Autor Thema: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen  (Gelesen 64409 mal)

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Tiefseetaucher

  • Dino
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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 90 am: 06. September 2017, 11:29 Uhr »
Ich muss leider kurz einen OT-Kommentar einfügen: mir von Murx "meine" Wiesen hier erklären zu lassen wäre so großartig! Das denk ich mir so oft, wenn ich unschlüssig vor einer Pflanze stehe und überlege, ob ich sie mitnehmen soll.
Aber dank deiner tollen Beiträge weiß ich immerhin schon, dass hier noch ganz viel wächst, was für die Schweine gut ist und ich richtig Glück habe - glaub ich.  :g:
Ich bin nicht sicher, wie sich diese Wiesen nennen, aber Simsen und Bimsen zBsp habe ich hier soweit das Auge reicht. Auch ganz viel Schilf usw, ich muss das mal fotografieren. Nach Regen stapfe ich richtig knöcheltief im Wasser auf den Wiesen.
"Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag."

[Anton Pawlovic Cechov]

Vika

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 91 am: 07. September 2017, 14:01 Uhr »
Ok, dann fange ich morgen an die Sachen anzufüttern. Ich als erstes versuche ich es mit Pak Choi, denn vor einer Woche habe ich damit gekocht und meinen Meeris etwas davon gegeben und es schien ihnen zu bekommen. :)

Ich habe gerade nach Senfsamen geschaut und bin mir unschlüssig welche dafür am Besten geeignet sind, gelbe, braun-schwarze oder schwarze? Gibt es da einen Unterschied von der Schärfe?

Mal schauen ob ich so eine schöne feuchte Stelle finde. Wie oft sollte man mindestens so eine gute Mischung pro Woche anbieten? Meistens sind die Stellen voneinander weiter entfernt und das Pflücken dauert dementsprechend länger.

Ja, in meiner Gegend ist alles voller gedüngten Anbauflächen (meistens für Mais). In der Pflanzengruppe bei Facebook lese ich oft, dass man im Dorf besser Pflücken kann, bisher merke ich aber nichts davon. Die paar Wiesen wo auch Anderes wächst abgesehen von Brennesseln und Löwenzahn sind Baugrundstücke. Warum diese so oft gemäht werden ist mir ein Rätsel, denn das sollte doch niemanden stören.
Weges- und Waldesrand? Ist es denn Schlimm wenn da Hundepipi drauf ist? Wir haben hier ein kleines Wäldchen, ich traue mich da aber nicht zu Pflücken weil das direkt vor einer Hundepension ist und die dort mit den Hunden immer spazieren gehen.
Vielleicht muss ich mal da schauen wo ich dachte "dort wächst sowieso nichts", am Ende sind das die Goldstücke und ich verpeile es. :D

Murx Pickwick

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 92 am: 07. September 2017, 16:59 Uhr »
Kohl (oder Senf) sollten sie gerade, wenn sie daran gewöhnt werden, täglich im Angebot haben ... wenn sie es vertragen, gleich den nächsten Tag ein wenig mehr (zumindest optimalerweise). Gerade bei einem total kaputtem Darm ist es notwendig, das möglichst schnell die Blinddarmgemeinschaft sich an den eiweißreichen Kohl gewöhnt und das Immunsystem nen täglichen Reiz bekommt, damit es wieder anfängt, vernünftig zu arbeiten.
Ohne gut arbeitendes Immunsystem kann der Darm nicht heilen ...

