Autor Thema: mehrere Meerschweinchengruppen (z.B. vor der VG) im selben Raum  (Gelesen 419 mal)

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tupe

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Hallo,

Ich habe ein paar Fragen zur Interaktion zwischen Meerschweinchen, die nicht auf dem selben Territorium leben, sich aber hören / sehen / riechen.

Was ich mich aber im letzten Jahr vor einer Vergesellschaftung gefragt habe (nicht die, die ich hier im Forum erörtert habe):
Ist es für eine folgende Vergesellschaftung förderlich oder eher nachteilig, wenn sich die einander fremden Meerschweinchen vorher schon sehen/hören/riechen können, z.B. wenn die "neuen" Meerschweinchen im selben Raum wie die "alten Meerschweinchen" untergebracht sind?

Zu dieser Frage habe ich in der Vergangenheit immer wieder zwei widersprüchliche Antworten gelesen:
  • Variante 1: Die Meerschweinchen sollten sich auf keinen Fall sehen / hören / riechen, weil sie das dann stressen würde, andere Schweinchen zu sehen / hören / riechen, aber die Rangordnung nicht klären können.
  • Variante 2: Es kann sich positiv auf die VG auswirken, wenn sie vorher schon von der Existenz der anderen wissen.
Sollte Variante 1 stimmen, dann könnte man ja theoretisch auch nicht ohne Probleme zwei Meerschweinchengruppen im selben Raum halten bzw. passt das auch nicht ganz zu den Meerschweinchen, die ja theoretisch auch in Großgruppen klar kommen :frage:

Ich hatte bisher immer nach Gefühl gehandelt, manchmal waren die neuen Schweine vor der VG im selben Raum untergebracht (aber ohne Sicht- / engeren Riechkontakt), manchmal nicht.

Was meint ihr dazu?

Dann liest man immer, dass es Schweinchen allgemein nicht stört, wenn andere Schweine-Gruppen im selben Raum sind.

Ich hatte mal für ca. eine Stunde zwei unkastrierte Böckchen im selben Raum (aber ca. 8m entfernt) wie einen Harem aus drei Schweinen. Vermutlich angestachelt durch den Weibchengeruch hat der eine den anderen immer wieder gejagt und ist aufgestiegen. Der Gejagte hat in der Folge "herumgeschrien".
(Falls es interessiert, der Jäger war da der "unterlegene Kastrat" aus diesem Thread  :link: und der Schreier der "dominante Kastrat")
Das hatte auf jeden Fall Auswirkungen auf die Schweinchen im Harem: Zwei haben sich erstarrt versteckt und das dritte schien das schreiende Schweinchen zu suchen - gesucht hat es in ängstlicher Körperhaltung. Die Reaktion des Harems ist ja auch logisch, aber dort haben sie sich z.B. gestört.

Hier frage ich für mich.
Wir wollen nämlich bald unseren zweiten Harem im selben Raum wie den ersten Harem halten. Ich geh davon aus, dass sich die beiden Kastraten hoffentlich dran gewöhnen, das der andere Brommsler außerhalb des eigenen Reichweite ist und das sich die anderen Schweinchen natürlich auch dran gewöhnen.
Gibt es da eigentlich auch negative Erfahrungswerte mit mehreren Gruppen in einem Raum? Könnte es die Schweinchen doch etwas stressen?
Die eine Gruppe würde auf dem Boden, die andere in 1m Höhe sein und theoretisch können die sich durch die Scheibe von weiten sehen, sicher auch riechen und hören sowieso.
LG :-)

Vio

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Antwort: mehrere Meerschweinchengruppen (z.B. vor der VG) im selben Raum
« Antwort 1 am: 15. Februar 2022, 13:43 Uhr »
Hallo  :winke:
Ich finde, das ist pauschal schwierig zu beantworten... Bei unkastrierten Jungs und Weibchen in einem Raum - würde ich ein klares "Nein, nicht gut" sagen. Auch bei mehreren unkastrierten Jungs, die sich riechen und hören, kann es zu Problemen kommen.

Mein Kastrat Quentin hat aber auch Urlaubskastraten auf der Wiese immer gleich bemerkt (Geruch? Gehört? Kein Sichtkontakt) und ist dann die ganze Zeit im Kampfmodus am Zaun entlang, der ihn von dem anderen Kastraten (alt und ruhig) trennte. Wiederum als ich ein Jahr lang ein Mädchen aus der Gruppe nehmen musste und einen Kastraten für sie hatte, war Quentin super entspannt. Weder mit Sichtkontakt noch ohne hat ihn der andere interessiert... War für mich überraschend. Sie sassen sogar durch ein Missgeschickt (der andere Kastrat war sehr agil, sehr freundlich und an den "Nachbarn" sehr interessiert, so dass er ein Zäunchen zur Seite gesetzt hatte und mal "drüben die Nachbarn besuchen war" :D) beieinander und haben sich nichts getan. Eine VG als gemeinsame Gruppe hatten wir daher probiert, scheiterte aber daran, dass Quentin blind war und Angst vor dem anderen Kastraten hatte. Obwohl dieser ihn völlig in Ruhe liess, hat ihn das sehr gestresst und er hat mehr und mehr mit Angst-Abwehrreaktionen reagiert, was den anderen in Stress versetzt hat, der das nicht verstand. Wir haben sie daher getrennt, da keiner in diesem Modus leben sollte, zumal ja nicht klar war, ob sie sich da jetzt durchkämpfen müssen, wenn es ja auf Dauer vielleicht eh nicht klappt (beide auch krank, daher fraglich, wie viel Zeit blieb).
Da reagierte Quentin aber in jedem Fall auch bei Hören und Riechen ganz anders, als bei den Urlauber-Kastraten.

