Autor Thema: Fütterung in Südamerika  (Gelesen 3152 mal)

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Murx Pickwick

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Fütterung in Südamerika
« am: 28. September 2016, 18:12 Uhr »
Ich hab endlich was Brauchbares gefunden, was die Fütterung von Meerschweinchen in Peru und den Anden angeht ... und ich hab den Nachweis der ersten Giftpflanze, die tatsächlich verfüttert wird!  :pfeif:

Die Beobachtung zeigt den Ist-Zustand, nicht die traditionelle Fütterung vor Einfuhr der Spanier. Da hat sich sehr viel geändert - gestaunt hab ich selbst über die doch sehr stärkehaltige Kost, welche in der heutigen Zeit verfüttert wird ... und das nicht nur in Form von Pellets, sondern in Form von Frischkost.

Angegeben werden Luzerne (Medicago sativa), Küchenabfälle einschließlich Kartoffelschalen, weiterhin Karrotten, Gras (wohlgemerkt GRAS, kein HEU!  :P), frische Maiskolben und Getreide. Es ist auch ein SW-Photo bei, wo man einen Raum in Salasaca, Ecuador sieht, welches als Küche und Bettraum verwendet wird - mit Meerschweinchen freilebend auf dem Boden, die gerade Kohlblätter futtern!
Für die Bananenplantagenregionen werden auch reife Bananen als Futter angegeben.
Für mich ist diese Kost erstaunlich Stärke- und Zuckerreich ... hätt ich so nicht erwartet.

Aber nicht nur böser Kohl und giftige Kartoffelschalen werden verfüttert, sondern es geht noch viel, viel giftiger!
Der Binsenginster (Spartium junceus) ist in Südamerika eingeführt worden und die indigenen Aymara- und Quechuavölker haben den für sich entdeckt - und verfüttern den unter anderem in der Trockenzeit an ihre Meerschweinchen als Hauptfutter!
In der deutschen Wiki wird der (etwas übertrieben) als in allen Teilen stark giftig angegeben, die Symptome sollen Atemnot, Nierenschäden und Erbrechen sein - wohl bekommts! :D
Ok, ganz so giftig ist das Pflänzchen nicht, der Frohne und Pfänder Giftpflanzen hält die Ginster sogar für relativ ungefährlich, solange sie Pflanze bleiben und gefuttert werden und nicht die Blüten, wie früher üblich, zu wilden Heiltinkturen verarbeitet werden. Aber auch hier bleibt es dabei, Binsenginster ist reichlich ausgestattet mit etlichen hochwirksamen Wirkstoffen, die durchaus isoliert in der Lage sind, Menschen zuverlässig friedhofsreif zu bekommen.
Die Meerschweinchen werden dort dennoch im Schnitt drei Jahre alt, trotzdem ein Großteil von ihnen im Kochpott landet, bevor sie alt werden (und trotz des Verfütterns des Binsenginsters), einige Tiere werden bis zu neun Jahre alt.

Edmundo Morales (1995): The Guinea Pig Healing, Food, and Ritual in the Andes. The University of Arizona Press, S. 8 - 9. (Übrigens sehr empfehlenswert, wenn man wissen will, wie heutzutage Meerschweinchen in Südamerika gehalten werden)

Ergänzend:
Frohne und Pfänder, Giftpflanzen in der 5. Auflage und Wikipedia mit den englischen und deutschen Lemmata über Binsenginster.