Was die Gesundheitswiesenmischungen angeht - da heißt es, so oft wie möglich, aber es muß praktikabel bleiben. Wenn du zwischen Hund, Kind, Küche, Arbeit und dann noch Pflücken hin und hergerissen bist und irgendwann spät abends, müde von der Arbeit, im Dunkeln pflückst, dann vor Sonnenaufgang aufstehst, damit deine Gören noch was zu futtern bekommen, diese schnell im Kindergarten oder sonstwo ablieferst, den Hund ums Eck bringst, arbeiten gehst bis spät in die Nacht und wieder pflückst, bist du schnell am Ende ... das schafft niemand!
Natürlich sollte optimalerweise täglich ne gute Wiesenmischung, bestehend aus Futterpflanzen (Gräser, Löwenzahn, Giersch, Wicken, Winden z. B.) und Gesundheitspflanzen (Wiesenbärenklau, Schafgarbe, Wegwarte, Nelkenwurz, Mädesüß z. B.), in der Schweinerei landen - aber, wenn es nicht geht, geht es nicht ... da wirst du wohl das Pflücken stark abstimmen müssen mit deiner Zeit, deinen Pflichten etc.
Kurzum - soviel und so häufig wie möglich ... aber wenn du vor die Hunde gehst, ist es zuviel, dann lieber nen Tag nicht sammeln oder häufiger leicht erreichbare Sammelstellen abklappern, auch wenn da weniger Pflanzenarten wachsen.
Eventuell kannst du allerdings andere dafür begeistern, daß die ihr Jätgut ab und an bei dir vor die Tür legen (klappt momentan sehr gut bei mir mit der Mutter meiner Vermieterin, wenn sie den Hof jätet, packt sie mir das Jätgut direkt vor die Tür und die Chins haben wieder was zu spachteln :D) oder du kannst ein paar Kiddies dazu begeistern, für dich zu pflücken. Hatte immer mal ein paar Gören, die mit mir mitzogen und tapfer Wiese rupften. Ist manchmal erstaunlich, wie lange solch kleine Kiddies beim Sammeln durchhalten (allerdings muß man dann im Herbst ein wenig aufpassen, sonst bringen sie ganze Blumensträuße bestehend aus Herbstzeitlose, hatte ich auch schon und hab dann Kräuterunterricht gegeben, weshalb die hübschen Blümchen eben nicht in den Korb gehören) :D

Hundepipi ist nur eklig, aber weder giftig noch krankmachend. Du brauchst also keine Angst zu haben, daß du mit Pipi benetzten Wegrand pflückst und anbietest - die Meerschweinchen suchen sich da eh die nicht kontaminierten Pflanzen raus, die sind da sehr geschickt drin. Wenn du dich selbst zu sehr ekelst, kannst du für dich die Pflanzen auch kurz abbrausen, dann ist das Hundepipi auch weg. Kurz trockenschütteln und so tropfnaß ab zu den Schweinchen, paßt, auch beim Problemschweinchen. Manchmal frißt die Schweinerei es abgebraust sogar lieber.
Was du nicht tun solltest, ist gründliches Abwaschen, trockentupfen oder gar auf der Heizung trocknen lassen ... beim gründlichen Waschen und Trockentupfen werden die Zellen der Futterpflanzen zerstört, mit dem Trockentupfen wird zudem auch noch die Wachsschicht von den Blättern gewischt. Damit können sich Bakterien sehr schnell auf den Blättern und an den verletzten Stellen ansiedeln - und das wird deinen Blähschweinchen gar nicht gut bekommen!
Es reicht wirklich aus, kurz abbrausen, kurz trockenschütteln und dann so tropfnaß, wie es dann immer noch ist, zu den Schweinchen packen und dafür sorgen, daß das abgebrauste Pflückgut gut ausgebreitet daliegt und nicht in einem dichten Haufen, so daß viel Sauerstoff von allen Seiten an die Pflanzen kann. Dann passiert auch nix, wenn man Nasses verfüttert.
Merke: Alles, was beim Sammeln und Zubereiten zeitintensiv ist, ist ungesund für Meerschweinchen ... ;)

Die einzelnen Senfarten schmecken sehr unterschiedlich und haben eine sehr unterschiedliche Schärfe ... aber ich könnt nicht sagen, welche Art schärfer ist. Es sind einfach unterschiedliche Aromen.
Mußt du also ausprobieren, was deine Schweinchen für Senfarten mögen. Das ist eh immer sehr individuell.

Hast du nen Friedhof mit ungepflegtem Abteil in der Nähe?
Dann frag mal den Friedhofswärter, ob du dort sammeln darfst - sind oft die besten Pflückstellen überhaupt. (Das keine Anpflanzungen auf Gräbern abgerupft werden, versteht sich glaubs von selbst, auch dann nicht, wenn es sich um alte Gräber handelt)

Die "dort wächst sowieso nix"-Stellen sind oft, was Gesundheitspflanzen angeht, wahre Fundgruben! Man findet da manche Überraschung, angefangen vom Weidenröschen bis hin zum Ackerschachtelhalm.