Bei Vergesellschaftungen mit Herz-kranken oder alten und kranken Schweinchen oder schwierigen Mädels, die sofort wegen Angst durch schlechte Erfahrungen auf Angriff gingen, hab ich gute Erfahrungen, sie eine Weile zuvor am Trenngitter sitzen zu lassen. Da können sie sich am Gitter schon etwas begegnen, ohne sich viel tun zu können. So können sie sich auch zurückziehen und müssen keine Angst haben, gestört zu werden. In neuer Umgebung können sie sich so auch erst mal etwas an Geräusche, Räume, neue Menschen etc. gewöhnen, bevor sie sich auch noch um die VG kümmern müssen. Je nachdem, wie die Tiere sich verhalten, haben wir das über ein paar Stunden bis ein paar Tage so belassen. Ich denke schon, dass dies was gebracht hat und die VGs ein wenig entstresst und einfacher gemacht.
Normal gehen sie sich am Gitter nicht an, weil sie das Gitter nervt. Bei Tieren, die generell unbedingt einen Kampf austragen "möchten", um die Rangordnung zu klären, kann das Gitter natürlich dann zur Frustration führen, weil sie dies nicht können (z.B. eben oft bei unkastrierten Jungs).
Da muss man einfach gut beobachten.

Meiner Erfahrung nach stört es die meisten Mädels und Haremsgruppen inkl. Kastrat nicht, andere Schweine zu hören oder zu riechen, solange es keine Eindringlinge in ihren Bereich gibt.

Am Ende bleibt es individuell verschieden und im Zweifel muss man es einfach probieren (ausser bei unkastrierten Jungs und Mädels in Kombi, da würde ich von abraten, denn das finde ich allgemein fies für die Jungs, die Mädels zu sehen und zu riechen, immer heiss auf sie zu sein, aber nie zu ihnen zu dürfen.)

In deinem Fall jetzt könnte ich mir vorstellen, dass es gut klappt und die Gruppen sich nicht aneinander stören :-) Du hast sie ja gut im Blick und kannst beobachten, wie es läuft auf Dauer.
*Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.*

Liebe Grüße von Vio und der Schweinebande :mms:

tupe

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Antwort: mehrere Meerschweinchengruppen (z.B. vor der VG) im selben Raum
« Antwort 2 am: 17. Februar 2022, 11:08 Uhr »
@Vio Danke schön für deine Antwort.  :-)

In neuer Umgebung können sie sich so auch erst mal etwas an Geräusche, Räume, neue Menschen etc. gewöhnen, bevor sie sich auch noch um die VG kümmern müssen.
Ja, das war für mich auch immer das Argument und der Grund, die neuen Schweine schonmal ins Zimmer, in dem sie später vergesellschaftet werden sollen, zu packen.

Es war auch für mich tatsächlich bisher auch am angenehmsten, als ich die VG hatte, bei der ich alle beteiligten Schweine schon näher kannte und sie mich näher kannten.

Bei unkastrierten Jungs und Weibchen in einem Raum - würde ich ein klares "Nein, nicht gut" sagen.
War auch immer meine erste Intuition. Komischerweise gibt es allerdings viele Notstationen / Pflegestellen, die ihre unkastrierten Männchen bei den Weibchen haben. Das irritiert mich irgendwie.   :frage:
Auch wenn meine beiden mittlerweile kastrierten Böcke dich und meine Intuition bestätigt haben.  :g:
LG :-)

Vio

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Antwort: mehrere Meerschweinchengruppen (z.B. vor der VG) im selben Raum
« Antwort 3 am: 17. Februar 2022, 14:31 Uhr »
 :winke: :-)
Das mit den Notstationen kenne ich auch so, allerdings ist es da ja so, dass die Jungs eh nur ein paar Wochen so leben normalerweise und auch kastriert werden. Zudem gibts da so viele Schweinchen oft, auch häufig wechselnd durch viel Fluktuation... Ich glaub, das ist generell stressig mit immer wieder neuen Gerüchen und neuen Tieren in der Gruppe und so natürlich nicht optimal. Aber es ist da ja auch nur für kurze Zeit und muss auch nicht unbedingt zu Problemen oder Stress führen. Ich persönlich hab es aber immer so übernommen und meine Freundin mit Notstation hat es mir auch bestätigt, obwohl sie immer versucht, den Stress zu minimieren.
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