich glaubt das man von Knäckebrot, Gurke und Wasser wirklich dauerhaft überleben kann.
Ich verweise bei solch festgefahrenen gern auf Andreas Rühles "Kaninchen würden Wiese kaufen" da ist mehr als anschaulich beschrieben warum Heu keine Wiese ist und warum Gemüse kein Ersatz sein kann. Solche Leute lassen sich in der Regel nicht belehren sondern müssen eigene Erfahrungen sammeln.  :traurig:

Katharina

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Antwort: Heu, Wasser und Gurke
« Antwort 3 am: 02. Dezember 2014, 15:16 Uhr »
....da die Tiere zu Aufgasungen neigen und angeblich nichts anderes mehr vertragen.

Da ich ich nicht annehme, dass alle Tiere in dieser Gruppe krank sind, zumindest noch nicht... (wieviele Tiere sind es denn?) kommt die "Neigung zu Aufgasungen" vermutlich von unzureichender Ernährung oder einer zu rapiden Futterumstellung für schlecht ernährte Tiere?

:frage: Oder was wird als Ursache für die Aufgasungen der Tiere genannt?
Liebe Grüße
Katharina :ms2:

Vio

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Antwort: Heu, Wasser und Gurke
« Antwort 4 am: 02. Dezember 2014, 16:09 Uhr »
Einfach nur traurig, da fehlen einem die Worte  :traurig: Arme Schweinies...
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Meeriemama

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Antwort: Heu, Wasser und Gurke
« Antwort 5 am: 02. Dezember 2014, 16:54 Uhr »
Das Mädel will mit Sicherheit das Beste für seine Schweinchen und hat wirklich Angst.
Ich hab ihr den Futterplan von Murx Pickwick jetzt per PN geschickt und hoffe, sie setzt ihn auch um.
Hört sich ja wirklich brandgefährlich an und ich habe keine Lust auf einen Shitstorm von Seiten bestimmter Leute da.
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Murx Pickwick

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Antwort: Heu, Wasser und Gurke
« Antwort 6 am: 02. Dezember 2014, 18:00 Uhr »
Das Problem ist einfach diese Angst, etwas falsch zu machen - wenn nicht genügend frische Zweige und Blättriges gefüttert wird, dann fangen die Schweinchen an wie blöd zu schlingen - und bekommen dann Magenaufgasungen.

Ich hab mich lange Zeit gewundert, weshalb das nur bei Leuten passierte, welche sich in Foren rumtrieben, vom Tierschutz beraten wurden oder ähnliches ... bis ich dahinter kam, daß sie sich schlichtweg nicht trauten, einfach alles zu den Schweinchen reinzuschmeißen. Leute, die nie etwas über Meerschweinchen erfahren haben oder höchstens einen dieser lächerlichen Ratgeber ins Bücherregal gestellt hatten, hatten einfach alles, was sich davon praktikabel besorgen ließ, zu den Meerschweinchen gepackt - oder hatten mich gefragt, wie sie das ganze Zeugs in den Käfig bekommen sollten, weil sie es für unpraktikabel hielten, den Meerschweinchen mehr wie nur nen 1m langen riesengroßen Kaufkäfig zu gönnen ... und ihr müßt zugeben, es ist schwierig, da nen ganzen Mangold drin zu verstauen ... keinem dieser unbeleckten Halter ist es passiert, daß die Meerschweinchen Magenaufgasungen oder gar Blähungen bekamen!
Gemeinerweise nicht mal dem Herrn, der so ignorant war, trotz meiner schriftlichen Anleitung gleich seinen Wirsing aus dem Garten zu den Meerschweinchen zu schmeißen ... bei mir ging sowas nämlich fast ein Jahrzehnt zuvor gründlich schief, ich hätte fast ein Meerschwein mit Kohl umgebracht, weil es den zu früh und ohne Anfüttern bekam.

Noodlz

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Antwort: Heu, Wasser und Gurke
« Antwort 7 am: 02. Dezember 2014, 18:38 Uhr »
Also Aufgasungen kenne ich auch nicht, obwohl - oder vermutlich gerade weil - ich immer ziemlich nassforsch gefüttert habe, was die Natur so anbietet. Aber eben ad lib. Die Selektion lag in der Verantwortung der Schweinchen und Karniggels, die das eh besser können als ich  :g:

Erst in den letzten Jahren, mit Foren etc. habe ich mich auf einmal verunsichern lassen. Diese Horrorszenarien, die da entworfen werden, sind ja auch nicht zu verachten. Da denkt man dann rückblickend "wie konntest du nur, gut, dass alles gutgegangen ist".

So langsam traue ich mich wieder zu meinen Wurzeln zurück, nicht zuletzt, weil du das mehr oder weniger bestätigst, was ich - nein, nicht schon immer wusste, aber  - schon immer praktiziert habe.

Einen ersten Erfolg gibt es auch: Mein Minikleinleichtgewichtschwein (3 Jahre), dass trotz Unmengen der gängigen "Energiespender" nicht über 660 g rauskam, wog heute "stattliche" 730 g. Nur mit deutlich erweiterter Wiese, Blättern, Zweigen, Bambus, ziemlich viel Kohl (Grünkohl, Zuckerhut, Wirsing) und fast nichts gekauftem. Freu mich wie Bolle  :freu:

Murx Pickwick

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Antwort: Heu, Wasser und Gurke
« Antwort 8 am: 02. Dezember 2014, 18:51 Uhr »
Das Gewicht stieg relativ schnell? - Da fehlte das Wasser, das Meerschweinchen war ziemlich ausgetrocknet!
Wenn das Gewicht aufgrund von Muskelaufbau steigt, braucht es sehr lange, oft monatelang, bis die Meerschweinchen mehr Gewicht draufhaben - Gewicht durch Wasser und Gewicht durch Muskeln sind die einzigen beiden gesunden Zuhnamemodi, das Gewicht über Fett ist bei Meerschweinchen eigentlich nur im Winter gesund ... einfach weil sie sich dann isolierendes Unterhautfett für die kalte Jahreszeit anfuttern. Das verlieren sie dann meist wieder im Frühjahr (ist allerdings auch eine sehr schnelle Zunahmemethode)

Noodlz

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Antwort: Heu, Wasser und Gurke
« Antwort 9 am: 02. Dezember 2014, 19:55 Uhr »
Ausgetrocknet kann nicht sein. Die bekommen seit jeher alles nass. Das habe ich mir nie nehmen lassen.

Ich vermute eher, dass durch die verstärkte Zufütterung von Zweigen, Blättern und Erweiterung der Wiese irgendwas ins Gleichgewicht gebracht wurde, wo vorher ein Ungleichgewicht war.

Das wird super hier im Winter, wenn wir monatelang eine geschlossene Schneedecke von 1 m haben, aber da bleibe ich jetzt dran.

Murx Pickwick

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Antwort: Heu, Wasser und Gurke
« Antwort 10 am: 02. Dezember 2014, 20:12 Uhr »
Oder es ist Winterspeck - der geht dann allerdings im Frühjahr wieder weg ...
Ich bin gespannt!