Vika

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 93 am: 07. September 2017, 20:26 Uhr »
Bin schon ganz aufgeregt und hoffe dass die Eingewöhnung gut klappen wird. Sie werden sich im Verlauf aufjedenfall auf die Kohlrabiblätter freuen, denn das war schon immer ihr Lieblingsessen (bevor die Blähungen kamen).  :g:
Kann ich noch etwas machen damit es mit der Eingewöhnung besser klappt? Also zusätzlich zu der Wiesenmischung, Ästen und den Samen?

Wiesenbärenklau ist eine Gesundheitspflanze? Wird bzw. wurde (ist nun ja abgemäht) von meinen Meeris richtig viel gegessen.
Puh... so schlimm ist es mit der Zeit bei mir zum Glück (noch) nicht, habe weder Kinder noch weitere Haustiere. Leider muss ich zugeben, dass meine Meeris seit unserem Umzug in der Prioritätenliste etwas nach hinten gerückt sind. Jetzt möchte ich sie wieder bewusst wieder nach vorn in die Liste bringen.
Danke für die Anregungen, Kinder lassen sich hier im Dorf überall auftreiben. :g:

Eklig finde ich das nicht allzu sehr, habe mir nur Sorgen wegen meiner Meerschweinchen gemacht, aber wie es ausschaut geht mein nächster Trip wohl in das Wäldchen. Bei uns regnet es sowieso schon den ganzen Sommer und eig- müsste das meiste ja auch vom Regen abgespült werden.
Was das "sauber machen" angeht, geht bei mir nichts. Ich fahre Pflücken und komme mit den Baumwollbeuteln zurück und lege einen Teil ins Gehege (auch wenn der Beutel und das Gras vom Regen tropfen) und einen Teil stecke ich in einen Eimer der mit etwas Wasser gefüllt ist.

Kann man ihnen die Senfsamen/Körner denn auch in den Samentopf tun? Bringt das was?

Was heißt den "Friedhof mit ungepflegten Abteil"? Unser Friedhof ist sehr gut erhalten und gepflegt, vor 2 Jahren wurde dort auch eine neue Halle gebaut. Ich kann mir nicht vorstellen wo man bei einem Friedhof pflücken kann. :frage:

Murx Pickwick

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 94 am: 07. September 2017, 21:13 Uhr »
Es gibt Friedhöfe, die haben den aktuellen Bereich, wo die Gräber neu angelegt wurden und werden, einen alten Bereich mit sehr alten Gräbern und Bereiche, die noch nicht für Gräber genutzt werden. Diese Flächen, die noch nicht für Gräber genutzt werden, sind oft verwildert oder werden nur ein bis zweimal im Jahr gemäht.
Hier finden sich oft sehr gesunde Pflanzengesellschaften - ideal für Meerschweinchen.

Ich kannte lange Zeit nur diese Friedhöfe - bis ich mal mit Genehmigung des Friedhofswärters einen kleineren Dorffriedhof bepflücken wollte ... naja, da war alles aufgeräumt, nix mit verwilderten Teil und so also auch nix zum Pflücken.
War neu für mich - aber gut, man wird alt wie ne Kuh und lernt immer noch dazu.

Ähnlich siehts übrigens mit Rändern von Kindergärten, Schulen und Sportplätzen aus ... während einige Sportplätze wahre Paradiese darstellen, was den Pflanzenwuchs am Rand des Sportplatzes angeht, finden sich auf anderen Sportplätze die reinsten Kunst- und Giftrasen. Da muß man einfach selbst gucken, wo man was holen kann und wo besser nicht.

Wiesenbärenklau hat eine Doppelfunktion ... sie wird von Kaninchen und den meisten Meerschweinchen als echte Futterpflanze angenommen, ist aber auch eine echte Gesundheitspflanze. Kaninchen beispielsweise, die viel Bärenklau bekommen, bekommen deutlich weniger oft Encephalitozoonose bzw es hilft ihnen, wenn diese ausgebrochen ist. Es gibt noch mehr solcher Pflanzen, Wegwarte beispielsweise, sie wird von vielen Meerschweinchen als echte Futterpflanze angenommen, aber hat auch heilende Wirkung auf Darm und Leber.

Du kannst es versuchen, ob Senfkörner angenommen werden - die kannst du in den Gesundheitsnapf tun, wo ja eh aromatische Sämereien drin sind. Wenn sie die Körner nicht nehmen, kannst du es mit den Senfpflanzen probieren.
Zusätzlich könntest du auch, soweit dein Geldbeutel es zuläßt, frische Gewürzkräuter anbieten, also sowas wie Basilikum, Thymian, Pfefferminze, Schnittlauch etc ... entweder es wird gefressen, oder stehengelassen, damit kann man eigentlich nix falsch machen.

Vika

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 95 am: 07. September 2017, 21:54 Uhr »
Ich glaube noch nicht benutzte Grabstellen gibt es bei uns sogar ein paar, bin gespannt was ich da so finden werde, falls ich pflücken darf. Ich hoffe dort wächst viel Gutes denn de Friedhof ist nur eine Straße weiter. :D

Man... wenn ich das lese werde ich ganz neidisch. Man könnte meinen ein Dorf ist schön verwildert und vielseitig, aber nix da! Hier ist alles so "schön" gepflegt im Dorf und drum herum alles voll mit gedüngten Maisfeldern. :wall:

Küchenkräuter gibt es hier öfters mal, aber gegessen wird nur Petersilie, Basilikum und Dill, der Rest wird ignoriert.

Da ich noch weiter an mir arbeiten muss was das Pflücken ohne Sortieren angeht hätte ich noch eine Frage. Welche Pflanzen sind für Meerschweinchen wirklich gefährlich, also abgesehen von Herbstzeitlose? Es gibt doch bestimmt mehr die nicht gegessen werden dürfen?

Ephedra

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 96 am: 07. September 2017, 22:38 Uhr »
Das Einzige, was ich mir bei Giftpflanzen gemerkt hab: Eibe. Ansonsten pflücke ich jetzt immer die Wiese rauf und runter. Wenn ich was nicht kenne, nehme ich es trotzdem mit.  :peinlich:

Murx Pickwick

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 97 am: 08. September 2017, 10:24 Uhr »
Es gibt noch einige wenige Pflanzen, bei denen nicht ganz klar ist, ob sie überhaupt gefährlich für Meerschweinchen sind und wenn ja, wie gefährlich ...

- blauer Eisenhut (Aconitum napellus) und andere Eisenhüte:
Hab ich nun tatsächlich vor kurzem das erste Mal in meinem Leben in freier Wildbahn gesehen, ansonsten wird man sie fast nur in Gärten finden. Der blaue Eisenhut gilt bei vielen Autoren als die giftigste Pflanze in Mitteleuropa, es zeigt schon - sollte man sich nicht in Salat schnippeln, könnte schief gehen.
Kaninchen fressen das Zeugs und vergiften sich damit nicht - die ersten Berichte, wo Garten-Meerschweinchen die Blüten gefressen hatten und nicht mal Bauchgrimmen zeigten, liegen mir vor.
Grundsätzlich gilt allerdings, alleine schon aufgrund der Seltenheit der Pflanze in freier Wildbahn sollte man sie auf jeden Fall stehenlassen! Wer nen Garten hat, sollte lieber anderes füttern, aber er braucht seine blauen Eisenhüte auch nicht wegen freilaufender Meerschweinchen im Garten rausrupfen.

- heimische Nachtschattengewächse (schwarzer und bittersüßer Nachtschatten, schwarzes Bilsenkraut und weitere):
Gerade schwarzer und bittersüßer Nachtschatten wachsen oft zwischen Winden ... die Blattform der beiden Nachtschattenarten unterscheiden sich allerdings von den Blättern der Winden, spätestens die Blüten sind eindeutig Nachtschatten und gut erkennbar. Zudem trotzen die beiden Nachtschattenarten zunehmend dem Giftcocktail, der auf die Felder gesprüht wird, um alles zu vernichten, was nicht erwünschte Nutzpflanze ist. Es ist also zu erwarten, daß diese beiden Nachtschattenarten in Deutschland häufiger werden.
Der beste Schutz davor, daß die Meerschweinchen diese Nachtschattenarten fressen, ist es, ab und an das Grün von Tomaten, Auberginen etc dran zu lassen - Meerschweinchen fressen solaninhaltige Pflanzen nur dann, wenn sie es zur Darmsanierung brauchen (oder wenn sie nur mit Heu - bissi Gemüse gefüttert werden, aber deine bekommen ja Wiese und müssen nicht hungern). Sie bevorzugen dabei die für sie ungefährlichen Nutzpflanzen und rühren die heimischen Nachtschattenarten nicht an.
Sollten sie dennoch heimische Nachtschatten futtern, ist das kein großes Problem, sie überleben es ohne Probleme ... allerdings ist der Verdacht, daß herzkranke Meerschweinchen nen Herzkasper durch heimische Nachtschatten bekommen, nicht restlos beseitigt. Es bleibt also ein Restrisiko.
Das man das inzwischen sehr selten gewordene Bilsenkraut stehenläßt, sollte eigentlich selbstverständlich sein - wir müssen nicht unsere eh schon drangsalierte aussterbende Pflanzengesellschaft noch weiter ausrotten ...
Das schwarze Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) wächst hauptsächlich auf Schuttplätzen, auf Müllhalden und an Wegrändern - aber es ist recht selten, daß man mal eines findet.
Das Schlimmste, was passieren kann, wenn Meerschweinchen das Kraut fressen, ist vermutlich ein netter Rausch ... ich persönlich vermute, selbst das passiert nicht, der Gehalt an den wirksamen Glycosiden von Scopolamin und Hyoscyamin sind mit weit unter 0,2% dafür viel zu gering dosiert, um einem Meerschweinchen nen Rausch zu verpassen.
Tollkirschen (Atropa belladonna) wachsen in Wäldern ... Kaninchen fressen sie, als sei das Salat, die Wirkung auf Meerschweinchen ist unbekannt, weil - sie fressen Tollkirschen nicht, sie probieren nicht mal.

- weißer Germer (Veratrum album):
Am weißen Germer sterben immer wieder Kälber, Zicklein und Lämmer ... wie Meerschweinchen drauf reagieren, ist bislang nicht bekannt. Der beste Schutz ist es, dafür zu sorgen, daß Aktivkohle immer für die Meerschweinchen erreichbar und verfügbar ist. Da Aktivkohle generell gegen Vergiftungen gut hilft und die Meerschweinchen recht schnell lernen, Aktivkohle richtig anzuwenden, Aktivkohle zudem gar nicht so teuer ist, sollte sie eh immer verfügbar sein.
Die Blätter sind gut zu erkennen ... die Blattnerven sind parallel wie bei den Wegerichen, aber entspringen nicht einer Rosette (also einem Punkt in oder knapp über der Erde, aus dem alle Blätter wachsen), sondern sie wachsen wie bei anderen Pflanzen am Stiel, wobei sie den Stiel mit der Blattbasis regelrecht umarmen.
Gerade weil nix bekannt ist darüber, wie Meerschweinchen den weißen Germer vertragen, sollte hier tatsächlich drumrumgepflückt werden ... vorsichtshalber. Genau wie man ja auch die Herbstzeitlose stehen läßt und nicht extra noch Herbstzeitblumenblütensträuße pflückt und den Meerschweinchen ins Futter legt.
Weißer Germer kommt hauptsächlich auf feuchten Wiesen in Österreich, den gesamten Alpen und seltener im Alpenvorland vor, in Nord- und Mitteldeutschland ist man sicher vor ihm, da wächst er nicht.

- Fingerhüte (Digitalis)
Auch hier ist bislang meines Wissens unbekannt, wie sie auf Meerschweinchen wirken, denn Fingerhüte werden von Meerschweinchen nicht angeknabbert. Kaninchen vertragen Fingerhüte, da gibts einige Erfahrungsberichte, sollten jedoch nicht geziehlt gesammelt werden.
Fingerhüte kommen meist in größeren Gruppen vor, man sieht sie oft im Herbst wunderschön blühend auf Waldwiesen oder an Waldrändern. Wenn du bislang keine Fingerhüte in deiner Umgebung gesehen hast, wirst du recht sicher vor ihnen sein - wenn du im Herbst Fingerhüte siehst, merk dir die Stellen, gerade die Blätter sind im Frühjahr nicht gut zu bestimmen, da brauchts ein wenig Übung. Einfach dort, wo du dir Fingerhutstellen im Herbst gemerkt hast, im Frühjahr nicht pflücken, dann gehst du jedem noch so kleinen Risiko aus dem Weg :D
Ansonsten wird auch nix passieren, wenn mal ein paar Blätter ins Pflückgut kommen - auch deine Meerschweinchen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nen Bogen drum machen.

- Aaronstab (Arum):
Die Aaronstäbe schützen sich mit Oxalatraphidien, das sind kleine, nadelspitze Kanülen aus Oxalatsalzen. Mit diesen kleinen Kanülen spritzen sie hochkonzentrierte Oxalsäure in die Haut, die Schleimhäute etc. Bei uns Menschen mit unseren dünnen Schleimhäuten gelangt dadurch die Oxalsäure in den Körper, ins Blut etc, wo sie nicht hingehört - mit extrem unangenehmen Auswirkungen, wie beispielsweise Anschwellen der Speiseröhre und zuschwellen des Kreuzungspunktes, wo Luftröhre und Speiseröhre sich kreuzen, weiterhin Erbrechen und schwere Durchfälle, extreme Schwäche etc. Weiterhin enthält der Aaronstab wohl kleinere Mengen Coniin und Saponin - was auch nicht in den Körper gehört und die unangenehmen Symptome noch weiter verstärkt.
Normalerweise werden die Aaronstäbe deshalb stehengelassen, selbst Kaninchen machen da nen Bogen drumrum ... sollte dennoch wider Erwarten ein Aaronstab gefressen werden, sind die Meerschweinchen davor durch ihre dicken Lippen gut vor geschützt - allerdings kann es dazu kommen, daß die Lippen noch dicker werden, wie sie eh schon sind - sieht gefährlich aus, ist es aber nicht.
Trotzdem ist das eine recht auffällige Pflanze, die man eigentlich gut erkennt (vor allem nun, wo sie ihre leuchtendroten Beeren zeigt), wo es keinen Grund gibt, sie mitzupflücken - wird ja eh nicht gefressen.
Also stehenlassen.
Aaronstab findest du insbesondere in Wäldern, aber ich hab sie in Diez auch schon auf einem kleinen Wiesenstück stehen sehen, vermutlich waren sie da Gartenflüchtlinge.

- Brechnuß (Strychnos nux-vomica und Strychnos ignatii):
Gerade die Brechnuß dürfte für deine darmkranken Schweinchen ne reelle Gefahr darstellen ... sie verstärkt die Symptome bei Darmerkrankungen, das kann zu flüssigem Durchfall führen und Brechnuß scheint bisweilen freiwillig gefressen zu werden.
Die Brechnuß ist ein Strauch, der bisweilen in Stadtparks angepflanzt wird (zum Glück nur selten). Er ist die vermutlich einzigste in Deutschland vorkommende Laubstrauchart, die Meerschweinchen gefährlich werden kann ...
Bester Schutz ist übrigens ein gefüllter Magen ... und das haben Meerschweinchen von Hause aus. Sie werden also, im Gegensatz zu uns Menschen, nicht davon sterben.

Ich hoffe, ich hab mit dieser Liste keine Angst vorm unsortierten Sammeln gemacht - wirklich gefährlich sind nur ganz wenige Arten und die sind zudem auch noch sehr selten geworden in unserer Landschaft. Und selbst wenn sie ins Pflückgut geraten, wird fast nie etwas passieren. Meerschweinchen gehören zu den Tierarten, die erhebliche Mengen selbst von gefährlichen Wirkstoffen vertragen ... und sie können sehr gut selektieren.

Ephedra

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 98 am: 08. September 2017, 17:31 Uhr »
War da nicht noch was mit Farnen oder hab ich mir das falsch abgespeichert?

Gerti

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 99 am: 08. September 2017, 20:52 Uhr »
Danke schön für den ausführlichen Bericht den man auch super versteht.  :freu: Einfach Klasse  :bravo:
LG Gerti

Murx Pickwick

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 100 am: 08. September 2017, 23:38 Uhr »
Der giftigste Farn im deutschsprachigen Raum ist der Adlerfarn (Pteridium aquilinum). Die noch eingerollten Blätter des jungen Adlerfarns wurden noch um 1900 bei uns gegessen, in Japan und weiteren Ländern gelten diese jungen Blätter als Delikatesse (wobei dort meist ein Verwandter des Adlerfarns gefuttert wird, der deutlich verträglichere Pteridium esculentum. Der Artzusatz esculentum im Namen einer Pflanze deutet übrigens schon daraufhin, daß sie gegessen wurde und als Speisepflanze galt. Esculentus ist lateinisch und heißt eßbar). Die jungen eingerollten Blätter sind allerdings für uns Menschen nicht roh zu empfehlen, man sollte sie kochen - und nach der Empfehlung von Fleischhauer bestenfalls gelegentlich verspeisen (wobei er interessanterweise auch einen Rohgenuß erwähnt).
Die Japaner kochen die jungen, noch eingerollten Blätter der Pteridium-Arten grundsätzlich in Natronlösung.
Der Wurzelstock wurde in Notzeiten zu Mehl verarbeitet, mit welchem man Getreidemehle strecken konnte. Trotz der aufwendigen Bearbeitung des Wurzelstockes, bis es ein brauchbares Mehl ergibt, was mal kein Bauchweh macht, war es günstiger, wie Mehl in Mangelzeiten zu kaufen.
Medizinisch wurde der Adlerfarn sehr vielseitig verwendet, so wurden Tees zur Rheumabehandlung und bei Verdauungsproblemen aufgebrüht. Die Wurzel wiederum galt als harn- und wurmtreibend, selbst Tuberkulose soll damit geheilt worden sein. Außerdem wurden Tees aus der Wurzel bei Magenkrämpfen, Brustschmerzen, inneren Blutungen (au weia!) und Durchfällen eingesetzt ... aus der Wurzel wurden auch Zubereitungen für Umschläge und Waschungen bereitet, mit denen Verbrennungen und Geschwüre behandelt wurden.
In der heutigen Zeit gilt die kulinarische und heilmedizinische Aufbereitung des Adlerfarns für Menschen als obsolet ... es ist sehr wahrscheinlich, daß er Speiseröhren- und Magentumore fördert oder sogar erzeugt.

Die ausgewachsenen Blätter des Adlerfarns wurden früher als Einstreu fürs Vieh benutzt - hält diverse Parasiten fern und gibt eine weiche, kostenlose Unterlage. Dürfte allerdings für Pferde in Boxenhaltung nicht praktikabel sein, für Pferde ist der Adlerfarm nicht nur unbekömmlich, sondern kann schwere Koliken nach sich ziehen, wenn er gefressen wird. Auch Schäden am Zentralnervensystem werden immer wieder in der Fachliteratur als Vergiftungssymptome beim Pferd durch Adlerfarn angegeben. Er gilt für Pferde deshalb als stark giftig.
Aber was ist für Pferde schon ungiftig? - Die sind ja noch empfindlicher, was Pflanzenwirkstoffe angeht, wie wir Menschen!

Unsere Meerschweinchen nutzen die Blätter des Adlerfarns genauso als Entwurmungsmittel, wie den Wurmfarn ... wobei Wurmfarn die bessere Alternative ist, er wirkt stärker und hat generell weniger Nebenwirkungen.
Die Wurzel kann schön im Boden bleiben, die Wirkung der Blätter der Farne reicht bei der Entwurmung absolut aus und werden bei Bedarf freiwillig gefressen, was man von der Wurzel nu nicht unbedingt sagen kann.
Wenn keine Würmer da sind, gegen die der Farn wirkt, bleiben Farne liegen.
Ist also anders wie bei Kürbiskernen des Gartenkürbis (zu dem übrigens auch die Zucchini zählen). Die Kerne des Gartenkürbis einschließlich der Zucchini werden von Meerschweinchen oft recht gern auch so verspachtelt und sind eine gute Quelle für essentielle Fettsäuren. Da sie eine fast identische Wurmkurwirkung haben, sind Kürbiskerne die bessere Wahl, aber man kann auch ab und an Farnblätter anbieten. Die Farne gleichen den Blattraub mit vermehrtem Blattwachstum wieder aus, man schädigt sie nicht, wenn man das ein oder andere Blatt mitnimmt.

Kurzum, für unsere Meerschweinchen gibts keine giftigen Farne im deutschsprachigen Raum.

Es gibt in den Tropen einige Farne, die sind nicht so nett, wie unsere heimischen Arten ... bei den Zierfarnen sollte man sich da genau vorher informieren, welche Art man da vor sich hat und ob die kulinarisch oder als Meerschweinfutter geeignet sind, bevor man sie in den Eintopf schmeißt oder an die Schweinerei verfüttert. Dazu kommt noch zusätzlich das Problem des Pflanzenschutzes, was für uns Tierhalter generell ein nicht kalkulierbares Risiko darstellt.
Ach ja ... und für uns Menschen gibts da ja noch das Tumorproblem (s. o.)

Quelle zur Nutzung des Adlerfarns:
Fleischhauer, S. et al. (2014): Enzyklopädie Eßbare Wildpflanzen. 2. Aufl. AT Verlag, Aarau und München.
Marzell, Dr. H. (1923): Neues illustriertes Kräuterbuch. Eine Anleitung zur Pflanzenkenntnis unter besonderer Berücksichtigung der in der Heilkunde, im Haushalt und in der Industrie verwendeten Pflanzen, sowie ihrer Volksnamen. Enßlin & Laiblin, Reutlingen.

Ephedra

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 101 am: 09. September 2017, 00:13 Uhr »
Ahhhhh, merci  :fr:

Vio

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 102 am: 09. September 2017, 15:26 Uhr »
Meine Schweine stehen allerdings jederzeit auf Wurmfarn, Kürbiskerne bleiben eher liegen. Wobei ich nun auch ein Schwein zu haben scheine, was die "aufräumt" :-)
Auch wenn wir -augenscheinlich?- kein Wurm Problem haben, ist der Farn hier immer gern gesehen. Vielleicht haben wir das Problem auch deshalb nicht...
Wenn ich wieder Zuhause bin aus dem Urlaub würde ich gerne den Beitrag zum Farn von murx in den entsprechenden Thread stellen :-)
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

Murx Pickwick

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 103 am: 09. September 2017, 18:47 Uhr »
Kannst du tun ...

Deine Schweine sind die ersten Schweine, von denen ich höre, daß sie lieber Farnwedel futtern, wie Kürbiskerne - find ich sehr faszinierend :D

Es kann auch möglich sein, daß deine Schweinerei auf irgendeine andere Wirkung der Farnwedel aus ist - das Heilspektrum ist ja doch recht umfangreich, nur halt für uns Menschen nicht gut nutzbar.
Aber das heißt ja nicht, daß Meerschweinchen Farnwedel auch nicht nutzen können ...

Vika

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Antwort: Alle Meerschweinchen seit 4 Monaten Blähungen
« Antwort 104 am: 11. September 2017, 17:04 Uhr »
Danke für die ausführliche Zusammenfassung!  :bravo:
Das hat mir meine Angst ein bisschen genommen. :)

Falls es jemanden interessiert, ich habe Freitag mit Chinakohl angefangen (Pak Choi nicht gefunden) und sie haben es sehr gut vertragen. Am nächsten Tag habe ich zusätzlich noch Rucola probiert und damit haben sie auch keine Probleme (bläht das denn überhaupt?). Jeden Tag steigere ich beides und bisher keine Probleme damit. Mir kommt es so vor, als ob es ihnen sogar besser geht, aber das bilde ich mir wahrscheinlich ein.  :g:
Wann und welchen Kohl soll ich als nächstes anfüttern?